Volker Beck

Respekt vor jüdischen Feiertagen

Volker Beck Foto: dpa

In die Debatte um die Terminierungspraxis für Examina und Prüfungen an jüdischen Feiertagen und am Schabbat kommt langsam Bewegung: Nachdem letztes Jahr schon die Universität Heidelberg angekündigt hatte, dass beim Test für medizinische Studiengänge künftig neben der Prüfung am Schabbat ein Ersatztermin angeboten werden wird, haben die Grünen im Bundestag im Mai nun einen Vorstoß gemacht.

»Jüdisches Leben, seine Kultur und Geschichte sind Teil der Identität Deutschlands. Der Bundesregierung ist es ein zentrales Anliegen, die jüdische Gemeinschaft zu stärken und ihre freie Entfaltung in Deutschland weiter zu unterstützen.« Diese Worte aus Angela Merkels Chanukka-Grußwort stellten die Grünen im Bundestag ihrer Anfrage voran – sie nehmen den deutschen Staat beim Wort seiner Regierungschefin.

Der Europäische Gerichtshof hat längst klargestellt, dass aus der Befolgung des halachischen Ruhegebotes keine Nachteile erwachsen dürfen.

»Jüdisches Leben, seine Kultur und Geschichte sind seit 1700 Jahren integraler Bestandteil der Identität Deutschlands«, sagt Konstantin von Notz, Beauftragter der Fraktion für Religion und Weltanschauung. Aber »Jüdinnen und Juden berichten immer wieder von mangelndem Verständnis in Bezug auf die Einhaltung des in der Tora vorgegebenen Betätigungsverbots am Samstag, dem Schabbat, und an jüdischen Feiertagen«.

KULTUSMINISTER In ihrer Anfrage weisen die Grünen darauf hin, dass der Europäische Gerichtshof wie deutsche Verwaltungsgerichte längst klargestellt habe, dass aus der Befolgung des halachischen Ruhegebotes keine Nachteile bei Prüfungen oder Auswahlverfahren erwachsen dürfen.

Der Hochschulausschuss der Kultusministerkonferenz hat sich im Mai bereits auf meine Anregung hin mit der Problematik beschäftigt und beschlossen, die Hochschulen um die »ggf. rechtlich erforderliche Berücksichtigung, insbesondere religiöser Belange bei der Terminierung von Prüfungen zu bitten«. Nun darf man gespannt sein, was die Bundesregierung hier berichten wird.

Der Autor ist Lehrbeauftragter am Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (Ceres) der Ruhr-Universität Bochum.

Toby Axelrod

Judensau: Ablehnen statt abnehmen

Die hasserfüllten Symbole müssen erklärt und ihrer Botschaft muss eindeutig widersprochen werden

von Toby Axelrod  09.07.2020

Gila Baumöhl

25 Jahre Srebrenica: Das Leid bleibt

Der Genozid ist eine der entsetzlichsten Greueltaten in Europa seit der Schoa

von Gila Baumöhl  09.07.2020

Olivia Sarma

Hessen blockiert Mittel für Opfer

Angehörige brauchen keine Spiralblöcke. Sie brauchen menschliche Ansprache und qualifizierte Beraterinnen und Berater

 02.07.2020

Eugel El

Digital mit Fingerspitzengefühl

Man sollte das Konzept von Ilja Chrschanowski für das »Babyn Yar Holocaust Memorial Center« nicht von vornherein verurteilen

von Eugen El  02.07.2020

David Witzthum

EU-Vorsitz: Die Erwartungen sind hoch

Deutschland übernimmt die Ratspräsidentschaft zu einem dramatischen Zeitpunkt

von David Witzthum  25.06.2020

Axel Drecoll

Verpasste Chance in Oranienburg

Die Namensgebung vertieft Gräben, lässt die Bedeutung des historischen Tatortes verblassen und verdeckt historische Bezüge

von Axel Drecoll  25.06.2020

Meinung

Die EU, Israel und ein überraschendes Abkommen

Warum Jerusalem allen Grund dazu hat, sich bei seinem EU-Botschafter zu bedanken

von Maram Stern  24.06.2020

Sabine Brandes

Schwieriger Dialog zwischen Freunden

Der Besuch des deutschen Außenministers Heiko Maas in Israel war ein diplomatischer Balanceakt

von Sabine Brandes  18.06.2020

Andreas Nachama

Ein sichtbares Erinnerungszeichen

Ein deutliches Signal gegenüber Polen ist längst fällig – ob als Doku-Zentrum oder Denkmal für die Opfer im NS-besetzten Land

von Andreas Nachama  18.06.2020