Katharina Schmidt-Hirschfelder

ESC: Tel Aviv ist die richtige Wahl

Katharina Schmidt-Hirschfelder Foto: Marco Limberg

Nächstes Jahr in Jerusalem!», rief Netta, als sie im Mai den Eurovision Song Contest (ESC) gewann. Dieser emotionale Ausruf, den einige israelische Politiker flugs vereinnahmten, löste nicht nur Begeisterung aus: Proben am Schabbat? Geht gar nicht, wandten die Ultraorthodoxen ein. Jerusalem, Zankapfel im Nahostkonflikt? Zu heikel, hieß es aus Island und Großbritannien.

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) reagierte, indem etwa ESC-Supervisor Jon Ola Sand an Benjamin Netanjahu schrieb und die Einhaltung der ESC-Werte anmahnte. Ansonsten ließ sich die EBU von antiisraelischen Boykottaufrufen nicht beeindrucken. Denn den ESC will sie keinesfalls als politische Plattform verstanden wissen – was er natürlich trotzdem ist. Dass die israelischen Organisatoren schnell einlenkten und neben Jerusalem auch Tel Aviv, Haifa und Eilat ins Rennen schickten, kam bei der EBU gut an.

set-up So ist deren Entscheidung, Tel Aviv für den ESC 2019 den Zuschlag zu erteilen, nur folgerichtig. Denn laut Sand bietet Tel Aviv «das beste Set-up für das weltweit größte Live-Musik-Event». Auch wenn die Halle auf dem Messegelände weniger Zuschauer fasst als die Arena in Jerusalem, punktet die Mittelmeermetropole mit kurzen Wegen, Infrastruktur, Partykultur. Zudem verkörpert Tel Aviv Vielfalt und Toleranz – genau die Werte also, für die der ESC steht.

In puncto Organisation hat Tel Aviv ebenfalls Erfahrung: Seit 2016 lädt die Stadt alle ESC-Teilnehmer einen Monat vor dem Wettbewerb zu «Israel calling» ein, einer Art Preview Party. Für die bunte ESC-Community ist die «Gay Capital des Nahen Ostens» ohnehin erste Wahl. Da können BDS-Aktivisten à la Roger Waters noch so sehr stänkern und Ultras auf die Schabbatruhe pochen: Bisher haben 26 Länder ihre Teilnahme zugesagt, auch Island und Großbritannien – wenige Stunden, nachdem Tel Aviv als Austragungsort feststand. Und alle anderen werden folgen.

schmidt-hirschfelder@juedische-allgemeine.de

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  01.05.2026

Sabine Brandes

Unsicherheitsminister Itamar Ben-Gvir

Dass ein solcher Extremist die innere Sicherheit Israels verantwortet, ist ein Offenbarungseid

 30.04.2026

Ralf Fischer

Kollegah: Judenhass in Reimform

Warum schweigen alle zu dem offenen Antisemitismus von Felix Blume aka Kollegah?

 30.04.2026

Einspruch

Im Dschungel gestolpert?

Maria Ossowski bedauert den Rücktritt von Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson

von Maria Ossowski  30.04.2026

Kommentar

Antisemitismus und Israelfeindlichkeit werden die SPD nicht retten

Die Sozialdemokraten sollten sich nicht an Zohran Mamdani oder Pedro Sánchez orientieren, sondern an einer alten Wahrheit von Bill Clinton

von Stefan Laurin  28.04.2026

Essay

Eva Erben: Was es bedeutet, Israeli zu sein

Die tschechische Holocaust-Überlebende kam 1948 mit ihrem Mann Peter nach Israel

 27.04.2026

Gastbeitrag

Anne Frank mit Kufiya: Ein Fall für die Justiz

Der grassierende israelbezogene Antisemitismus stellt die deutsche Justiz vor große Herausforderungen. Das zeigt sich besonders am Umgang mit dem Bild »Anne«, das die Schoa instrumentalisiert

von Susanne Krause-Hinrichs  23.04.2026

Meinung

Die Eurovision gehört der Musik

Abermals wird der Ausschluss Israels von dem Musikwettbewerb gefordert. Doch das liefe auf eine Untergrabung des Formats hinaus, das so zum politischen Instrument verkommen würde

von Nicole Dreyfus  22.04.2026

Kommentar

Was hat der Konflikt mit dem Iran Israel gebracht?

Eine ernüchternde Bilanz von Roman Haller

 22.04.2026