Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Joshua Schultheis Foto: Ira Prohorova

Meinung

Hoffentlich wird Viktor Orbán abgewählt

Am 12. April stehen in Ungarn Wahlen an. Unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten ist das Land zu einem russischen U-Boot in der Europäischen Union geworden

von Joshua Schultheis  12.04.2026 07:41 Uhr Aktualisiert

In den wenigsten europäischen Hauptstädten wird man Viktor Orbán eine Träne nachweinen, sollte er die ungarischen Parlamentswahlen am 12. April verlieren. Das Land erwirtschaftet lediglich 1,1 Prozent der Wirtschaftsleistung der Europäischen Union, zwingt unter seinem langjährigen Ministerpräsidenten den Staatenverbund aber immer wieder in den politischen Stillstand.

Aktuell blockiert Orbán unter vorgeschobenen Gründen einen 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU für die Ukraine, obwohl es für das von Russland angegriffene Land um nicht weniger als das eigene Überleben geht. Die »Washington Post« berichtet derweil, dass Orbáns Außenminister Péter Szijjártó regelmäßig Informationen aus vertraulichen EU-Sitzungen an Russland weitergegeben haben soll.

Die Juden Ungarns sind geteilter Meinung, wenn es um ihren Ministerpräsidenten geht.

Der bestreitet dies, ins Bild passt es aber nur zu gut: Ungarn ist zu einem russischen U-Boot in Europa geworden. Für die EU ist das Mitgliedsland nicht nur eine Last, sondern ein Sicherheitsrisiko.

Und aus jüdischer Sicht? Orbán kann darauf verweisen, dass sich in keinem anderen EU-Land die jüdische Gemeinschaft so sicher fühlt wie in Ungarn. Dennoch sind die Juden des Landes geteilter Meinung, wenn es um ihren Ministerpräsidenten geht. So kritisiert ihn etwa der Dachverband ungarischer Gemeinden Mazsihisz wegen seiner Verharmlosung der Rolle Ungarns in der Schoa und der antisemitisch konnotierten Kampagne gegen den jüdischen Unternehmer George Soros.

Zudem ist die häufig angeführte Nähe Orbáns zu Israel eher mit seiner Freundschaft zu Premierminister Benjamin Netanjahu zu erklären als mit seiner Liebe zum jüdischen Staat.

Lesen Sie auch

Es spricht also viel dafür, dem Herausforderer Péter Magyar bei der Wahl die Daumen zu drücken. Mit ihm würde Ungarn wieder ein konstruktiver Akteur in der EU werden und das Land den Weg zurück zur Rechtsstaatlichkeit einschlagen. Anstalten, den Juden Ungarns oder Israel den Rücken zu kehren, macht Magyar nicht. Hoffentlich werden sich am Wahlsonntag die Umfragen bewahrheiten: In denen führt Magyar derzeit nämlich vor Orbán.

schultheis@juedische-allgemeine.de

New York

Die Tiger der Tora

Einst feierten jüdische Fußballclubs in der Bronx das Leben, und sogar Marilyn Monroe kickte den Ball. Schwarz-weiße Erinnerungen zur Einstimmung auf die WM in den USA, Kanada und Mexiko

von Helmut Kuhn  16.04.2026

Ungarn

Wer ist Péter Magyar?

Viktor Orbán hat die Wahl verloren. Sein Nachfolger strebt weitreichende Veränderungen an. Doch bei vielen Themen setzt auch Magyar auf Kontinuität

von Michael Thadigsmann  15.04.2026

Rom

Auch die »Trump-Flüsterin« Meloni fällt in Ungnade

Eigentlich gilt Italiens Ministerpräsidentin Meloni als Politikerin mit gutem Draht zu US-Präsident Trump. Nun attackiert er sie scharf. Der Schlagabtausch könnte für Meloni jedoch von Nutzen sein

von Robert Messer  15.04.2026

Statistik

Knapp 111.000 Holocaustüberlebende leben in Israel

Sie sind alt und sie werden weniger: Heute leben noch etwa 111.000 Holocaustüberlebende in Israel. Fast ein Drittel von ihnen ist über 90 Jahre alt, fast zwei Drittel von ihnen sind Frauen

 15.04.2026

München/Budapest

Europäische Rabbiner gratulieren Magyar zum Wahlsieg in Ungarn

»Das ungarische Volk hat eine klare Entscheidung für Demokratie, für Erneuerung und für ein zukunftsorientiertes Ungarn getroffen«, sagt Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt

 15.04.2026

Polen

Rechtsradikaler Politiker schockiert mit israelischer Hakenkreuzfahne

Am Holocaustgedenktag warf Konrad Berkowicz Israel im Sejm vor, das neue Dritte Reich zu sein

 14.04.2026

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Nordmazedonien

Brandanschlag auf Synagoge in Skopje

Zwei bislang unbekannte Täter verschafften sich Zugang zum Eingangsbereich des Gotteshauses und versuchten, ihn in Brand zu setzen

von Nicole Dreyfus  14.04.2026 Aktualisiert

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026