Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Der WDR-Georg Restle verbreitete auf X die These, Israel stecke hinter dem jüngsten Ansturm auf Ceuta Foto: picture alliance/dpa

Der Journalist Georg Restle postete am Mittwoch auf der Plattform X einen Beitrag zu den jüngsten Ereignissen in der spanischen Enklave Ceuta. Er verlinkte einen Artikel des amerikanischen Politikwissenschaftlers Stephen Zunes in der Zeitung »The Nation«, der die Überschrift »The Real Story Behind the Human Wave That Entered Ceuta«). Darin stellt Zunes die These auf, das Eindringen von Zehntausenden von Flüchtlingen nach Ceuta vergangene Woche gehe auf ein Komplott Israels, der USA und Marokkos zurück.

Restle, seit Kurzem Leiter des ARD-Studios in Nairobi und von 2012 bis 2026 Moderator des Politmagazins »Monitor«, zitierte daraus in seinem X-Post den Satz, Ceuta sei »weder eine echte humanitäre Krise noch Teil eines antikolonialen Kampfes, sondern Teil der Bemühungen des wachsenden US-israelisch-marokkanischen Netzwerks« gewesen, »eine progressive europäische Regierung zu schwächen, Europa zu spalten und das Völkerrecht zu untergraben«.

Felix Schotland, Mitglied im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln und im WDR-Rundfunkrat, hält dies für hochproblematisch. Schotland hat sich nun in einem Brief an Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren ihn nachfolgend im Wortlaut.

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Betreff: Beschwerde über öffentliche Äußerungen eines WDR Journalisten

Sehr geehrte Frau Schafarczyk,

mit großer Bestürzung habe ich den öffentlichen Beitrag des WDR-Journalisten Georg Restle auf der Plattform X zur Kenntnis genommen. Ich schreibe Ihnen, als Vorstandsmitglied der Synagogen Gemeinde Köln sowie als Mitglied des WDR-Rundfunkrats. Unabhängig von diesen Funktionen handelt es sich um eine persönliche Beschwerde.

Herr Restle verbreitet in seinem Beitrag die Behauptung, ein angebliches »US-israelisch-marokkanisches Netzwerk« verfolge das Ziel, Europa zu spalten, Regierungen zu schwächen und das Völkerrecht zu untergraben. Solche weitreichenden politischen Behauptungen ohne nachvollziehbare Einordnung oder erkennbare Distanzierung halte ich für äußerst problematisch.

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Gerade ein Journalist des öffentlich-rechtlichen Rundfunks trägt eine besondere Verantwortung. Von ihm erwarte ich eine faktenbasierte, sorgfältige und ausgewogene Kommunikation. Aussagen dieser Tragweite sind geeignet, das Vertrauen in die journalistische Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des WDR nachhaltig zu beschädigen.

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Besonders irritiert mich, dass ein führender Journalist des WDR einen Beitrag mit einer derart zugespitzten Darstellung veröffentlicht, der den Eindruck erweckt, geopolitische Entwicklungen würden durch ein konspiratives Netzwerk gesteuert. Unabhängig davon, ob Herr Restle dies als persönliche Meinungsäußerung versteht, wird er von der Öffentlichkeit als Repräsentant des WDR wahrgenommen.

Ich bitte Sie daher um die Beantwortung folgender Fragen:

• Entspricht eine solche öffentliche Äußerung den journalistischen Standards und dem publizistischen Selbstverständnis des WDR?

• Wie bewertet die Programmdirektion diesen Beitrag?

• Welche Maßstäbe gelten für WDR-Journalistinnen und Journalisten bei der Veröffentlichung politischer Inhalte auf sozialen Medien?

• Hält die Programmdirektion diese Art der Kommunikation für geeignet, das Vertrauen der Zuschauer und Beitragszahler in die Neutralität des WDR zu stärken.

Ich bitte um eine schriftliche Stellungnahme.

Mit freundlichen Grüßen

Felix Schotland
Vorstandsmitglied der Synagogen Gemeinde Köln
Mitglied des WDR-Rundfunkrats

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