Ist es schon zu spät, sich etwas für 2026 zu wünschen? Es gibt da nämlich etwas, das dieses Jahr unbedingt verwirklicht werden sollte: das deutsch-israelische Jugendwerk.
Die Einrichtung dieser Institution wurde vor mehr als sieben Jahren angekündigt. Im Oktober 2018 waren die Regierungen von Deutschland und Israel zu Konsultationen in Jerusalem zusammengekommen und hatten gelobt, den Jugendaustausch, »ein wichtiges und wirksames Element des gegenseitigen Kennenlernens«, zu intensivieren. Seitdem ist kein Jahr vergangen, in dem nicht erneut bekräftigt wurde, wie wichtig und nötig ein deutsch-israelisches Jugendwerk wäre. Passiert ist jedoch nichts. Wie kann das sein?
Der israelbezogene Antisemitismus nimmt insbesondere bei jüngeren Deutschen zu. Das Jugendwerk wäre nötiger denn je.
Personen, die mit der Materie vertraut sind, sprechen von unterschiedlichen politischen Kulturen, die hier aufeinanderprallen und eine Verständigung erschweren. Offenbar orientiert sich Deutschland an den bereits existierenden Jugendwerken, dem deutsch-französischen und deutsch-polnischen, die durch komplexe Strukturen mit geteilter Geschäftsführung und einem Überbau an verschiedenen Gremien geprägt sind. Dem Vernehmen nach kann die israelische Seite damit wenig anfangen und hätte es, salopp gesagt, gern etwas unverbindlicher. Unüberbrückbar sind diese Differenzen aber nicht.
Beiden Ländern sei daher der Neujahrsvorsatz nahegelegt, sich auf die jeweils andere Seite zuzubewegen – und das Jugendwerk endlich zu gründen!
Dieses ist heute nötiger denn je. Eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung vom Mai 2025 zeigt, wie sehr die Wahrnehmung Israels in den zwei Jahren des Gaza-Kriegs gelitten hat. Während 2021 noch 46 Prozent der Deutschen eine positive Meinung von Israel hatten, sind es derzeit nur noch 36 Prozent. Gleichzeitig nimmt der israelbezogene Antisemitismus insbesondere bei jüngeren Menschen zu. Ein besorgniserregender Trend, gegen den vor allem eines hilft: die Begegnung zwischen Deutschen und Israelis.
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