Nicole Dreyfus

Die UNRWA kann auf Zürich zählen

Nicole Dreyfus Foto: Claudia Reinert

Nicole Dreyfus

Die UNRWA kann auf Zürich zählen

Die Regierung zahlt 380.000 Franken an das mit dem Hamas-Terror verbundene Palästinenserhilfswerk

von Nicole Dreyfus  15.11.2024 08:18 Uhr

Im vergangenen Juli entschied das Zürcher Stadtparlament, schnellstmöglich einen substanziellen Beitrag oder eine Spende »zugunsten von Gaza« zu tätigen. Ein entsprechender Vorstoß wurde damals mit 58 Ja zu 47 Nein-Stimmen an den Stadtrat überwiesen, mit fünf Enthaltungen.

Begründet wurde dieser Entscheid unter anderem auch damit, dass der Schweizer Bundesstaat seinen bisherigen Beitrag von 20 Millionen Franken an die UNRWA nicht ausbezahlt und eine Kürzung des Beitrages um die Hälfte beschlossen hatte.

Bereits im Sommer hagelte es Kritik an diesem Entscheid des Lokalparlaments. Nicht nur Politiker aus dem rechten politischen Spektrum monierten, dass mit Steuergeldern aus Zürich die Terroraktivitäten der Hamas alimentiert würden.

Gerade jetzt

Die liberale Partei FDP reichte noch während den Sommerferien eine Beschwerde ein, da sie überzeugt war, dass das lokale Parlament mit diesem Entscheid seine Kompetenzen überschritten und gegen die Verfassung des Bundesstaates verstoßen hatte.

Lesen Sie auch

Nun hat die Beschwerdeinstanz entschieden. Der Entscheid ist noch nicht bekannt. Doch noch bevor die FDP als Beschwerdeführerin darüber in Kenntnis gesetzt wurde, traf die Zürcher Exekutive bereits den Beschluss, die Gelder seien auszubezahlen. 380.000 Schweizer Franken sollen an die UNRWA gehen. Weitere 200.000 Franken gehen an zwei andere Hilfswerke, die sich im Gazastreifen engagieren.

In Zürich reiben sich nun alle die Augen. Weder war die städtische Exekutive gezwungen, den Entscheid rasch und gerade jetzt zu fällen, noch ist klar, wieso sie diesen vor Bekanntgabe des Urteils über die Verfassungsmäßigkeit des Entscheids und vor dem definitiven Beschluss der kleinen Kammer des Bundesparlaments treffen musste.

Geopferte Glaubwürdigkeit

Auch hätte die städtische Exekutive problemlos den ganzen Betrag an andere Hilfswerke spenden können, um so dem Willen des Parlaments Rechnung zu tragen. Stattdessen entschied sich die Zürcher Regierung für einen fragwürdigen und hoch umstrittenen Schritt, der auch den eigenen städtischen Regularien widerspricht.

Dort heißt es nämlich, Nothilfe dürfe nur an Organisationen ausbezahlt werden, welche »unparteiisch, unabhängig und neutral« sind. Wer würde das heute noch von der UNRWA behaupten?

Offensichtlich schert sich die Zürcher Regierung weder um die Schweizer Bundesverfassung noch um die Entscheidungskompetenz ihrer Kontrollbehörde, und auch ihre eigenen Regeln zählen nicht mehr, wenn es um Gaza geht.

Offenbar war der Drang, die UNRWA um jeden Preis zu unterstützen oder der Druck aus der politischen Linken so groß, dass die Zürcher Regierung alle rechtlichen und politischen Prinzipien opferte - und ihre eigene Glaubwürdigkeit noch gleich dazu. 

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  27.08.2026

Meinung

Mehr Schutz durchs Grundgesetz

Was für die LGBTIQ-Gemeinschaft zutrifft, sollte auch für den Schutz jüdischer Identität gelten

von Susanne Krause-Hinrichs  26.08.2026

Meinung

Jüdische Schulen: Orte der Zugehörigkeit

Der Wunsch nach jüdischer Bildung wächst, während die Strukturen zunehmend fragil werden

von Eduard Steinberg  24.08.2026

Israel

Die Eindeutigkeit der Uneindeutigen

Ben Gvirs Äußerungen sind menschenverachtend und sollten von allen verurteilt werden, denen Israel am Herzen liegt. Zugleich spiegeln sie zum Glück nicht die Gaza-Politik Israels wider

von Volker Beck  19.08.2026

Meinung

Im Zweifel für das Narrativ?

Die »tageszeitung« (taz) veröffentlichte einen Beitrag eines Deutsch-Palästinensers, der nicht nur unrichtige Aussagen enthält, sondern eine sehr fragwürdige Erzählung propagiert

von Michael Thaidigsmann  18.08.2026

Meinung

Von Menschen und Monstern

Die neuen Äußerungen des rechtsextremen israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir sind schockierend, aber leider nicht überraschend

von Ayala Goldmann  18.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Meinung

Brennende Moscheen: Moralische Klarheit bei Siedlergewalt

Die Stimme gegen Gewalt, die im Namen des jüdischen Volkes ausgeübt wird, muss ebenso klar und deutlich vernehmbar sein wie gegen die Gewalt, die sich gegen uns richtet

von Rabbiner Pinchas Goldschmidt  14.08.2026