Aron Sircar

Iran: Dem Protest müssen Taten folgen

Aron Sircar Foto: privat

Ein Jahrzehnt, nachdem der Iran eine neue Weltordnung zur Überwindung von Tyrannei und zur Förderung von Gerechtigkeit und Weltfrieden forderte, wissen wir, was damit gemeint ist: eine Welt nach Vorbild des Gottesstaates, frei von Demokratie, Menschenrechten und Wahrheit. Klingt paradox und absurd? Gar heuchlerisch oder pervers? Genau das ist es auch, und daran ändern Europas gutgläubige Diplomatie und relativistische Wirtschaftsinteressen nichts.

Trump Während das Mullahregime Trump als Ausrede nutzt, um das auf Israels Auslöschung gezielte Atomprogramm weiter auszubauen, lässt es den im französischen Exil lebenden Journalisten Ruhollah Sam in den Iran verschleppen, verurteilt ihn wegen Protesten gegen Teherans Politik zum Tode und exekutiert ihn – so geschehen am vergangenen Wochenende. Die Regierungen Deutschlands und Frankreichs legten Protest ein.

Man fordert Demokratie, Menschenrechte und den Schutz von Israel. Gleichzeitig werden die Lockerung von Sanktionen befürwortet, sobald Teheran mit Wirtschaftsbeziehungen lockt.

Doch ist Teheran beeindruckt, wenn den Worten keine entsprechenden Taten folgen? Wohl kaum: Man fordert Demokratie, Menschenrechte und den Schutz von Israel. Gleichzeitig werden die Lockerung von Sanktionen befürwortet, sobald Teheran mit Wirtschaftsbeziehungen lockt, und führende deutsche Kultureinrichtungen gefördert, die neuerdings die antiisraelische BDS-Bewegung unterstützen. Auch das ist ein wenig paradox, absurd, heuchlerisch und pervers, und Teheran weiß diese Schwäche der Europäer für sich zu nutzen.

PERSPEKTIVEN Demnächst tritt Biden in die Fußstapfen seines ehemaligen Chefs, Barack Obama. Wird er dessen fehlgeschlagenen Versuch wiederholen: ein noch weicher gespülter Atomdeal? Oder nutzt er Trumps Vorlage, um den Iran mit der gebotenen Glaubwürdigkeit in die Schranken zu weisen, zu der es der EU an Entschlossenheit und Mut mangelt?

Vielleicht bringt seine Vizepräsidentin Harris eine neue Perspektive ein: diejenige einer aufgeklärten und selbstbewussten Frau, die mit einem Juden verheiratet ist. Für den Iran dürfte Harris das personifizierte Böse sein. Für uns aber ist sie eine Hoffnung.

Der Autor ist Jurist und Experte für Krisen- und Konfliktmanagement im Nahen Osten.

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  11.05.2026

Medien

Kristin Helberg, der Hass auf Israel und der urdeutsche Wunsch nach Entlastung

Ein Kommentar von Jan Fleischhauer

von Jan Fleischhauer  10.05.2026

Kommentar

Wenn »schwarz auf weiß« nicht mehr genügt

Eine funktionierende Demokratie braucht freie Medien – aber vor allem glaubwürdige

von Roman Haller  10.05.2026

Meinung

»Boykottlisten« gegen »Zionisten«? Die 30er-Jahre lassen grüßen

Streit um eine Palästina-Halskette: Was wirklich im Berliner Café »The Barn« passierte, was das Café »Acid« damit zu tun hat und welche Rolle die Lokalpresse spielt

von Ayala Goldmann  08.05.2026

Essay

Wenn meine Töchter mich fragen

Am 8. Mai 1945 wurde der NS-Staat besiegt, aber nicht das Denken, das ihn ermöglicht hat. Der Hass wächst heute wieder. Werde ich meinen Kindern einmal sagen können, dass ich nicht geschwiegen, sondern widersprochen habe?

von Andreas Albrecht  08.05.2026

Meinung

Der »Tag des Sieges« und der Krieg heute

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges müssen wir die Geschichte neu aufrollen und hinterfragen, wie wir mit dem stets pompös begangenen 9. Mai umgehen sollen

von Irina Bondas  08.05.2026

Meinung

LMU München: Ein Abschiedsbrief an meine geliebte Alma Mater

Ein Liebesbrief aus Enttäuschung an eine Universität, die sich selbst zu verlieren droht

von Guy Katz  08.05.2026

Meinung

Warum Erwin Rommel kein Vorbild für die Bundeswehr sein kann

Der Mythos vom ritterlichen »Wüstenfuchs« überlagert bis heute die wahre Geschichte hinter dem Nazi-General. Umso dringender ist eine Beschäftigung mit seiner Biografie

von Benjamin Ortmeyer  07.05.2026

Essay

Brandbeschleuniger Hass auf Israel: Der Gesetzgeber darf nicht länger wegschauen

Wer auf unseren Straßen »Tod Israel« ruft, kann bislang in der Regel ohne strafrechtliche Konsequenzen bleiben. Das zermürbt die Demokratie

von Volker Beck  07.05.2026