Martin Krauss

Respekt für Angela Merkel

Martin Krauss Foto: Stephan Pramme

Martin Krauss

Respekt für Angela Merkel

Was die Beziehung zur jüdischen Gemeinschaft angeht, hat die Kanzlerin Maßstäbe gesetzt, auch für ihren Nachfolger

von Martin Krauss  29.10.2018 17:59 Uhr

Wann Angela Merkel zuletzt derart viel Respekt entgegengebracht wurde wie am Anfang dieser Woche, lässt sich kaum beantworten. »Wir werden uns noch nach ihr sehnen«, titelt die »taz«, und die »Frankfurter Allgemeine« schreibt respektvoll, jetzt gehe es um das »Fell der Bärin«, das verteilt wird.

Gewiss hätte man die Frau, die noch drei Jahre lang Bundeskanzlerin bleiben will, auch kritisieren können, zumal nach den Verlusten bei der Hessen-Wahl. Doch die Anerkennung überwiegt.

staatsräson Zu Recht, schaut man sich etwa die von Sympathie getragene Haltung der Kanzlerin gegenüber der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland an. Oder wenn man an ihr Diktum von Israels Sicherheit als Teil deutscher Staatsräson denkt. Und es gilt auch für die Ernsthaftigkeit, mit der sich Angela Merkel der Aufarbeitung der NS-Vergangenheit stellte und stellt.

Das ist bei deutschen Bundeskanzlern tatsächlich keine Selbstverständlichkeit, völlig unabhängig davon, ob diese von der CDU oder SPD gestellt wurden. Oft wurde pro-israelische Politik nur als taktische Volte verstanden, um machtpolitisch größeren Handlungsspielraum zu erheischen. Oder man wurde den Eindruck eines Ablasshandels nicht los, wenn es um »Wiedergutmachung« ging – mit dem primären Zweck, möglichst auch mit den Feinden Israels lukrative Geschäfte zu machen.

machtpolitik Angela Merkel ist von solch machiavellistischer Machtpolitik weiter entfernt als etwa Gerhard Schröder oder Helmut Kohl, als Helmut Schmidt oder Willy Brandt. Das alleine ist schon eine Leistung, für die der Begriff Respekt angemessen ist. Es sollte aber zugleich eine Vorgabe für den Nachfolger oder die Nachfolgerin sein.

Wenn wir jedoch nur erwarten können, dass man Angela Merkel künftig irgendwie vermissen wird, wäre das schlimm. Gewiss darf die Kanzlerin weiterhin kritisiert werden, die Politik darf neu ausgerichtet werden, aber: Hinter Merkels Haltung zu jüdischem Leben in Deutschland und Israel sowie zum Gedenken an die Schoa darf kein Nachfolger zurückfallen.

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Meinung

Maccabiah ist gelebte Selbstbehauptung

Gerade jetzt ist es für jüdische Sportlerinnen und Sportler wichtig, in Israel Kraft zu tanken. Es geht nicht nur um Sport, sondern auch um Selbstbehauptung und ein tieferes Verständnis für das Land

von Alon Meyer  30.06.2026

Kommentar

Für Islamisten existiert kein Kindeswohl

In glühender Hitze wurden Kinder von Islamisten gefesselt durch Berlin geführt. Dass so etwas mitten in der Hauptstadt geschehen kann, ist die Folge einer fehlgeleiteten Migrationspolitik

 30.06.2026

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  28.06.2026 Aktualisiert

Meinung

Der Kahlschlag der Familienministerin

Der angekündigte Umbau des Bundesprogramms »Demokratie leben!« lässt Engagierte im Regen stehen. Die Folgen für Demokratieförderung und Rechtsextremismusprävention werden fatal sein

von Victoria Gulde  27.06.2026

Meinung

Wie Israel zum Juden unter den Staaten gemacht wird

Antisemitismus zeichnet sich dadurch aus, dass er keine empirischen Grundlagen braucht, um zu existieren - weder in der UN noch anderswo

von Jacques Abramowicz  25.06.2026

Meinung

Keine Geschäfte mit »Judensternen«

Schoa-Überlebende waren entsetzt, als ein Auktionshaus persönliche Gegenstände von NS-Opfern versteigern wollte. Der Bundesrat hat nun ein Gesetz auf den Weg gebracht, um das zu verbieten. Gut so!

von Christoph Heubner  23.06.2026