Meinung

München als Mahnung

Georg M. Hafner Foto: privat

Meinung

München als Mahnung

Die Stadt brauchte 55 Jahre, um sich dazu durchzuringen, den Opfern des Brandanschlags auf das jüdische Gemeindehaus in der Reichenbachstraße ein Denkmal zu setzen. Die Täter sind bis heute nicht gefunden

von Georg M. Hafner  06.02.2025 11:24 Uhr

Der zuverlässigste Kumpel der Barbarei ist das Vergessen, und sein bester Freund ist der Schlussstrich. Beide sind überaus beliebt. So brauchte die Stadt München sage und schreibe 55 Jahre, um sich dazu durchzuringen, den Opfern des Brandanschlags auf das jüdische Gemeindehaus in der Reichenbachstraße ein Denkmal zu setzen. Am 13. Februar 1970 verbrannten dort sieben Menschen, unter ihnen zwei Schoa-Überlebende.

Als der Münchner Kabarettist Christian Springer 2020 kurzerhand selbst einen Erinnerungscontainer auf den benachbarten Gärtnerplatz wuchten ließ, war München blamiert. Der 50. Jahrestag des Anschlags kam offenbar für viele überraschend. Das kollektive Gedächtnis hatte ohnehin genug damit zu tun, sich um das Olympia-Attentat von 1972 zu kümmern, das vielleicht hätte verhindert werden können, wenn die Lektion von 1970 gelernt worden wäre.

Die Täter des Brandanschlags sind bis heute nicht gefunden.

Die Täter des Brandanschlags sind bis heute nicht gefunden. Rechtsradikale kommen genauso infrage wie ein Terror-Joint-Venture arabischer Täter mit Deutschen aus dem linksradikalen Milieu. Gemeinsam gegen Juden, und der Staat schaut weg. Damals wie heute.

Nur drei Tage zuvor hatte es einen Anschlag auf eine EL-AL-Maschine auf dem Münchner Flughafen gegeben. Die Täter wurden verhaftet und abgeschoben, aus Angst vor der arabischen Welt. Am 21. Februar brachten palästinensische Terroristen eine Swissair-Maschine zum Absturz. 55 Menschen mussten sterben, weil sie nach Israel reisen wollten, so wie mein Onkel Rudolph Crisolli sel. A. Die Mörder entkamen und wurden als palästinensische Freiheitskämpfer bejubelt.

Im selben Geist der Barbarei von damals wurden auch am 7. Oktober 2023 alte und junge Israelis gefoltert, vergewaltigt, entführt oder getötet. Die jüdische Gemeinschaft blieb allein mit ihrer Trauer, ihrer Angst, ihrer Erinnerung. Ein Denkmal wird da nichts heilen, aber es wird hoffentlich eine Mahnung sein: Lernt verdammt nochmal die Lektion! Wehrt euch und lasst nicht gewähren.

Der Autor ist Journalist und Regisseur der Fernsehdokumentation »München 1970. Als der Terror zu uns kam«.

Meinung

EU-Parlament: Fällt die Brandmauer?

Nach einem Medienbericht haben sich Vertreter der konservativen EVP-Fraktion im EU-Parlament mit rechtsextremen Kräften zur Migrationspolitik abgestimmt. Diese Enthüllung wirft viele Fragen auf

von Michael Thaidigsmann  25.03.2026

Meinung

Rheinland-Pfalz: Ein Wahlergebnis, das beunruhigt

Bei den Landtagswahlen schnitten AfD und Linkspartei bei den unter 25-Jährigen am besten ab. Für viele junge Jüdinnen und Juden ist das eine besorgniserregende Entwicklung

von Sefora Rosenberg  25.03.2026

Gastkommentar

Wir stellen uns hinter Gregor Gysi

Der Politiker wird wegen Aussagen zur Israelfeindlichkeit in seiner Partei aus den eigenen Reihen angefeindet. Zwei Grünen-Bundestagsabgeordnete kritisieren das als Hetzkampagne autoritärer Strömungen in der Linken

von Marlene Schönberger, Max Lucks  25.03.2026

Meinung

Wie lange müssen wir noch so leben?

Seit Beginn des Iran-Kriegs werden jüdische Einrichtungen noch häufiger Ziel von Terrorattacken. Das Absurde ist: Dieser Zustand ist für Jüdinnen und Juden längst zur Norm geworden

von Laura Cazés  24.03.2026

Kommentar

Bedingt lernfähig

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übt harte Kritik am Vorgehen der USA gegen den Iran. Über den Terror der Mullahs verliert er dagegen kein Wort – wieder einmal

von Ralf Balke  24.03.2026

Kommentar

Merz und Wadephul riskieren Deutschlands Glaubwürdigkeit

Wer zu Südafrikas Genozid-Vorwurf gegen Israel schweigt, zieht sich aus der Verantwortung

von Stephan-Andreas Casdorff  22.03.2026

Meinung

Siedlergewalt: Eine Schande für Israel

Generalstabschef Zamir und Rabbi Lichtenstein haben recht: Die Exzesse gegen Palästinenser im Westjordanland müssen endlich gestoppt werden, bevor es zu spät ist

von Ayala Goldmann  25.03.2026 Aktualisiert

Meinung

Warum die Stellungnahme der USA beim IGH eine Enttäuschung ist

Die Intervention Washingtons vor dem Internationalen Gerichtshof nimmt zwar Israel gegen den Vorwurf des Genozids in Schutz. Sie liefert den Richtern aber kaum Argumente

von Menachem Z. Rosensaft  20.03.2026

Meinung

Was im Iran-Krieg bisher erreicht wurde

Israelis und Amerikaner können durchaus schon militärische Erfolge gegen den Iran vorweisen. Das Mullah-Regime wird definitiv schwächer aus diesem Konflikt herauskommen, als es hineingegangen ist

von Sima Shine  18.03.2026