Michael Thaidigsmann

Starkes Urteil gegen »Israelkritiker«

Michael Thaidigsmann Foto: privat

Das Bayerische Oberste Landesgericht (BayObLG) hat klargestellt, dass die Verwendung von Hakenkreuzen und anderen NS-Symbolen im Zusammenhang mit Kritik an Israel strafbar und nicht von der Meinungsfreiheit gedeckt ist. Ein Coburger Stadtrat mit türkischen Wurzeln hatte während des Gaza-Konfliktes im Mai 2021 auf Instagram eine Karikatur gepostet. Auf ihr ist ein bewaffneter, als Israeli kenntlich gemachter Soldat zu sehen, der in einen Spiegel schaut und dort einen Soldaten mit Hakenkreuzbinde sieht.

Das Strafgesetzbuch stellt das Zeigen und das Verbreiten von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen unter Strafe. Ausnahmen sind aber erlaubt – zum Beispiel dann, wenn Symbole wie das Hakenkreuz zum Zwecke der Kritik am Nationalsozialismus verwendet werden. Das Landgericht Coburg sah dies im vorliegenden Fall als gegeben an und sprach den Stadtrat in zweiter Instanz frei.

hetzschriften Doch das BayObLG kam in der von der Generalstaatsanwaltschaft München angestrengten Revision zum gegenteiligen Ergebnis: Die Karikatur sei sowohl wegen ihrer Gestaltung als auch wegen ihrer inhaltlichen Aussage geeignet, beim Betrachter den Eindruck einer antisemitischen Intention zu erwecken. Schon die Darstellung des israelischen Soldaten lasse für sich genommen Parallelen zu antisemitisch geprägten Abbildungen in Hetzschriften wie dem NS-Wochenblatt »Der Stürmer« erkennen, urteilte das Gericht.

Das Strafgesetzbuch stellt das Zeigen und das Verbreiten von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen unter Strafe. Ausnahmen sind aber erlaubt.

Überdies stelle die »Gleichsetzung des Verhaltens staatlicher Organe in Israel mit Vorgängen in deutschen Konzentrationslagern während der NS-Zeit« eine »grobe Verzerrung der geschichtlichen Fakten« sowie eine »Verharmlosung der Schoa« dar, so die Richter. Es werde so der Anschein einer »antisemitischen Grundhaltung des Verwenders der Karikatur« angedeutet. Folglich könne von einer Distanzierung zum NS-Regime nicht mehr die Rede sein.

Der Richterspruch könnte wegweisend sein. Nicht nur droht dem Stadtratsmitglied nun doch eine Geldstrafe. Wichtiger noch: Falls das Urteil von der Justiz konsequent angewandt wird, sollte es künftig »Israelkritikern« in Deutschland schwerer fallen, in infamer Weise den demokratischen jüdischen Staat mit dem judenmordenden NS-Regime gleichzusetzen. Das wäre ein wichtiger Fortschritt im Kampf gegen den Antisemitismus.

thaidigsmann@juedische-allgemeine.de

Menachem Z. Rosensaft

Deutsche Bahn auf Abwegen

Eine neue Bahntrasse soll in nur 400 Meter Abstand an der Verladerampe des ehemaligen Todeslagers Bergen-Belsen vorbeiführen. Der Umgang mit diesem historischen Ort ist skandalös

von Menachem Z. Rosensaft  22.01.2026

Meinung

Jugendwerk endlich gründen

Seit vielen Jahren wird immer wieder betont, wie wichtig die Institutionalisierung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs wäre. Höchste Zeit, die Idee in die Tat umzusetzen

von Joshua Schultheis  21.01.2026

Meinung

Liebe Iraner, wir fühlen mit euch!

Als Israelin wünscht sich unsere Autorin nichts mehr, als dass das brutale Regime in Teheran bald fällt. Ein offener Brief an die mutigen Menschen im Iran

von Sabine Brandes  21.01.2026

Meinung

Friedensrat für Gaza oder Kriegsrat gegen Israel?

In Zukunft sollen ausgerechnet die Hamas-Unterstützerstaaten Katar und die Türkei im Friedensrat über den Gazastreifen mitbestimmen dürfen. Für Israel sollte das eine Warnung sein, sich unabhängiger von den USA zu machen

von Daniel Neumann  21.01.2026

Meinung

Einladung, Empörung, Ausladung

Dass der Iran am Weltwirtschaftsforum in Davos zunächst willkommen war und kurz darauf wieder ausgeladen wurde, ist ein Lehrstück darüber, wie Menschenrechte erst dann zählen, wenn sie zum Reputationsrisiko werden

von Nicole Dreyfus  19.01.2026

Gastbeitrag

Wie Europas Parlamentarier über Israel denken

Der Blick europäischer Politiker auf Israel hat sich gewandelt, wie die jüngste ELNET-Befragung von europäischen Politikern zeigt

von Carsten Ovens  16.01.2026

Meinung

Solidarität mit Israel ist links

Das Bekenntnis zum jüdischen Staat ist die Voraussetzung glaubwürdiger progressiver Politik. Doch in der Linkspartei werden Genossen für diese Haltung immer öfter angefeindet

von Selin Gören  15.01.2026

Kommentar

Ein freier Iran wäre kein Risiko für Israel, sondern ein Partner  

Die Zeit für moralische Distanz oder falsche Neutralität ist längst vorbei. Jetzt ist die Zeit, hinzusehen, zuzuhören - und Partei zu ergreifen

von Vida Funke  15.01.2026

Meinung

Für die Freiheit

Seit Wochen protestieren Tausende Menschen in ganz Iran gegen das Regime. Deutschland und Europa müssen nun endlich reagieren: Und zwar mit maximaler Härte

von Shahrzad Eden Osterer  13.01.2026