Martin Krauss

EMG: Das Recht, überall sein zu dürfen

Martin Krauss Foto: Stephan Pramme

Martin Krauss

EMG: Das Recht, überall sein zu dürfen

Das jüdische Sportfest findet in Budapest statt. Gerade wegen Viktor Orbán genau der richtige Platz

von Martin Krauss  25.07.2019 07:03 Uhr

In wenigen Tagen beginnen in Budapest die European Maccabi Games (EMG), die großen Sportspiele. Budapest? Ungarn? Gewiss, es gibt starke Gründe, Bedenken zu haben, und der Hinweis, dass man Antisemitismus in Ungarn nicht kleinreden darf, ist ja richtig. Nur: Wo, bitte, wäre es denn eine gute Idee, Hass kleinzureden? Und: Was würde es denn an jüdischem Leben in dieser Welt geben, wenn man stets nachgäbe?

WETTKAMPF Der Sport ist vielleicht einer der besten Bereiche, um zu zeigen, dass und wie man Furcht überwinden kann. Jeder, der öffentlich Sport macht, kennt das: die Angst vor der Blamage, die Sorge zu verlieren – all das ist dem Wettkampf genauso immanent wie die Chance, groß rauszukommen. Es macht die Größe und Schönheit des Sports aus.

Die EMG verkörpern den selbstverständlichen Anspruch, in
dieser Gesellschaft alles sein zu dürfen.

Die EMG, die es zuletzt 2015 mit großem Erfolg in Berlin gab, stehen in der stolzesten Tradition, die der jüdische Sport zu bieten hat: Sie verkörpern den selbstverständlichen Anspruch, in dieser Gesellschaft alles sein zu dürfen, sich überall zeigen zu dürfen. Sie sind die Manifestation des grundlegenden Rechts, man selbst zu sein.

RECHT Auch deswegen ist Budapest kein schlechter Ort für die diesjährigen EMG. Völlig unabhängig von der Regierung Orbán, deren Anti-Soros-Kampagne und den 19 Prozent Ungarn, die die rechtsradikale Jobbik gewählt haben, gilt immer: Juden haben das Recht, hier und da und dort zu sein. Und dann da Sport zu treiben (wie alles andere auch).

Die ersten EMG gab es 1929 in Prag, die erste weltweite Makkabiade 1932 in Tel Aviv. Der Anspruch, alles zu dürfen, auch wenn es in kurzen Hosen geschieht, wurde also historisch kurz vor der großen Katastrophe erhoben. Der Anspruch war und bleibt richtig. Seit 1979 werden die EMG wie die Makkabiade alle vier Jahre ausgetragen. Immer ein Stück größer, immer ein Stück selbstverständlicher. Egal wo.

krauss@juedische-allgemeine.de

Kommentar

Mit schwerem Koffer zurück aus Berlin

Wie ein deutscher Holocaust-Überlebender auf die sich abzeichnende Koalition von SPD und Grünen mit Antisemiten, Terror-Relativierern und anderen Genozid-Schreiern blickt

von Roman Haller  11.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026

Kommentar

Allein mir fehlt der Glaube

Die Spitzen von Linken, Grünen und SPD in Berlin haben bei ihren Sondierungen in Berlin ein dreiseitiges Papier zur Bekämpfung von Antisemitismus vereinbart. Eine Einordnung

von Michael Thaidigsmann  08.10.2026

Meinung

Wenn Journalisten Terroristen sind – 170 Namen und eine unbequeme Wahrheit

Unser Autor reflektiert über die grundsätzliche Frage, was »Journalismus« in einem Gebiet bedeutet, das seit Jahren von einer totalitären Terrororganisation beherrscht wird

von Daniel Neumann  08.10.2026

Kommentar

Echter Schutz für Juden in Deutschland – ohne Sonderrecht 

Unsere Autorin ordnet die aktuelle Debatte um die Gesetzesentwürfe zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland ein

von Annabelle Ganapol  08.10.2026

Kommentar

Wenn Chuzpe Leben rettet

Die bemerkenswerte Abwesenheit von Scham, Vorsicht und Selbstzweifel ist eine israelische Eigenart. Im Fall des Flydubai-Fluges half sie, eine Katastrophe zu verhindern

von Sabine Brandes  07.10.2026

Meinung

Magdeburg: Versagen der Demokraten

Nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt: Wie der Vormarsch der Rechtsextremen weitergeht, hängt auch von den demokratischen Parteien ab. Jetzt wären Zusammenhalt, Disziplin und Führung gefragt

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026