Meinung

Jeffrey Epstein: Ein schlechter Mensch

Sophie Albers Ben Chamo Foto: Stephan Pramme

Glaubt man den Verschwörungsmythen, die derzeit soziale Medien, Podcasts und dafür offene Köpfe fluten, war es Jeffrey Epsteins größtes Verbrechen, ein Jude zu sein.

Der verurteilte amerikanische Sexualstraftäter, der mehr als 1000 Mädchen und junge Frauen missbraucht haben soll und einer Gruppe von Geschäftspartnern und Bekannten auf mehreren seiner Luxus-Anwesen den Missbrauch ermöglichte; der Mann, der für sich und andere durch Finanzkriminalität Millionen machte, wird als Agent eines fremden Landes, als Kannibale, als Satanist, als Strippenzieher einer jüdischen Weltverschwörung beschrieben – oder was auch immer sonst noch aus den gängigen antisemitischen Fantasien der vergangenen 2000 Jahre gefischt wird.

Jeder Verschwörungsmythos landet, wenn man tief genug einsteigt, irgendwann bei den Juden.

Menschen, die glauben, dass Epsteins größtes Verbrechen die Tatsache war, Jude zu sein, übertragen seine realen und erfundenen Verbrechen damit auf alle anderen Juden in der Welt – ein Vorgang, der die Sicherheit und das Leben von Millionen Menschen gefährdet, nur weil sie derselben Religion angehören wie er. Auch das ist eine seit 2000 Jahren bekannte Praxis. Jeder Verschwörungsmythos landet, wenn man tief genug einsteigt, irgendwann bei den Juden, sagt der »New York Times«-Kolumnist und Experte für Verschwörungsmythen, Ross Douthat.

Solange der Fall Epstein auch nach der Veröffentlichung eines Großteils beschlagnahmter Dokumente und Materialien verwirrend bleibt, solange es mehr Ungereimtheiten als Klarheiten gibt, solange er sowohl vom rechten als auch linken Lager politisiert wird und solange eine transparente Aufklärung nicht zu erwarten ist, bleibt er ein beliebig formbares Vehikel für jedweden Verschwörungsmythos.

Das größte Verbrechen von Jeffrey Epstein waren der Missbrauch und Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen. Jeffrey Epstein war ein schlechter Mensch, und damit auch ein schlechter Jude. In ebendieser Reihenfolge.

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Meinung

Oliver Pochers geschmacklose Witze über Gil Ofarim

Der Comedian verkleidet sich auf Instagram als Ofarim und reißt Witzchen über die Schoa. Während echte Komiker Humor stets als ein Mittel nutzen, um sich mit den Schrecken und Abgründen dieses Verbrechens auseinanderzusetzen, tritt Pocher nur nach unten

von Ralf Balke  11.02.2026

Kommentar

 »Nie wieder!« ist eine grenzüberschreitende Daueraufgabe

Die Antisemitismus-Konferenz in St. Gallen macht klar: Judenhass macht vor Grenzen nicht halt und muss entsprechend bekämpft werden

von Jonathan Kreutner  11.02.2026

Meinung

Sprachrohr der Hamas, Maulheldin der Vereinten Nationen

Wieder einmal macht Francesca Albanese mit ungeheuerlichen Äußerungen von sich reden. Doch Europas Politiker bleiben seltsam still

von Michael Thaidigsmann  11.02.2026

Kommentar

Wie aus berechtigter Kritik kollektive Abrechnung wurde

Die Diskussion über Gil Ofarim zeigt wieder einmal, wie sehr die Maßstäbe verrutschen, sobald Juden angreifbar erscheinen

von Jonas Schnabel  10.02.2026

Meinung

Warum ich mich für meine Teilnahme am Dschungelcamp nie schämen würde

Die »Lindenstraßen«-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum war 2015 bei der berühmt-berüchtigten RTL-Sendung in Australien dabei. Hier erzählt sie, was die Zeit im Dschungel bis heute für sie bedeutet

von Rebecca Siemoneit-Barum  09.02.2026 Aktualisiert

Meinung

Francesca Albanese neben Hamas-Funktionär und Mullah-Minister

Die UN-Sonderberichterstatterin teilte sich bei »Al Jazeera« ein Podium mit Repräsentanten einer Terrororganisation und eines Mörderregimes. Wann hat dieses Verhalten endlich Konsequenzen für sie?

von Sacha Stawski  08.02.2026

Replik

Ein starkes Kurdistan kann Israels Partner werden

In der aktuellen Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen äußert sich die Expertin Ofra Bengio skeptisch zur Chance eines kurdisch-israelischen Bündnisses in Nahost. Eine Replik des Bundesvorsitzenden der Kurdischen Gemeinde Deutschland

von Ali Ertan Toprak  07.02.2026

Kommentar

Strafanzeige als PR-Gag?

Laut und verwegen ist der Genozid-Vorwurf einer Schweizer Gruppierung gegen den Schweizer Bundesrat Ignazio Cassis. Mit einer Rechtsdebatte hat es aber nichts zu tun

von Nicole Dreyfus  06.02.2026