Meinung

Xavier Naidoo: Die Dinge beim Namen nennen

Umstritten: Das Landgericht Regensburg untersagt es, den Sänger Xavier Naidoo als Antisemiten zu bezeichnen. Foto: Getty Images

In diesem Kommentar geht es um einen Prominenten, dessen Statements von vielen als antisemitisch, rassistisch und verschwörungstheoretisch empfunden werden. Einen Prominenten auch, der als sehr klagefreudig gilt – weshalb wir hier vor einem ähnlichen Problem stehen wie die Bewohner des Harry-Potter-Universums: über ein Übel zu sprechen, dessen Name nicht genannt werden darf.

Der Prominente, der glaubt, unbequeme Wahrheiten auszusprechen, wird nämlich selbst schnell unbequem für Personen, die die Wahrheit über ihn sagen wollen – und seine Anhänger ebenso.

Aber der, dessen Name nicht genannt werden darf, muss nicht erst klagen, um für die Welt unsichtbar zu werden – hat die Öffentlichkeit doch ausgefeilte Mechanismen entwickelt, um die Augen vor ihm zu verschließen. Ganz gleich, was er anstellt, es wird ihm sogleich wieder verziehen.

THESEN Seit Jahren fällt er mit denselben empörenden Ansichten auf; die Medien geben sich immer wieder aufs Neue überrascht. Warum nur sind so viele irritiert davon, dass Xavier Naidoo nun einmal ist, was er ist?

Schon 2009 hat der Musiker von »Baron Totschild« fabuliert, bizarre Thesen über Schwule aufgestellt. Nach kurzer Empörung wurde er wieder wie ein unschuldiger Sängerknabe behandelt. Man kann ihm zu seinem Marketing gratulieren. Nun spricht er über »Gäste« und »Gastgeber«, raunt Andeutungen über die Straftaten Geflüchteter, wie man sie vor allem aus Verschwörungsblogs kennt.

Erst nach öffentlichem Druck verbannte der TV-Sender RTL den Musiker aus der Jury von »Deutschland sucht den Superstar«.

Für den TV-Sender RTL war das zunächst kein Grund, ihn aus der Jury von Deutschland sucht den Superstar zu verbannen – wieder brauchte es öffentlichen Druck. Auf den hat der Sender glücklicherweise reagiert. Und Naidoo rausgeworfen. Eine richtige Entscheidung – wenn auch spät. Naidoo verteidigte sich: Auch seine Familie sei als Gast nach Deutschland gekommen, habe sich »an Recht und Moralvorstellungen des Gastgebers gehalten«.

Insofern hat er recht: Wenn man Antisemitismus und Rassismus einer Aufnahmegesellschaft übernimmt, werden sie wahrscheinlich mit der dort üblichen wohlwollenden Ignoranz belohnt.

Immerhin: Protest wird inzwischen gehört. Wir müssen nur rechtzeitig damit anfangen – bevor der Mantel der Unsichtbarkeit wieder zu wirken beginnt.

Der Autor ist Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt.

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