Sebastian Engelbrecht

Gaza und die Opferzahlen der Hamas

Sebastian Engelbrecht, Korrespondent des Deutschlandfunks in Berlin

Viel zu viele Menschen sind dem Krieg zwischen der Hamas und Israel zum Opfer gefallen. Jede einzelne und jeder einzelne könnte leben, wenn die Hamas am 7. Oktober nicht mit beispielloser Brutalität Israel überfallen hätte. Jedes einzelne seither verlorene Menschenleben ist von unschätzbarem Wert, egal auf welcher Seite es zu beklagen war.

Gleichwohl liegt der Verdacht nahe, dass die Hamas auch mit den Opferzahlen Politik macht, um die Weltöffentlichkeit gegen Israel aufzuhetzen. Einem Bericht des britisch-transatlantischen Thinktanks Henry Jackson Society zufolge könnten die Zahlen, die das Gesundheitsministerium der Hamas veröffentlicht, überhöht sein. Wir können das nicht überprüfen, genauso wenig wie die Zahlen der Hamas. Aber es gibt Gründe, die diese These plausibel machen.

Lesen Sie auch

Die Hamas unterscheidet nicht zwischen bewaffneten Kämpfern und Zivilisten. So entsteht der Eindruck, alle Getöteten seien unschuldige Opfer. Zudem fiel auf, dass die Hamas die Zahl der Opfer häufig schon Minuten nach einem israelischen Angriff meldete. Es fällt schwer zu glauben, dass das möglich ist.

Dass die Hamas die Anzahl der Getöteten nutzt, um die politische Stimmung zu ihren Gunsten zu beeinflussen, wurde während des aktuellen Gaza-Kriegs immer wieder deutlich. Bei dem Angriff auf das Al-Ahli-Krankenhaus in Gaza-Stadt im Oktober 2023, so die Behauptung der Islamisten, soll der Einschlag einer israelischen Rakete zu 500 Todesopfern geführt haben. Nicht nur die israelische Armee bestritt das, sondern auch unabhängige Experten und Medien schlossen sich der Version an, dass eine fehlgeleitete Rakete aus dem Gaza-Streifen das Krankenhaus zerstörte.

Um die Zahlen der Hamas unabhängig zu überprüfen, müsste Israel der internationalen Presse den Zugang zum Gaza-Streifen erlauben. Das könnte sich einmal mehr auch deshalb lohnen, um die Propaganda der Hamas endlich zu entlarven.

Der Autor ist Korrespondent des Deutschlandfunks in Berlin. Von 2008 bis 2012 war er ARD-Hörfunk-Korrespondent in Tel Aviv.

Kochbuch

Quarkkuchen und Palästina-Suppe

Die Nationalbibliothek hat ein seltenes Original der ersten in England veröffentlichten Sammlung koscherer Rezepte erworben. Um die anonyme Autorin ranken sich Legenden

von Sabine Brandes  14.07.2026

Diplomatie

Israel und Libanon verhandeln in Rom

Zu Beginn der Gespräche sind die Fronten verhärtet. Israel fordert die Entwaffnung der Terror-Miliz Hisbollah. Die libanesische Regierung besteht auf Israels Rückzug aus dem Süden

 14.07.2026

Medien

Wechsel im ARD-Studio Tel Aviv: Sophie von der Tann wird abgelöst

Während der BR seine Korrespondentin in höchsten Tönen lobt, wurde extern immer wieder heftige Kritik geübt. Von der Tanns Nachfolgerin in Israel ist Pia-Marie Steckelbach

 14.07.2026

Kommentar

Wenn Studenten wieder anfangen, Juden auszugrenzen

Es sind Beschlüsse wie der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments der Humboldt-Uni, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob die zukünftige sogenannte deutsche Bildungselite noch zu retten ist

von Leeor Engländer  14.07.2026

Tel Aviv

US-Militär stoppt Abzug von Tankflugzeugen: Sommerflugplan gefährdet

Rund 75 US-Tankflugzeuge und Transportmaschinen nehmen Platz ein, der dringend für zivile Flüge gebraucht wird

 14.07.2026

Jerusalem

Eli Vered Hazan wird neuer Weltvorsitzender des Keren Hayesod

Der bisherige Botschafter folgt auf Sam Grundwerg, der den Hilfsfonds in den vergangenen acht Jahren geführt hat

 14.07.2026

Jerusalem/Teheran

Mossad-Chef soll Irans Ex-Präsident Ahmadinedschad getroffen haben

Laut einem Bericht der »New York Times« soll Israel an einer Operation gearbeitet haben, den früheren Schoa-Leugner und Befürworter eines Atomprogramms zurück an die Macht zu bringen

von Ralf Balke  14.07.2026

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  14.07.2026 Aktualisiert

Tel Aviv

Generalstabschef kritisiert Gesetzentwurf zu Haredi-Wehrdienst scharf

Es sei »unvorstellbar«, dass die Armee, deren Soldaten seit zweieinhalb Jahren außergewöhnliche Opfer brächten, gleichzeitig an einem System mitwirken solle, das massenhafte Ausnahmen von Strafverfolgung ermögliche, sagt der Armeechef

 14.07.2026