Die propalästinensische Kultfigur, berufsmäßige Antisemitin und charmante Demagogin Francesca Albanese war am 30. März 2026 im legendären Babylon-Kino in Berlin zu Gast.
Ich bin nach diesem Abend vor allem eins: entsetzt.
Nicht, weil ich überrascht wäre, dass es bei diesem Thema emotional wird, sondern weil ich eine Form von verbaler Aggression erlebt habe, die ich so noch nie gesehen habe – und die ich, ehrlich gesagt, nicht mal für möglich gehalten hätte. Vielleicht auch, weil ich sonst nicht »beruflich« auf Demos unterwegs bin und mich nicht in dieser Szene bewege.
Aggression, Testosteron überall. Draußen vor dem Eingang standen Gruppen mit Lautsprechern und Palästina-Flaggen. Es ging nicht um Parolen im üblichen Sinn. Es war Schreien. Mit Trommeln, immer wieder: »Gaza, Gaza, genocide!« Der »Genozid« ist bereits ein feststehender Begriff. Niemand hier stellt ihn auch nur in Frage – wer es macht, ist »Nazi« – man sucht in der Szene nach einem neuen Superlativ, um Israel beschimpfen zu können. »Zwei Millionen Menschen«, wird mir eine Teilnehmerin mit Berliner Akzent belehrend am Ende des Abends sagen, zwei Millionen habe Israel in Gaza umgebracht. Mein Einwand, dass dort nicht mal ganz so viele Menschen leben? »Alles Lügen« – weitergezogen.
Dazu andere Sätze, die ich teils gar nicht verstanden habe. Diese Lautstärke, dieses Aufdrehen, dieses permanente Hochpushen: Das hat sich nicht an der Türschwelle erledigt, das ist mit in den Saal gewandert.
Wer gehört dazu, wer nicht?
Im Publikum trugen gefühlt mehr als die Hälfte Palästinensertücher, dieses Muster, das ich für mich als ein modernes Erkennungszeichen einer Szene lese, die mehr will als »Mitgefühl«. Und ich habe Blicke gespürt, dieses Abchecken: Wer gehört dazu, wer nicht? Ich war mit Karoline Preisler dort. Sie saß vorne links, mit drei Begleiterinnen. Ich selbst saß weiter hinten, Reihe dreizehn, mit einem weiteren Begleiter.
Und es ging sofort los. Noch bevor überhaupt irgendein »Dialog« hätte entstehen können, wurde auf Karoline Preisler gezeigt und »Nazi, Nazi!« gerufen – und parallel wurde gefilmt, einfach nur, weil sie dort saß. Allein die Anwesenheit hat gereicht.
»Nazis! Rassisten! Rassisten!« Keine Nachfrage, kein Gespräch, keine Neugier.
Wir unterhielten uns halblaut darüber und wurden sofort als Feind markiert. Die Reaktion kam wie auf Knopfdruck: Die ganze Reihe vor uns drehte sich um, und es hagelte nur noch Etiketten. »Nazis! Rassisten! Rassisten!« Keine Nachfrage, kein Gespräch, keine Neugier. Nur Schlagworte, die wie Steine geworfen wurden.
Was mich zusätzlich irritiert hat: Ein großer Teil des Publikums wirkte so, als käme er nicht aus irgendeiner »nahöstlichen Realität«, sondern aus Berlin-Mitte. Sehr deutsch, sehr weiß, sehr selbstsicher – und gleichzeitig in einer Pose, in der man anderen erklärt, wie der Nahe Osten »wirklich« funktioniert. Diese Mischung aus moralischer Überhöhung und totaler Gesprächsverweigerung ist schwer auszuhalten.
Es ist eine Gruppendynamik, die eine Führerfigur in einer auf sie völlig eingeschworenen Sekte erzeugt. Massenpsychose. Habe ich noch nie so erlebt.
Blutlüge in moderner Verkleidung
Auf der Bühne saß Francesca Albanese und erzählte das Ganze mit einer Ruhe, die im Kontrast zur aufgeheizten Stimmung im Saal stand. Das hat die Emotionen erst richtig hochgepeitscht – Demagogie funktioniert!
Ein Mutiger im Publikum erzählt in der Fragerunde von Terroropfern, die er kennt, und fragt, warum Terroristen bei Albanese nie vorkommen. Er wird fast von der aufgebrachten Menge aus dem Saal geworfen, aber großer Gestus: Albanese setzt sich gar für ihn ein, nur um ihn härter ranzunehmen: »Terrorist« sei keine rechtliche Kategorie (stimmt übrigens nicht, aber wer würde ihr widersprechen).
Und dann kam ein Moment, der bei mir alles alarmiert hat: Sie behauptete charmant lächelnd, Belgier würden Hunde züchten und an Israelis verkaufen, damit diese Palästinenser vergewaltigen. Wohlgemerkt: Die Hunde seien bereits in Europa so konditioniert. Das ist nicht nur grotesk, das ist ein uraltes antisemitisches Muster – Blutlüge in moderner Verkleidung. Und das Publikum jubelte. Es gab keinen Schock, kein Innehalten, kein »Moment, stimmt das überhaupt?« Es wurde gefeiert. Ich muss bei der Oketz-Einheit immer an das herzzerreißende Foto der Hundeführerin mit »ihrem« Malinois denken, der den Krieg nicht überlebt haben. Oketz hat in Gaza fast alle dieser mutigen Hunde an Sprengfallen und Abschüsse verloren.
Weitere Lügen lassen nicht auf sich warten. Daran herrscht heute Abend kein Mangel. Zu den originellsten gehört das in der dahinschmelzend italienisch-charmanten Art vorgetragene Märchen, dass »Palästina«, so Albanese, vor »der Gründung Israels ein Land war, in dem alle Religionen – Muslime, Christen, Juden – friedlich zusammenlebten, bis die Siedlerkolonialisten kamen«. Sie glaubt es wirklich. Ich konnte nicht anders und machte meinen einzigen Zwischenruf, der an das Massaker von Hebron erinnerte. Nazi, ich, natürlich. Man wollte mich aus dem Saal werfen, aber körperlich übergriffig wurde niemand – die verbale Aggression war indes mehr, als ich je erlebt habe.
Das Publikum ist wie verliebt in Albanese
Mein Begleiter sagte mir leise, man merke, wie sehr sie sie verehren – als wären sie wirklich verliebt in sie. Genau so fühlte es sich an. Und diese Verehrung wurde nach dem Event fast noch absurder: Zehn Minuten zuvor riefen sie sinngemäß in Anlehnung an den »No-Kings-March« in den USA »Keine Könige, alle Menschen sind gleich«, dazu diese Sprache von »Genossen« und »Kameraden«, eine Art kommunistischer Gestus. Und draußen schrien dann alle: »Queen! Queen!« Diese Widersprüche wurden nicht mal bemerkt. Es ging nicht um Logik, es ging um Zugehörigkeit.
Die Medien, da sind sich alle einig, sind in Deutschland ein Skandal, weil sie einseitig nur die israelische Sicht darstellen. Ja, Sie hören richtig: Offenbar konsumiere ich die falschen Medien, auf der verzweifelten Suche nach halbwegs objektiven Darstellungen. Hier im Babylon sind das alles Opfer der israelischen Propaganda.
Wie gefährlich ist diese Mischung aus Selbstgerechtigkeit, Gruppendruck und Gewaltfantasie?
Draußen traf man auch auf Leute, die sich als harte Untergrund-»Kämpfer« inszenierten. Eine Person stellte sich als Genossin aus Frankreich vor. Albanese wirkte auch hier, als wolle sie Gewalt ablehnen, aber sie tat es nicht klar. Stattdessen blieb sie im Nebel, sprach von »Widerstand« und davon, dass man weitermachen müsse. Kein deutliches Stoppschild, eher ein Andeuten, das man in so einer Stimmung als Ermutigung lesen kann.
Vorher hatte ein Sprecher auch noch darauf verwiesen, dass »Freiheitskämpfer« in deutschen Gefängnissen säßen, weil sie Elbit Systems angegriffen hätten – einen israelischen Rüstungskonzern, den man dort wie einen reinen Bösewicht behandelte. Da habe ich mich ernsthaft gefragt: Wie gefährlich ist diese Mischung aus Selbstgerechtigkeit, Gruppendruck und Gewaltfantasie? Mein Eindruck: sehr gefährlich. Und zwar nicht erst, wenn jemand handelt, sondern schon in dem Moment, in dem das Denken kippt. Die Aktivistin kloppt sicher weiter, wenn sie kann.
Kein Interesse an Austausch
Am Ende saß ich in einem Publikum, das für mich wie eine Sekte wirkte: emotional aufgeladen, teilweise wie benebelt, ohne das geringste Interesse an Austausch, Information oder Debatte. Am Anfang wird gern behauptet, man sei offen für Fragen. In der Praxis ging es nur darum, Glaubenssätze zu wiederholen und Abweichler zu markieren.
Die Atmosphäre erinnerte mich unangenehm an diese historischen Bilder, bei denen eine Masse sich selbst bestätigt, Abweichung als Feind markiert und Aggression als Moral verkauft. Ich will da keine billigen Gleichsetzungen machen – aber dieses Gefühl von »eine Linie, eine Wahrheit, und wer stört, ist Unmensch« war real. Und ich kann mir kaum vorstellen, dass die Aggression im Saal geringer war als in anderen Momenten der Geschichte, in denen Massen sich in Ideologie eingerastet haben.
Besonders erschreckend fand ich die Selbstsicherheit, mit der Menschen Dinge behaupteten. Ältere deutsche Frauen sagten zu mir sinngemäß: Es gäbe »Beweise«, niemand wisse, wer am 7. Oktober gestorben sei, die Körper seien verbrannt, das könne nicht von palästinensischen Waffen gekommen sein. Das wurde nicht als Frage formuliert, sondern als Glaube. Als etwas, das man »von Herzen« weiß.
Handwerklich ordentlich, aber reine Propaganda
Dann kam noch der Film eines französischen Regisseurs, handwerklich durchaus ordentlich – aber inhaltlich reine Propaganda. Er erklärte fast nichts, er setzte auf Abkürzungen, auf Stimmung, auf Bilder. Nach diesem Film weiß das Publikum mit hoher Wahrscheinlichkeit immer noch nicht, was der Unterschied zwischen dem Internationalen Gerichtshof (IGH) und dem Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) ist. Und erst recht nicht, dass der IStGH keine UN-Institution ist. Aber die Form war so gebaut, dass man sich danach trotzdem informiert fühlen durfte – darüber, wie böse Israel sei.
Israelische Stimmen tauchten nur als Ben-Gvir und Smotrich auf, gezeigt in kurzen Ausschnitten, so geschnitten, dass die Bildsprache an totalitäre Aufmärsche erinnert, ja, an den Reichsparteitag. Ein Schelm, wer Böses denkt. Das wirkte auf mich keinesfalls zufällig. Wenn man Bilder so auswählt, erzeugt man Assoziationen – und genau das passierte: Israel sollte nicht kritisiert, sondern symbolisch in eine Ecke gestellt werden, aus der es moralisch nicht mehr herauskommt.
Und dann sagte Albanese auf der Bühne sinngemäß, Israel solle so lange sanktioniert werden, bis es aufhört zu existieren. Fünf Minuten vorher hatte sie noch behauptet, Israel sei ihr »eigentlich egal«, ihr gehe es nur um die Einhaltung des Völkerrechts. Das ist ein Widerspruch, den man nicht einfach übergehen kann. Denn zwischen »Völkerrecht durchsetzen« und »Staat abschaffen« liegt ein Abgrund.
Ein junger Mann blieb stehen und hat dann am Ende doch noch mit uns gesprochen. Ohne Ahnung sagte er, das Westjordanland habe Israel von Palästina erobert, aber er hörte zu. Die Hand geben wollte er mir nicht, seine Freunde zerrten ihn mit »Nazi«-Rufen gegen mich weg.
Ich bin nach Hause gegangen mit dem Gefühl, etwas erlebt zu haben, das größer ist als ein einzelner Abend. Eine Art Massendynamik, in der erfundene Moral zur Waffe wird, in der Widersprüche egal sind, in der antisemitische Muster durchgewunken werden, solange sie ins Weltbild passen. Und ich merke: Ich brauche Zeit, das alles zu sortieren – weil ich immer noch nicht sicher bin, was mich mehr schockiert hat: die Inhalte auf der Bühne oder das Publikum, das sie nicht nur akzeptiert, sondern gefeiert hat.
Gefeiert.
In Berlin.
Und das waren keine »Rechten«.