Justiz

»Keine Verhaltensänderung zu erwarten«

Der Hamburger Antisemitismusbeauftragte Stefan Hensel Foto: picture alliance/dpa

Wegen eines Angriffs auf eine Mahnwache für Israel und gegen Antisemitismus hat das Landgericht Hamburg einen 18-Jährigen zu einer zweijährigen Jugendstrafe verurteilt. Die Strafe wegen schwerer Körperverletzung und Beleidigung sei am Freitag mit einer sogenannten Vorbewährung ausgesprochen worden, teilte ein Gerichtssprecher mit.

»Das jetzt gesprochene Urteil war erwartbar, im Sinne des Jugendstrafrechts«, erklärte der Beauftragte für jüdisches Leben und die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus in Hamburg, Stefan Hensel, auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen. »Der Skandal folgt daraus, dass das Opfer des Angriffs dauerhaft sein Augenlicht verloren hat und einen immensen finanziellen Schaden erleidet – neben den psychischen Folgen, die mit dieser Gewalttat einhergehen. Die Tat zieht eine Arbeitsunfähigkeit nach sich und eine angemessene Entschädigung ist nicht absehbar.«

Kompetenztraining Der junge Mann müsse zunächst ein Anti-Gewalt- und Kompetenztraining bei einer Beratungsstelle für Extremismusprävention machen, hieß es beim Landgericht. Die Jugendkammer trug ihm zudem auf, durch 60 Stunden gemeinnütziger Arbeit eine symbolische Schadenswiedergutmachung zu erbringen. In etwa einem halben Jahr will das Gericht dann über die Bewährung entscheiden.

Stefan Hensel glaubt nicht an eine positive Wirkung der Strafe oder der Auflagen. »Alles was wir über die Täter wissen, deutet darauf hin, dass sie weder ihren Hass ablegen werden, noch eine Verhaltensänderung hinsichtlich ihrer antisemitischen Gewaltbereitschaft zu erwarten ist«, sagte er.

Der Angriff hatte sich am 18. September 2021 in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs ereignet. Der Angeklagte schlug einem Teilnehmer der Mahnwache mit der Faust ins Gesicht und verletzte ihn erheblich. An dem Angriff war auch ein jüngerer Bruder des Angeklagten beteiligt. Die beiden Jugendlichen aus Berlin waren wenige Tage nach der Tat anhand von Videoaufzeichnungen von der Polizei identifiziert worden.

Jugendgerichtshilfe In erster Instanz hatte das Amtsgericht den 18-Jährigen zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Der damals 15 Jahre alte Bruder bekam die Auflage, die Tat in Gesprächen mit der Jugendgerichtshilfe aufzuarbeiten und gemeinnützige Arbeit zu leisten.

Wegen des jugendlichen Alters der Angeklagten fanden beide Prozesse unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Vor Beginn der Verhandlung am Amtsgericht hatte das Opfer, ein damals 61-Jähriger, angegeben, er sei nach der Attacke dreimal operiert worden. Sein Nasenbein, sein Jochbein und der Knochen unter einem Auge seien gebrochen gewesen. ja/dpa

Iran

Iran macht Öffnung der Straße von Hormus rückgängig

Keine 24 Stunden nach der Zusage des Iran, die Straße von Hormus zu öffnen, wurde sie wieder zurückgenommen.

 19.04.2026

Internationaler Strafgerichtshof

»Begünstigung von Kriegsverbrechen«: Israelische NGO zeigt Spaniens Regierungschef Sánchez an

Die Hintergründe

 18.04.2026 Aktualisiert

Israel

Zeit, Zionist zu sein!

Wir Juden sollten uns nicht verstecken. Wir sollten offen, laut und stolz sein - auch und insbesondere auf den jüdischen Staat

von Daniel Neumann  17.04.2026

ZDF-Politbarometer

Auf Bundesebene: AfD erstmals stärkste Kraft

Die rechtsextreme Partei profitiert von der Unzufriedenheit der Bürger mit der Regierung

 17.04.2026

Medien

Ex-»Welt«-Chefredakteur Burgard bei Springer künftig für Nahost zuständig

Burgard folgt auf Constantin Schreiber, der ab dem 1. Mai von Deutschland aus arbeitet

 17.04.2026

Berlin

Zentralrat der Juden gegen Widerspruchslösung

In seinem Tätigkeitsbericht für 2025 geht der Zentralrat auch ethische Fragen rund um das Thema Organspende ein

 17.04.2026

Genf

So reagiert die Weltbank auf antisemitische Posts von Francesca Albaneses Ehemann

Massimiliano Cali soll den palästinensischen Terrorismus relativiert und gegen Juden gehetzt haben

von Imanuel Marcus  17.04.2026

Paris

Bericht: Marine Le Pen trifft Israels Botschafter

Das Gespräch wirft diese Frage auf: Wie geht die Regierung Netanjahu mit rechtsextremistischen Parteien im Ausland um?

 17.04.2026

Yale-Umfrage

Jüngere Wähler in den USA äußern häufiger antisemitische Ansichten

Auch Plattformen wie TikTok spielen eine Rolle. Ihre Nutzer neigen eher zu Judenhass als Konsumenten herkömmlicher Medien

 17.04.2026