Meinung

Die neue AfD-Jugendpartei ist kein bisschen weniger extrem

Ruben Gerczikow Foto: Rina Gechtina

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Die neue AfD-Jugendpartei ist kein bisschen weniger extrem

Die »Junge Alternative« wurde durch die »Generation Deutschland« abgelöst. Doch die Neuordnung der AfD-Jugendorganisation diente keineswegs ihrer Entradikalisierung

von Ruben Gerczikow  02.12.2025 14:27 Uhr

Etikettenschwindel. Das ist der Begriff, der wohl am ehesten auf die neugegründete »Generation Deutschland« zutrifft. Anders als ihre Vorgängerin, die »Junge Alternative«, soll sie nicht mehr als eigenständiger Verein fungieren und so noch stärker als Jugendorganisation und »Kaderschmiede« der AfD dienen. Mit klaren Verhaltensregeln und strategischem Auftreten. Doch das Personal und die Ideologie hinter Generation Deutschland haben sich nicht geändert.

An die Spitze der neuen Organisation wurde der 28-jährige brandenburgische Landtagsabgeordnete Jean-Pascal Hohm gewählt. Er ist seit 2014 in der Partei. Sein politischer Werdegang erinnert an den Typus des Berufspolitikers, den die AfD regelmäßig kritisiert. Nach rbb-Informationen pflegt Hohm aber auch gute Kontakte in die rechtsextreme Ultra-Szene des Fußballvereins Energie Cottbus. Er macht keinen Hehl aus seiner Nähe zur Neuen Rechten rund um die neofaschistische Identitäre Bewegung oder den rechtsextremen Verein »Ein Prozent«.

Durch die direkte Anbindung an die AfD ist die Jugendpartei besser vor einem möglichen Verbot geschützt.

Hohm setzt auch den Ton für den völkisch-nationalistischen »Germany First«-Trend in der AfD und steht für einen israelfeindlichen Kurs. So schrieb er zum Beispiel nach den Massakern der Hamas am 7. Oktober 2023 auf X: »Die einen randalieren für Palästina. Die anderen demonstrieren für Israel. Wir kämpfen weiter für Deutschland!«

Die Neuordnung der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Jungen Alternative diente also keineswegs deren Entradikalisierung. Vielmehr ist die AfD-Jugendorganisation durch die direkte Anbindung an die Partei nun deutlich besser vor einem möglichen Verbot geschützt.

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Das weiß auch Hohm, der seine eigene Einstufung als Rechtsextremist durch die Sicherheitsbehörden entschieden ablehnt. Ihm und der AfD geht es um etwas anderes: den Aufbau einer straffer strukturierten Organisation, die junge Menschen noch effizienter für die Partei und ihr ebenso gefährliches wie rechtsextremes Weltbild gewinnen kann.

Der Autor ist Publizist und freier Journalist in Berlin.

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