Bini Guttmann

Kopftuchverbote bringen nichts

Bini Guttmann Foto: Michael Thaidigsmann

Bini Guttmann

Kopftuchverbote bringen nichts

In Österreich hat sich der Diskurs verschoben. Integration darf nicht Assimilation bedeuten

von Bini Guttmann  30.01.2020 11:05 Uhr

In Österreich hat sich der Diskurs verschoben. Dinge, die vor wenigen Jahren Hetzern am rechten Rand vorbehalten waren, sind mittlerweile im politischen Mainstream angekommen.

Im Vergleich zur ÖVP-FPÖ-Regierung, die von 2017 bis 2019 im Amt war, ist die neue Koalition aus ÖVP und Grünen natürlich eine Wohltat. Dennoch hat sie sich auf problematische Maßnahmen geeinigt. So soll Mädchen unter 14 Jahren in Schulen das Tragen des Kopftuchs untersagt werden.

asylbewerber Schon im vergangenen Jahr war das Kopftuch für gewisse Gruppen im öffentlichen Dienst verboten worden. Und insbesondere die ÖVP wittert hinter jeder Ecke den »politischen Islam«. Debattiert wird zudem, möglicherweise gefährliche Asylwerber schon einmal präventiv in Sicherungshaft zu nehmen.

Eines ist klar: Der Islamismus muss in all seinen Ausprägungen bekämpft werden. Niqab und Burka stigmatisieren und marginalisieren Frauen, eine Zwangsverhüllung von Frauen darf nicht erlaubt sein.

Moderate Islamfeindlichkeit funktioniert gut, sie bringt Wählerstimmen.

In der Argumentation haben wir es hier aber mit Rassismus zu tun. Moderate Islamfeindlichkeit funktioniert gut, sie bringt Wählerstimmen. Man kann das in vielen westlichen Ländern beobachten. Gerade wir Juden müssen über diese Diskursverschiebung besorgt sein.

assimilation Nicht nur, weil es potenziell auch uns treffen kann – Verbote von Schächten und Beschneidung werden ja allerorten schon diskutiert –, sondern auch, weil wir besser als alle anderen verstehen müssten, dass Integration nicht Assimilation bedeuten darf.

Um Islamismus und Unterdrückung von Frauen wirklich zu bekämpfen, müssen wir inklusive Gesellschaften schaffen, anstatt mit Konzepten zu hantieren, die dem Fundament unserer liberalen Gesellschaft mehr schaden als nützen.

Der Autor ist Präsident der Europäischen Union jüdischer Studierender (EUJS).

Meinung

Ein Zufall kommt selten allein

Die AfD hat ihren Bundesparteitag auf den 100. Jahrestag eines historischen Treffens der NSDAP gelegt. Das Spiel mit historischen Parallelen ist Teil der Strategie der rechtsextremen Partei

von Ralf Balke  18.02.2026

Meinung

Berlinale: Aktivismus statt Kunst

Auf der Berlinale soll eigentlich der Film gefeiert werden. Doch zahlreiche Gäste und Außenstehende missbrauchen das Festival als politische Bühne

von Sophie Albers Ben Chamo  18.02.2026

Karneval

Gegen Judenhass in de Bütt gestiegen - diesen Redner muss man lieben

Bei der Mainzer Fastnacht hält »Till« eine bemerkenswerte Rede über den wachsenden Antisemitismus in Deutschland. Eine Wohltat für den sonst so schrecklich unpolitischen Karneval

von Martin Krauß  16.02.2026

Meinung

Danke, Herr Minister!

Johann Wadephul hat sich von Francesca Albanese distanziert und ihren Rücktritt gefordert. Doch jetzt müssen Deutschland und andere Staaten den Druck weiter erhöhen

von Michael Thaidigsmann  13.02.2026

Meinung

Jeffrey Epstein: Ein schlechter Mensch

Der verurteilte amerikanische Sexualstraftäter ist und bleibt ein beliebig formbares Vehikel für jedweden Verschwörungsmythos

von Sophie Albers Ben Chamo  13.02.2026

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026

Kommentar

 »Nie wieder!« ist eine grenzüberschreitende Daueraufgabe

Die Antisemitismus-Konferenz in St. Gallen macht klar: Judenhass macht vor Grenzen nicht halt und muss entsprechend bekämpft werden

von Jonathan Kreutner  11.02.2026

Meinung

Sprachrohr der Hamas, Maulheldin der Vereinten Nationen

Wieder einmal macht Francesca Albanese mit ungeheuerlichen Äußerungen von sich reden. Doch Europas Politiker bleiben seltsam still

von Michael Thaidigsmann  11.02.2026