Karl Pfeifer

Ungarn: Neuer Lehrplan ohne Imre Kertész

Karl Pfeifer Foto: privat

Karl Pfeifer

Ungarn: Neuer Lehrplan ohne Imre Kertész

Das Werk des Schoa-Überlebenden musste im Lektürekanon antisemitischen Schriftstellern weichen

von Karl Pfeifer  12.03.2020 13:19 Uhr

Ende Januar wurde in Ungarn der neue »Nationale Grundlehrplan« (NAT) publiziert. Ganz im Sinne der lautstarken Antisemiten wurde der Holocaust-Überlebende und einzige ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertész aus dem Lektürekanon gestrichen. Hingegen wurden nazifreundliche und antisemitische Schriftsteller wie Albert Wass und József Nyirö aufgenommen, und die Horthy-Periode wird als »Auferstehung« gefeiert.

Zur Ehre der ungarischen Pädagogen und Intellektuellen sei gesagt, dass es zu lebhaften Protesten kam. Diesmal protestierten auch 1000 Lehrer der katholischen und protestantischen Schulen.

FACHLEUTE Bereits im Sommer 2019 wurde bekannt, dass der von der Regierung ausgezeichnete Antisemit (so wird er von der eher regierungsfreundlichen jüdischen Zeitschrift »Szombat« genannt) Mihály Takaró an der Ausarbeitung des NAT teilgenommen hat und einige Fachleute sich weigerten, mit ihm zusammenzuarbeiten.

Das wichtigste Ziel des NAT ist anscheinend die Stärkung des Nationalismus. Deshalb kann es nicht überraschen, dass unbedeutende Schriftsteller, die sich während des Zweiten Weltkriegs pronazistisch betätigten und nachher noch antisemitisch agitierten, hochgelobt werden als Beispiel für die ungarische Jugend.

Das wichtigste Ziel des NAT ist anscheinend die Stärkung des Nationalismus.

Fachleute betonen, dass sowohl die Themen als auch der Stil des in Rumänien nach 1945 zum Tode verurteilten Wass und des Hitler-Bewunderers und noch im Januar 1945 zum Krieg hetzenden Nyirö nicht für den Unterricht geeignet seien.

Nyirö verurteilte 1942 im Parlament diejenigen, die sich »hinter der Maske von Schlagwörtern der Kultur und des sogenannten Humanismus« verstecken, und forderte: »Die abgewirtschaftete liberale jüdische Tradition, die auch viele gutgläubige Ungarn infiziert hat (…), muss aus dem ungarischen Leben verschwinden.«

Der neue Lehrplan passt dazu.

Der Autor ist Journalist in Wien.

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  24.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  24.06.2026

Meinung

Keine Geschäfte mit »Judensternen«

Schoa-Überlebende waren entsetzt, als ein Auktionshaus persönliche Gegenstände von NS-Opfern versteigern wollte. Der Bundesrat hat nun ein Gesetz auf den Weg gebracht, um das zu verbieten. Gut so!

von Christoph Heubner  23.06.2026

Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter kritisiert, dass jüdische und israelische Küche zunehmend nur noch mit Schutzkonzept serviert werden kann

 23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Meinung

Wenn niemand sonst zu Israel steht

Unser Autor ist Schüler auf einem Gymnasium nahe Köln. Mit Entsetzen stellt er fest, dass Antisemitismus und Israelhass in seiner Klasse mittlerweile absoluter Mainstream sind

von Jan Tersteegen  22.06.2026

Meinung

Die Linkspartei ist für Juden unwählbar geworden

Jede Hoffnung, »Die Linke« könnte ein vernünftiger Partner werden, wurde enttäuscht. Die Partei unterstützt konsequent die Kräfte, die jüdisches Leben unmöglich machen wollen

von Sigmount A. Königsberg  21.06.2026

Glosse

Deutschland sucht den Nazi

Der »Spiegel« und die »Zeit« helfen den Deutschen, die Nazis unter den Vorfahren aufzuspüren - und verdienen damit ganz nebenbei gutes Geld. Richtig so, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  19.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026