Uriel Kashi

Konversion: Nicht wieder diskriminieren

Uriel Kashi Foto: pr

Black Lives Matter» war in Israel schon vor mehr als 40 Jahren ein Thema: Bereits in den 70er-Jahren hatte der sefardische Oberrabbiner Ovadja Josef die Zugehörigkeit der «Beta Israel», der äthiopischen Juden, zum jüdischen Volk anerkannt, da diese über Jahrhunderte in Äthiopien ihre jüdische Identität bewahrt hätten. Nach und nach wanderten Zehntausende äthiopischer Juden nach Israel ein.

Doch bald begannen orthodoxe Kreise, die jüdische Lebenspraxis der Einwanderer infrage zu stellen: Wie könne es sein, dass die Neuankömmlinge Feiertage wie Purim und Chanukka nicht kannten? Auch der Talmud spielte für die äthiopischen Juden keine Rolle.

Der orthodoxe Innenministers Arie Deri will die Einwanderung nichtorthodoxer Juden aus «Schwellen-Gemeinden» nach Israel künftig komplett unterbinden.

Das Rabbinat unternahm in den folgenden Jahren große Anstrengungen, den «Beta Israel» die Traditionen des «normativen» – orthodoxen – Judentums beizubringen. Dass dabei eine jahrhundertealte alternative jüdische Tradition verloren ging, schien nicht weiter zu stören.

VORSTOSS In den vergangenen Wochen gab es nun einen neuen Vorstoß des orthodoxen Innenministers Arie Deri mit dem Ziel, die Einwanderung nichtorthodoxer Juden nach Israel künftig komplett zu unterbinden. In einem kürzlich veröffentlichten Positionspapier für den Obersten Gerichtshof schlug er vor, jüdische «Schwellen-Gemeinden» wie die rund 2000 Abayudaya in Ost-Uganda nicht als Juden anzuerkennen, und das, obwohl die Gemeinschaft seit über 100 Jahren jüdisch lebt und von der Jewish Agency als einwanderungsfähig gemäß des Rückkehrrechts eingestuft wird.

Kritik kam von Rabbi Rick Jacobs, Präsident der amerikanischen Union for Reform Judaism. In einem Tweet schrieb er: «Israel ist die Heimat aller Juden, nicht nur derjenigen, die Deri für würdig hält.» Auch die Rabbinical Assembly der konservativen Masorti-Bewegung erklärte, man würde auch zukünftig für die Anerkennung aller Schwellen-Gemeinden eintreten.

ANZEIGE Gemeinsam mit mehr als 600 anderen jüdischen Organisationen schalteten beide Vereinigungen vergangene Woche eine ganzseitige Anzeige in der «New York Times» mit dem Titel: «Eindeutig: Black Lives Matter», in dem sie das Ende von Diskriminierung schwarzer Menschen in den USA fordern.

Statt schwarze Juden weiterhin infrage zu stellen, wäre eine entsprechende Anzeige in einer israelischen Zeitung ein schönes Zeichen.

Der Autor ist freier Journalist und Reiseleiter in Israel.

Meinung

Die Nürnberger Prozesse der CO2-Endzeitprediger

Der ARD-Film »Ökozid« ist nichts weniger als ein Skandal. Er verharmlost den Holocaust

von Jan-Philipp Hein  20.11.2020

Ruben Gerczikow

Der antidemokratische Mob

Bei der Demo gegen die Corona-Maßnahmen waren Reichsbürger-Jargon und rechtsradikales Gedankengut omnipräsent

von Ruben Gerczikow  19.11.2020

Volker Beck

Grüne: Über Israel sprechen lernen

Ein neues grünes Grundsatzprogramm sollte klare Worte finden

von Volker Beck  19.11.2020

Ronen Steinke

Revisionismus: Justiz, bitte dagegenhalten!

Die Justiz sollte gegen Verharmlosung des Holocaust vorgehen statt historische Aufklärer einzuschüchtern

von Ronen Steinke  15.11.2020

Sigmount Königsberg

Evangelische Kirche: Widersprüchliche Signale

Die Streichung von Mitteln für den Antisemitismusbeauftragten und Aktion Sühnezeichen ist gerade in dieser Zeit das falsche Signal

von Sigmount Königsberg  10.11.2020

Karl Pfeifer

Österreich: Auf Worte folgen Taten

Die österreichische Regierung geht konsequent gegen Antisemitismus und radikale Islamisten vor

von Karl Pfeifer  10.11.2020

Louis Lewitan

Zur Freiheit gibt es keine Alternative

Nach dem Terroranschlag in Wien sollten wir uns erst recht für die Demokratie starkmachen

von Louis Lewitan  06.11.2020

Karolina Szykier Koszucka

Polen: Rückfall ins Mittelalter

Das strikte Abtreibungsverbot verstößt eindeutig gegen den verfassungsmäßigen Schutz der Gesundheit und des Lebens von Frauen

von Karolina Szykier Koszucka  05.11.2020

Frank Müller-Rosentritt

Pragmatismus statt Scheuklappen

Solange ideologische Schranken Europas Außenpolitik prägen, kommt die EU als Nahost-Vermittler nicht infrage

von Frank Müller-Rosentritt  05.11.2020