Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Domokos Szabó ist in Budapest geboren und aufgewachsen. Foto: Norbert Millauer

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Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026 11:56 Uhr

Ungarn erlebt historische Tage. Nach 16 Jahren an der Macht sind der autoritär regierende Ministerpräsident Viktor Orbán und seine Fidesz-Partei abgewählt worden. Millionen feiern den Erdrutschsieg von Herausforderer Péter Magyar, hoffen auf eine Rückkehr zur echten Demokratie, auf wirtschaftlichen Aufschwung und ein Ende des vergifteten politischen Klimas. Zu recht.

Gleichzeitig verliert Israel mit Orbán einen treuen Verbündeten in der EU. Orbán stand an der Seite des jüdischen Staates, egal, ob es um Sanktionen ging, um Verurteilungen wegen des Gaza-Krieges oder um Kritik an der Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt durch die USA.

Triebfeder für Orbáns Nähe zu Israel dürfte vor allem seine Abneigung gegen Muslime sein.

All das tat er kaum aus Liebe zum jüdischen Volk. Vielmehr dürften seine Abneigung gegen Muslime und seine Angst vor Überfremdung eine Triebfeder gewesen sein. Er sah Ungarn und Israel an derselben Front kämpfen. Nicht zu vergessen die Freundschaft zu Israels Premierminister Benjamin Netanjahu, mit dem er viele Ansichten sowie die Bestrebung teilte, Justiz und Medien zu schwächen.

Wird nun Orbáns Nachfolger in Bezug auf Israel alles anders machen? Noch ist es zu früh, dies zu beantworten. Tisza hat kein kohärentes außenpolitisches Konzept; zunächst muss die heterogene Partei Magyars den in dieser Deutlichkeit nicht erwarteten Wahlsieg verdauen. Doch es ist damit zu rechnen, dass die neue Regierung Ungarn stärker an die EU bindet – im Zweifel inklusive des dort vorherrschenden kritischen Kurses gegenüber Israel. Dafür spricht, dass Magyar nach der Wahl sagte, er strebe »eine pragmatische Beziehung« zu Israel an.

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Dennoch muss das ungarisch-israelische Verhältnis nicht leiden. Es kommt jetzt darauf an, es damit zu füllen, was bislang meist fehlte: mit Empathie, mit Verständnis, mit Austausch und mit Begegnungen von Mensch zu Mensch. Vielleicht wird dann nicht nur das Richtige getan, sondern auch noch aus der richtigen Motivation heraus. Ich wäre dann bereit, »Schehechejanu« zu sagen.

Der Autor ist Geschäftsführer des Landesverbandes Sachsen der Jüdischen Gemeinden und wuchs in Budapest auf.

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