Antisemitismus

Anti-Israel-Demo bleibt verboten

Während der Anti-Israel-Demo am 22. April waren wiederholt antisemitische Parolen zu hören. Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Nach dem Berliner Verwaltungsgericht hat auch das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg (OVG) das Verbot einer für Freitagnachmittag geplanten pro-palästinensischen Demonstration in der Hauptstadt bestätigt. Damit wiesen die Richter des OVG die Beschwerde des Veranstalters gegen eine zuvor ergangene Entscheidung des Verwaltungsgerichts vom selben Tag zurück. Wegen der Eilbedürftigkeit erging die Entscheidung des OVG zunächst ohne schriftliche Erklärung.

Zur Verbotsbegründung hatte das Verwaltungsgericht mitgeteilt, in der Vergangenheit seien bei ähnlichen Versammlungen des Veranstalters Flaschen, Steine und Pyrotechnik auf Polizistinnen und Polizisten geworfen worden. Zudem sei es wiederholt zu Äußerungen mit strafbarem Inhalt gekommen.

Die Berliner Polizei hatte eine für Freitag angemeldete pro-palästinensische Demonstration verboten. Das Verbot erfolge nach Bewertung aller Umstände und Erkenntnisse sowie der Abwägung sämtlicher Interessen, erklärte die Polizei.

Das Verbot der Demonstration unter dem Titel »Protestdemonstration gegen die israelische Aggression in Jerusalem« sowie von Ersatzveranstaltungen gelte bis einschließlich Sonntag, den 1. Mai.

GEFAHR Die Polizei begründete das Verbot mit den Erfahrungen der jüngeren Vergangenheit sowie weitergehenden Erkenntnissen. Demnach gehe die Versammlungsbehörde von einer unmittelbaren Gefahr aus, dass es zu volksverhetzenden, antisemitischen Ausrufen sowie Gewaltverherrlichung und Gewalttätigkeiten kommen könnte.

Steffen Dopichay, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion 5 und dort zuständig für die verbotene Demonstration, sagte am Freitag bei einem Pressegespräch, die Berliner Polizei sei auf alle Eventualitäten vorbereitet. Unabhängig davon, ob das Verbot Bestand habe oder nicht, werde man mit 600 bis 700 Einsatzkräften am Ort des geplanten Protestzugs im Einsatz sein.

Die Berliner Innensenatorin Iris Spranger (SPD) begrüßte das Verbot: »Wir haben letztes Wochenende bei den Demonstrationen Straftaten, antisemitische Ausrufe und Parolen übelster Art erleben müssen. Das ist völlig inakzeptabel.«

»Es wird Zeit, endlich gegen Hass und Hetze dieser Gruppierungen vorzugehen«

DIG Berlin/Brandenburg

Auch die Deutsch-Israelische Gesellschaft Berlin und Brandenburg begrüßte die Entscheidung. Dies sei ein Schritt in die Richtung, die die Vereinigung in einem Offenen Brief an Bundesinnenministerin Nancy Faeser gefordert habe. »Wir sind über die immer aggressiver und selbstbewusster in der Öffentlichkeit auftretenden Israel- und Judenhasser und Feinde der westlichen Werte besorgt«, hieß es in dem Brief, und weiter: »Es wird Zeit, endlich gegen Hass und Hetze dieser Gruppierungen vorzugehen – ob auf der Straße, in Moscheen, in Kulturvereinen oder im Internet.«   

Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee erklärte, der Hass gegen jüdische Menschen bei derartigen pro-palästinensischen Auftritten in Berlin sei für Überlebende besonders »niederschmetternd und unerträglich«.

Am vergangenen Wochenende hatten mehrere Hundert Menschen gegen Israel demonstriert. Aus dem Demonstrationszug heraus waren wiederholt antisemitische Parolen gerufen und Medienvertreter attackiert worden.

Frankfurt In Frankfurt am Main fand am Samstagnachmittag unter dem Motto »Gemeinsam sind wir stärker« unter Auflagen eine pro-palästinensische Demonstration statt. Sie verlief nach Polizeiangaben ohne besondere Vorfälle. An dem Marsch durch das Zentrum hätten sich lediglich 65 Menschen beteiligt, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums dem Evangelischen Pressedienst mit. Die Veranstalter von der Initiative »Free Palestine FFM« hatten ursprünglich mit 200 bis 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gerechnet.

Zuvor hatten die Jüdische Gemeinde in Frankfurt am Main und der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker ein Verbot der Kundgebung gefordert.

Die Jüdische Gemeinde in der Mainmetropole erklärte dazu: »Wer das antisemitische Chiffre ‚Vom Fluss bis zum Meer‘ (‚From the river to the sea‘) verwendet, ruft ganz eindeutig und unverfroren zur Vernichtung des Staates Israels auf. Die geplante pro-palästinensische Demonstration ist daher ein Beispiel für angekündigten Antisemitismus in unserer Stadt.«

Die Verantwortlichen der Behörden und der Stadtpolitik dürften keinen Antisemitismus in Frankfurt zulassen und müssten die Demonstration daher verbieten, hieß es in der Mitteilung des Gemeindevorstands. »Weder darf Antisemitismus von der Meinungsfreiheit noch antisemitische Kundgebungen vom Versammlungsrecht gedeckt werden.« ja/epd

Syrien

Damaskus: Explosionen in der Nähe von Macrons Hotel

Der französische Präsident Emmanuel Macron ist aktuell zu einem Besuch in Syrien. Zum Zeitpunkt der Detonationen traf er sich gerade mit dem Präsidenten Ahmed al-Scharaa

 07.07.2026

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Beitrag für Yad Vashem

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Die Bundesrepublik will sich künftig verstärkt an der Finanzierung beteiligen

 07.07.2026

Tschechien

Tschechien darf Neonazi Liebich ausliefern

Im Fall des verurteilten Rechtsextremisten Sven Liebich hat das Oberlandesgericht in Prag entschieden

 07.07.2026

NRW

Anschlag auf jüdisches Gedenkprojekt in Mönchengladbach

Nach einer heftigen Explosion ermittelt der Staatsschutz. Die Polizei sucht Zeugen

 07.07.2026

Nahost

Bericht: Iran greift Handelsschiffe in der Straße von Hormus an

Die Revolutionsgarden drohen weiterhin mit Raketen- und Drohnenangriffen

 07.07.2026

Schönefeld

Wadephul reist zu Gesprächen nach Israel

Der Bundesaußenminister ist bereits auf dem Weg in den Nahen Osten. Die Liste der Themen ist lang

 07.07.2026

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der Podcaster Benjamin Berndt schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026

Diplomatie

Streit mit der Türkei: Wadephul stellt sich an die Seite Israels

Außenminister Johann Wadephul hat Aussagen seines türkischen Amtskollegen Hakan Fidan als »vollkommen unangemessen« bezeichnet. Fidan hatte Israel ein »Problem für die Menschheit« genannt

 07.07.2026 Aktualisiert

Jerusalem

»Antisemitische Hetze« und »Aufruf zum Völkermord«: Streit zwischen Israel und Türkei eskaliert

Türkeis Außenminister hatte Israel als Problem für die Menschheit bezeichnet, das nicht länger ertragen werden könne

 07.07.2026