Nahost

Analyse: Iran repariert Raketenanlagen schneller als Nuklearzentren

Dieses Satellitenbild zeigt einen Komplex im iranischen Schahroud, auf dem Raketen entwickelt und hergestellt werden. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Neue Satellitenaufnahmen deuten darauf hin, dass der Iran nach den israelischen und US-amerikanischen Angriffen im vergangenen Jahr mit dem Wiederaufbau wichtiger Militäranlagen begonnen hat – allerdings mit unterschiedlicher Priorität. Während mehrere beschädigte Raketenstandorte offenbar zügig instand gesetzt wurden, kommen die Arbeiten an zentralen Nuklearanlagen deutlich langsamer voran. Die »New York Times« berichtete zuerst.

Nach einer Auswertung der Bilder wurden an mehr als der Hälfte der betroffenen Orte Bauaktivitäten festgestellt. Experten sehen darin Hinweise auf die militärische Strategie Teherans: Sollte es zu neuen Angriffen kommen, gilt der Einsatz ballistischer Raketen gegen Israel und US-Ziele in der Region als eine der wenigen glaubwürdigen Abschreckungsoptionen.

Parallel zu diesen Entwicklungen versuchten Washington und Teheran zuletzt, die Lage diplomatisch zu entschärfen. Bei Gesprächen in Oman bezeichnete der iranische Außenminister die Verhandlungen als »guten Anfang« und betonte, sie hätten sich ausschließlich auf das Nuklearprogramm konzentriert. Über das Raketenprogramm des Teheraner Regimes und dessen Unterstützung der Terrororganisationen Hamas, Hisbollah und Huthi wurde demnach nicht geredet.

Höchste Priorität

Fachleute, die das iranische Raketen- und Atomprogramm beobachten, bestätigen den Befund der Satellitenanalyse. Demnach wurde besonders intensiv an Produktionsstätten für Raketen gearbeitet. So sei die Test- und Produktionsanlage in Schahroud vergleichsweise schnell wieder funktionsfähig gemacht worden. Die »New York Times« zitierte einen namentlich nicht genannten Experten: »Schahroud ist die größte und modernste Produktionsstätte für Feststoffraketen des Landes – daher überrascht es nicht, dass sie höchste Priorität hatte.«

Lesen Sie auch

Im Gegensatz dazu zeigen die Aufnahmen an den wichtigsten iranischen Urananreicherungsanlagen in Isfahan, Natans und Fordo nur begrenzte Fortschritte. Einige zerstörte Gebäude wurden mit neuen Dächern abgedeckt, was Beobachtern zufolge auch dazu dienen könnte, Aktivitäten vor Satelliten zu verbergen. Westliche und israelische Stellen sehen bislang kaum Hinweise darauf, dass Teheran seine Fähigkeit zur Urananreicherung oder zur Entwicklung eines nuklearen Sprengkopfes umfassend wiederhergestellt hat.

Gleichzeitig wurden dem Bericht zufolge in der Nähe der betroffenen Nuklearstandorte neue Sicherungsmaßnahmen beobachtet, darunter verstärkte Tunnelzugänge und zusätzliche Barrieren. Experten gehen davon aus, dass diese Arbeiten sowohl der Schadensbegrenzung als auch der Vorbereitung auf mögliche weitere Angriffe dienen. Ein Analyst sagte, man habe bisher keine großangelegten Versuche gesehen, empfindliche Ausrüstung aus den beschädigten Anlagen zu bergen, warnte aber: »Der Iran verfügt weiterhin über einen Vorrat an angereichertem Uran, der grundsätzlich waffenfähig gemacht werden könnte.«

Neue Aktivitäten wurden auch am Militärkomplex Parchin südöstlich von Teheran festgestellt, wo Tests mit Hochsprengstoffen durchgeführt werden, die für Nuklearwaffen relevant sein können. Dort scheint eine große zylindrische Anlage errichtet worden zu sein, deren Zweck unklar ist, die jedoch auf eine strategische Bedeutung des Standorts hindeutet. im

Ugandische Truppen

Nahost

Ugandas Parlament billigt Truppenentsendung nach Gaza

Auf US-Anfrage soll sich ein Kontingent der ugandischen Armee der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe anschließen. In Afrika zählt das Land zu den größten Truppenstellern für Friedensmissionen

 07.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 07.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 07.08.2026

AfD-Verbot

»Wachkitzeln von Gewalt- und Mordphantasien«

Der Historiker und NS-Forscher Götz Aly, der mit Blick auf die AfD bislang vor überzogenen Vergleichen mit dem Nationalsozialismus und der NSDAP gewarnt hatte, hat offenbar seine Position revidiert

 07.08.2026

Kanada

Bericht: Jüdische Studenten erleben Antisemitismus als alltägliche Realität

Fast alle befragten jüdischen Studenten geben an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einen antisemitischen Vorfall erlebt oder beobachtet zu haben

 07.08.2026

Miami

Antisemitischer Angriff in Starbucks-Filiale

Laut Polizei schlug eine Frau ihr Opfer mit einem Mobiltelefon. Dann habe sie mit einem Metallstuhl auf den Mann, der eine Kippa trug, losgehen wollen

 07.08.2026

Berlin

Klingbeil: AfD-Verbotsverfahren ernsthaft prüfen

Die Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren erhält neue Dynamik. Was sagt SPD-Chef Klingbeil und wie reagiert die Linke auf seinen Vorstoß?

 07.08.2026

Teheran/Maskat/Washington D.C.

Iran und Oman arbeiten an Hormus-Regelung – Teheran stellt Bedingungen an die USA

Iranischer Vertreter sagen, ein Rahmenabkommen für den Schiffsverkehr sei weit fortgeschritten. Eine sofortige Wiederöffnung der Wasserstraße sei damit jedoch nicht verbunden

 07.08.2026