Meinung

Trumps Friedensplan: Vision statt Waffen

Sabine Brandes Foto: privat

Meinung

Trumps Friedensplan: Vision statt Waffen

Der 20-Punkte-Plan des US-Präsidenten zur Beendigung des Gaza-Kriegs ist überraschend vernünftig. Ob das auch für alle beteiligten Akteure gilt, muss sich jedoch erst erweisen

von Sabine Brandes  01.10.2025 08:40 Uhr

In einer Region, in der gebrochene Versprechen und zerstörte Leben zur tragischen Normalität geworden sind, scheint der 20-Punkte-Plan von US-Präsident Donald Trump wie ein Licht am Ende des Tunnels. Nicht, weil er revolutionär ist, sondern überraschend vernünftig. Es ist ein strukturierter Ansatz, der die relevanten Akteure einbezieht, auf langfristige Stabilität setzt und eine grundlegende Wahrheit zeigt: Ohne politische Lösung gibt es keine Sieger, nur Verlierer.

Anders als der unrealistische »Riviera-Plan« ist dieser Vorschlag nüchtern, detailliert und gerade dadurch hoffnungsvoll. Er sieht einen entmilitarisierten Gazastreifen vor, den Wiederaufbau durch eine internationale Koalition und so einen Weg zur Stabilität, der Israels Sicherheit und die Bedürfnisse der Palästinenser respektiert.

Der Plan könnte der Beginn von etwas längst Überfälligem sein: einer Zukunft im Nahen Osten, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Allerdings sind die Parteien, deren Zusammenarbeit nötig ist – Hamas, die US-Regierung und Israels Premier Benjamin Netanjahu – kaum Vorbilder des Vertrauens. Die Hamas bleibt eine blutrünstige Terrororganisation ohne Interesse an Koexistenz. Trump ist für seine Inkonsequenz bekannt und Netanjahu, Meister des politischen Taktierens, hat wenig Engagement für Wahrheit oder Versöhnung gezeigt.

Dass er dem Plan zugestimmt hat, obwohl er weiß, dass Teile seiner Koalition kategorisch dagegen sind, könnte einerseits dem Druck aus den USA zuzuschreiben sein, oder auch der Realisierung, dass es an der Zeit ist, das Ruder herumzureißen, bevor beide Seiten im kriegerischen Elend untergehen.

Lesen Sie auch

Der letzte Punkt im Plan beschreibt einen Dialog zwischen Israelis und Palästinensern, um sich auf einen Horizont für ein friedliches und erfolgreiches Zusammenleben zu einigen. Heilung statt Hass, Zuversicht statt Zynismus.

Wenn es dieses Mal tatsächlich mehr ist als nur weitere Worte, wenn es zu echten mutigen Taten führt, dann könnten die 20 Punkte der Beginn von etwas längst Überfälligem sein: einer Zukunft im Nahen Osten, für die es sich zu kämpfen lohnt – nicht mit Waffen, sondern mit einer Vision.

brandes@juedische-allgemeine.de

22. Makkabiade

Zusammenstehen - mehr denn je

Tausende Athletinnen und Athleten aus aller Welt feiern bei der Eröffnung in Jerusalem jüdische Identität, Sport und Solidarität – gerade in Zeiten wachsender Unsicherheit

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

»Hab viel Spaß in der Hölle, du Hurensohn!«

Die ehemalige deutsch-israelische Geisel Rom Braslavski reagiert auf die Tötung ihres Peinigers. Ein Moment, der für ihn mehr als Rache ist

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nahost

Hat ein Tadschike für den Iran Ziele in Israel ausgespäht?

Über ein Jobangebot kam ein Tadschike laut Israels Geheimdienst mit einem iranischen Agenten in Kontakt. Er soll für Teheran Orte in Israel ausspioniert und weitere Spione angeworben haben

 02.07.2026

Interview

»Klimaanlagen sind Pflicht«

Keren Agay-Shay erklärt, warum extrem heiße Sommer mehr sind als ein Wetterphänomen – und welche Maßnahmen Leben retten können

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nachrichten

Umwelt, Anerkennung, Bücher

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  02.07.2026

1000 Tage

Tausende Stimmen gegen das Vergessen

Die Hebräische Universität und Edut 710 schaffen ein KI-gestütztes Archiv, das die Zeugnisse des 7. Oktober bewahrt

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

5800 Juden wollen in diesem Sommer Alija machen

Das Interesse, nach Israel überzusiedeln, ist ungebrochen groß: Im Juli und August werden zahlreiche Neubürger erwartet, vor allem aus Frankreich und den USA

 02.07.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Sensationsfund in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  02.07.2026

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  02.07.2026