Daniel Zylbersztajn

Noch ist Labour nicht verloren

Das Jewish Labour Movement (JLM), der traditionsreiche jüdische Flügel der britischen Arbeiterbewegung, hat jüngst beschlossen, in der Labour-Partei zu bleiben. Keine Selbstverständlichkeit, angesichts des Ausmaßes an Antisemitismus in der Partei.

Aber der Beschluss ist keine Liebeserklärung, eher die Ansage für einen nicht unbedingt aussichtslosen Kampf. Es gibt tatsächlich positive Anzeichen: 500 Labour-Mitglieder, die dem umstrittenen Vorsitzenden Jeremy Corbyn nahestehen, entschuldigten sich bei ihren jüdischen Genossen. Und Corbyn selbst sprach sogar von einer Antisemitismusplage, die niemand in der Partei ignorieren dürfe.

Der Beschluss, in Labour zu
bleiben, ist keine Liebeserklärung,
sondern eine Kampfansage

Aber tatsächlich bestreiten manche Labour-Mitglieder den Antisemitismus. Zu den lautesten gehört die Jewish Voice for Labour (JVL), die sogar die antiisraelische BDS-Bewegung unterstützt. Einige in der JVL versteigen sich zu der Behauptung, Antisemitismusvorwürfe seien bloß erfunden worden, um die Labourführung zu diskreditieren.

ANTIZIONISMUS Tatsächlich schmerzt die Debatte viele jüdische Mitglieder, war Labour doch immer die Partei des Antirassismus und der Gleichberechtigung, half Juden einst gegen die Faschisten und unterstützte den frühen Zionismus und Israel. Nach der Schoa und nach der Vertreibung der arabischen Juden ist dogmatischer Antizionismus, für den auch einige JVL-Mitglieder stehen, fast schon die Befürwortung eines künftigen Genozids.

Gegen Kritik an der fehlenden Perspektive einer gerechten Zukunft für die Palästinenser ist dagegen kaum etwas zu sagen. Die aber kommt weder durch Bagatellisierung von Antisemitismus noch durch den Boykott oder die Ablehnung Israels. Vielmehr heißt die Hoffnung weiter Jewish Labour Movement. Die bald 100 Jahre alte jüdische Arbeiterbewegung fordert eine sozial gerechtere Gesellschaft in Großbritannien, Israel und überall, genauso wie die Zweistaatenlösung. Indem sie Labour nicht verlässt, bleibt sie ihren Werten treu, ohne Kompromisse gegenüber dem Antisemitismus zu machen.

Der Autor ist freier Journalist und Korrespondent in London.

Meinung

Keine Geschäfte mit »Judensternen«

Schoa-Überlebende waren entsetzt, als ein Auktionshaus persönliche Gegenstände von NS-Opfern versteigern wollte. Der Bundesrat hat nun ein Gesetz auf den Weg gebracht, um das zu verbieten. Gut so!

von Christoph Heubner  23.06.2026

Meinung

Essen mit Beigeschmack

Katrin Richter kritisiert, dass jüdische und israelische Küche zunehmend nur noch mit Schutzkonzept serviert werden kann

 23.06.2026

Kommentar

Wer kann das noch ernst nehmen?

Immer mehr zeigt sich: Anmoderation und Exekution von Unwahrheiten und falschen Fakten vor einem Millionenpublikum sind kein ärgerlicher Ausrutscher, sondern gezielte Agitation

von Daniel Killy  23.06.2026

Meinung

Wenn niemand sonst zu Israel steht

Unser Autor ist Schüler auf einem Gymnasium nahe Köln. Mit Entsetzen stellt er fest, dass Antisemitismus und Israelhass in seiner Klasse mittlerweile absoluter Mainstream sind

von Jan Tersteegen  22.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  22.06.2026

Meinung

Die Linkspartei ist für Juden unwählbar geworden

Jede Hoffnung, »Die Linke« könnte ein vernünftiger Partner werden, wurde enttäuscht. Die Partei unterstützt konsequent die Kräfte, die jüdisches Leben unmöglich machen wollen

von Sigmount A. Königsberg  21.06.2026

Glosse

Deutschland sucht den Nazi

Der »Spiegel« und die »Zeit« helfen den Deutschen, die Nazis unter den Vorfahren aufzuspüren - und verdienen damit ganz nebenbei gutes Geld. Richtig so, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  19.06.2026

Kommentar

Wie Holger Friedrich und seine »Berliner Zeitung« Juden instrumentalisieren

Ob in der Debatte über den Umgang mit KI oder Kreml-Diktator Wladimir Putin: Der Verleger interessiert sich nur dann für Juden, wenn es seinen Interessen dient

von Matthias Meisner  19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026