Daniel Killy

Es war Terror, keine »Schießerei«

Daniel Killy Foto: Weser Kurier, Volker Crone

Daniel Killy

Es war Terror, keine »Schießerei«

Das Wort Schießerei taucht hierzulande medial bei fast jedem palästinensischen Terrorangriff gegen Israelis auf. Diese Art der verbalen Schuldumkehr ist unerträglich

von Daniel Killy  27.05.2023 23:19 Uhr

Sie ist die wohl bekannteste Journalistin im englischen Sprachraum – Christiane Amanpour war viele Jahre auch eine der bestverdienenden. Berühmt und gefürchtet bei den Mächtigen für ihre rhetorische Präzision. Jetzt hat CNNs Chefmoderatorin mit einer plötzlichen Sprachunschärfe in Sachen Israel zu kämpfen, die oft auch ihre minder prominenten deutschen Kolleginnen und Kollegen befällt.

Ausgerechnet Amanpour, die von praktisch jedem Brennpunkt der Welt berichtet hat, war nicht in der Lage, einen terroristischen Dreifachmord als das zu bezeichnen, was er war – ein terroristischer Dreifachmord.

»shootout« Nachdem palästinensische Terroristen die Geschwister Maia und Rina Dee sowie deren Mutter Lucy erschossen hatten – die Mutter starb etwas später –, sprach Amanpour ausgerechnet einem Fatah-Funktionär gegenüber von einem »Shootout«, also einer Schießerei. Pro-israelische Medien, zuvorderst »HonestReporting«, brachten die Sache ans Licht.

Rabbi Leo Dee, Vater und Ehemann der Terroropfer, forderte Amanpour auf, sich zu entschuldigen – und droht der Multimillionärin mit einer Milliardenklage. Nur halbherzig entschuldigte die sich via TV. Sie habe »Shooting« (Feuerüberfall, Attacke mit Schusswaffen) statt »Shootout« (Schießerei, Feuergefecht) sagen wollen. Wirklich? Rabbi Dee jedenfalls nimmt die Entschuldigung, die er halbherzig nennt, nicht an.

terminus Auch hierzulande sollte man den schwungvollen Terminus »Schießerei«, wenn von arabischem Terror die Rede sein müsste, nicht mehr durchgehen lassen. Denn das insinuierte Gefecht stellt Täter und Opfer auf eine Ebene. Im April 2022 schrieb etwa der Bayerische Rundfunk über einen Terrorangriff in Tel Aviv von einer »Kneipenschießerei«, als hätten sich zwei Cowboys in einem Saloon duelliert.

Das Wort Schießerei taucht hierzulande medial bei fast jedem palästinensischen Terrorangriff gegen Israelis auf. Diese Art der verbalen Schuldumkehr ist unerträglich. Dass sie ausgerechnet Vollprofis wie Amanpour aus Versehen passiert, das mag glauben, wer will. Rabbi Dee tut es nicht.

Der Autor ist freier Journalist in Hamburg.

Meinung

Droht in Sachsen-Anhalt eine Allianz der Antisemiten?

In Sachsen-Anhalt könnte es zu einer Zusammenarbeit zwischen AfD und BSW, die potenziell gravierende Folgen hat für die jüdische Gemeinschaft

von Igor Matviyets  11.09.2026

Meinung

Wahlkampf in Israel: Schluss mit der Schlammschlacht!

Niemand erwartet, dass Politiker einander mit Samthandschuhen anfassen. Aber eine Wahl in einer Demokratie ist keine Realityshow voller Gekreische

von Sabine Brandes  10.09.2026

Meinung

Gesundheitswesen: Was Deutschland von Israel lernen könnte

Israels Erfolg bei der Digitalisierung des Gesundheitssektors ist kein Hightech-Geheimnis, sondern das Ergebnis klarer politischer Führung

von Jacques Abramowicz  10.09.2026

Kommentar

Warum der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nie wieder »Nie wieder!« sagen sollte

Wer Antisemitismus nur dort bekämpft, wo es bequem ist, bekämpft ihn nicht – und wer wie im Fall Maha El Hissy konkrete Vorwürfe nicht ernsthaft prüfen will, sollte aufhören, zu erklären, wie ernst er diesen Kampf nimmt

von Andreas Büttner  09.09.2026 Aktualisiert

Meinung

Wie London die Verweigerungshaltung der Palästinenser belohnt

Mit ihren Sanktionen gegen israelische Siedlungen will die britische Regierung im Nahost-Konflikt einer Zwei-Staaten-Lösung näher kommen. Doch sie zeigt vor allem: Verhandeln lohnt sich nicht, Blockade und Terror aber sehr wohl

von Daniel Neumann  08.09.2026

Meinung

Die Wähler sind selbst schuld

Die AfD macht die etablierten Parteien verächtlich und höhlt so die Demokratie aus. Doch die eigentliche Verantwortung für die Misere trägt der Souverän

von Michael Thaidigsmann  08.09.2026

Kommentar

Und nun?

Bloße Empörung über den Wahlsieg der rechtsextremen AfD ist billig und wohlfeil. Es sollte vielmehr über die Gründe ihrer Popularität gesprochen werden. Die Parteien der Mitte müssen endlich aufwachen

von Philipp Peyman Engel  07.09.2026

Kommentar

Warum es eine Brandmauer gegen die Linkspartei braucht

Wenn eine Brandmauer nur auf einer Seite steht, brennt es von der anderen rein. Über diese offene Seite müssen wir reden

von Nelly Eliasberg  06.09.2026

Kommentar

Wladimir Putin setzt auf unsere Langsamkeit

Konsulatsschließungen fangen keine Drohnen ab, Sanktionen schützen keinen Flughafen. Deutschland muss gegenüber Russland endlich eine härtere Gangart einschlagen

von Sergey Lagodinsky  04.09.2026