Meinung

Die unmögliche Indifferenz von Annalena Baerbock und Olaf Scholz am Tag der Beerdigung von Kfir, Ariel und Shiri Bibas

Nicole Dreyfus Foto: Claudia Reinert

Meinung

Die unmögliche Indifferenz von Annalena Baerbock und Olaf Scholz am Tag der Beerdigung von Kfir, Ariel und Shiri Bibas

Ein Kommentar von Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  27.02.2025 14:12 Uhr

Shiri Bibas und ihre Söhne Kfir und Ariel waren Deutsche. Die israelische Frau und die zwei Kinder mit einem deutschen Pass, der deutschen Staatsbürgerschaft: Sie sind zum weltweiten Symbol des grausamen Terrors der Hamas geworden, die Bilder der kleinen rothaarigen Jungen mit ihrer herzlich lachenden Mutter gingen um die Welt.

Am Mittwochabend nun gedachte Berlin der ermordeten Geiseln der Familie Bibas. Aus Solidarität leuchtete das Brandenburger Tor in Orange, orangefarbene Ballons stiegen in den Himmel – ein Zeichen der Solidarität und des Abschieds.

Lesen Sie auch

Doch offenbar reichte das nicht, um die Empathie des scheidenden Kanzlers und seiner ebenso abtretenden Außenministerin hervorzurufen. Annalena Baerbock (Grüne) schwieg, Olaf Scholz (SPD) bekundete am Tag, als die Leichen nach Israel überführt wurden, lediglich auf der Plattform X: »Es ist zur schrecklichen Gewissheit geworden: Shiri Silbermann-Bibas und ihre Söhne Ariel und Kfir sind tot. Die Hamas hat Leid und Tod in unzählige Familien gebracht. Ich fühle mit allen, die mit dieser schrecklichen Gewissheit umgehen müssen.« Das war’s. Mehr kam nicht von offizieller Seite.

Das passt zu einem unterkühlten Bundeskanzler, der in der Israel-Politik einen Scherbenhaufen hinterlässt und bewies, dass sich Deutschland zur Sicherheit Israels nicht mehr verpflichtet fühlt – der 7. Oktober machte mehr als deutlich, dass auf das Versprechen der »Staatsräson« kein Verlass mehr ist.

Es passt aber auch zu einer Ministerin, die, wenn es um Israel geht, sich hinter Floskeln und Ausreden versteckt. Ein erneuter Beweis dafür, dass auch das »Wir stehen an der Seite Israels« zur sinnentleerten Plattitüde mutierte, als Folge versagender Politik. Dann lieber in Schweigen hüllen? Das genügt jedoch nicht.

Wer behauptet, dass eine Beerdigung wie die gestrige, eine Inszenierung sei, hat andere Ansätze von Menschlichkeit.

Man kann es nicht genug betonen: Öffentliche Nüchternheit und Distanziertheit im Umgang mit dem Terror und den Folgen des 7. Oktobers alimentieren die Narrative radikaler Kreise oder der sogenannten Gutmenschen, die sich gern als Doppelmoralisten aufspielen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Es könnte nicht zynischer, despektierlicher sein, wenn Aktivistinnen wie Sonja Howard, Kinderschutzexpertin, die sich auf Bundesebene für die Rechte der Kinder einsetzt, am Tag der Bibas-Beisetzung auf der Plattform Instagram den Trauerzug und die Beerdigung als »unfassbar abstossend« und als »Inszenierung« bezeichnet.

Lesen Sie auch

Wer behauptet, dass eine Beerdigung wie die gestrige, die von einem vorausgehenden Trauerzug begleitet wird, weil die Menschen den Verlust dieser Menschen nicht als Märtyrertum feiern, sondern weil die schwerlastende Trauer die Hinterbliebenen und damit eine ganze Nation paralysiert, lähmt und bricht, eine Inszenierung sei, und den Geiselterror relativiert, hat andere Ansätze von Menschlichkeit.

Für einmal hielten die Terroristen ihr Wort – sie hatten angekündigt, dass sie nicht lebend zurückkommen würden, Shiri, Ariel und Kfir Bibas. Sich auf das Wort von grausamen Entführern, Lebensdieben zu verlassen, ist reine Folter. Diese unaufhörliche Trauer, die nicht nur die Familie Bibas gerade durchmacht, sondern jede Familie in Israel, die seit dem 7. Oktober geliebte Mütter, Väter, Töchter und Söhne, Großeltern verlor, ist keine Inszenierung. Sie ist ein unsäglicher, nie enden wollender Schmerz, der die Menschen zerbrechen lässt. Er kann nicht gespielt werden.

Wo bleiben hier Empathie, Respekt, Demut vor der Menschlichkeit?

dreyfus@juedische-allgemeine.de

Israel

Ein Toter nach Raketenbeschuss – erneute Angriffe aus dem Iran

Das 40-jährige Opfer kam bei einem Einschlag von Trümmerteilen eines iranischen Geschosses ums Leben

 09.03.2026

Sicherheit

Israel warnt vor iranischen Anschlagsplänen gegen Israelis im Ausland

»Ein Israeli muss derzeit überall besonders vorsichtig sein«, sagt eine Sicherheitsbeamter

 09.03.2026

Südlibanon

Zwei israelische Soldaten bei Hisbollah-Angriff getötet

Nach einer vorläufigen Untersuchung der israelischen Armee begann der Vorfall, als ein Panzer während eines Einsatzes stecken blieb

 08.03.2026

Weltfrauentag

Pilotinnen über Teheran

Rund 30 Frauen der israelischen Luftwaffe beteiligen sich an den Angriffen gegen den Iran

von Sabine Brandes  08.03.2026

Waffen

Iran setzt Streubomben gegen Israel ein

Mehrere Menschen werden bei Raketenangriff verletzt. Israels Armee wirft Teheran den Einsatz geächteter Munition vor

von Sabine Brandes  08.03.2026

Hintergrund

Teurer Krieg – widerstandsfähige Wirtschaft

Internationale Finanzexperten gehen von einer relativ schnellen Erholung des israelischen Marktes aus

von Sabine Brandes  08.03.2026

Tel Aviv

Mit Einschränkungen: Israel nimmt reguläre Flüge wieder auf

Die Zahl der Abflüge und der Passagiere pro Flugzeug begrenzt. Bei Landungen von Rückholflügen am Ben-Gurion-Flughafen kam es derweil zu Vorfällen

 07.03.2026

Teheran/Tel Aviv

Israel greift Chameneis unterirdischen Bunker an

Ein Bunker im Herzen Teherans, genutzt von Irans Elite - jetzt war er Ziel eines israelischen Angriffs. Damit will Israel laut eigenen Angaben Irans Führung und deren Fähigkeiten weiter schwächen

 06.03.2026

Jerusalem

Ministerin will Sanktionen gegen israelische Justiz von Trump

Die Leiterin des Umweltressorts, Idit Silman, wendet sich auf X an den US-Präsidenten

von Sabine Brandes  06.03.2026