In Berlin ist es ziemlich einfach, sich an einem Tag auf eine kulinarische Weltreise zu begeben. Porridge morgens in Pankow, Sabich mittags in Kreuzberg, Sashimi abends in Mitte. Manchmal hat man aber auch das Glück, dass man nicht erst durch die Stadt fahren muss, sondern, dass es alles auf einen Fleck gibt – koscher noch obendrauf, wer will. Wie beim 5. Kosher Street Food Festival der Jüdischen Gemeinde. Von veganem Sushi über Khinkali, frischen Säften, Alfajores und Kaffee konnten sich Besucherinnen und Besucher durch die koschere Genusswelt schlemmen. Es war köstlich, es war friedlich, es war endlich mal etwas ohne Streit und Hass.
Was dem Magen und dem Geist guttat, sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Restaurants mit israelischer Küche, israelischen oder jüdischen Inhabern ihre Läden bereits haben schließen müssen; sie haben sich ein anderes Programm gegeben oder sich auf Catering spezialisiert. Sehr oft waren neben vielen anderen Gründen auch Drohmails mit eindeutigen politischer Botschaft der Grund für Stornierungen und daraus resultierendem wirtschaftlichen Schaden.
Zwar ist die kulinarische Vielfalt in Berlin dadurch – noch – nicht gefährdet, aber so weit muss es ja gar nicht erst kommen! Das Image von der ach so weltoffenen Hauptstadt allerdings ist ziemlich ramponiert, wenn Gastronomen sich zurückziehen, ihr lang erdachtes Konzept ändern müssen oder so sichtbar Security vor dem Restaurant stellen müssen, dass Gäste aus Bedenken oder gar Angst wegbleiben.
Natürlich ist es schön, wenn es Gelegenheiten wie das Streetfood Festival gibt, zu denen Menschen kommen, die einfach neugierig sind. Und natürlich ist es noch schöner, wenn Besucher über Asado oder einer Hawaiian Poké Bowl den nächsten Besuch im Restaurant des Standinhabers planen oder sich an ihre letzte Israel-Reise erinnern. Aber der Nachgeschmack, dass all dies in einem geschützten Raum stattfinden muss, mit abgesperrten Straßenzügen, ist und bleibt bitter, auch wenn er längst zur Gewohnheit geworden ist.
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