Meinung

Die Empörung über Antisemitismus muss lauter werden

Claire Schaub-Moore ist Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Oldenburg. Foto: privat

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Die Empörung über Antisemitismus muss lauter werden

Der Anschlag von Sydney war in einem weltweiten Klima des Juden- und Israelhasses erwartbar. Nun ist es an der Zeit, endlich Haltung zu zeigen

von Claire Schaub-Moore  17.12.2025 09:30 Uhr

Entsetzen, Empörung, Wut – dies sind vorrangig unsere Gefühle neben der Trauer um die in Bondi Beach getöteten Menschen, verbunden mit tiefem Mitgefühl für deren Angehörige und der bangen Hoffnung um das Überleben der vielen Verletzten. Wieder einmal wurden friedliche, feiernde Menschen ermordet, nur weil sie jüdisch sind. Weil sie für etwas zu stehen scheinen, was zunehmend durch antisemitischen Hass zur Wahrheit verkündet wird: Juden und Jüdinnen seien schuld an allem Bösen und Schlechten in dieser Welt, und so sei es nur folgerichtig, sie zu vernichten.

Warum macht uns diese schreckliche Tat nicht fassungslos? Weil dieses antisemitisch motivierte grausame Morden nicht überrascht; im Gegenteil, sie ist in einer weltweit aufgeheizten Stimmung des Antizionismus, Antikolonialismus und Antisraelismus erwartbar. Gewalt gegen Juden scheint legitim, unabhängig von Alter, Herkunft oder Überzeugungen der jüdischen Menschen. Und genauso legitim, im Sinne der Meinungsfreiheit, scheint es zu sein, dass krude antisemitische Aussagen im Netz, auf den Straßen, in Medien, Universitäten und Schulen geäußert werden, begegnet von hilflosen Gegenaktionen und immer lauterem Schweigen.

Milieus, die sich gewaltvoll in Sprache und Taten gegen jüdisches Leben richten, dürfen nicht verharmlost werden.

Was muss geschehen, um diese antijüdischen Eskalationen zu stoppen? Eine uralte Frage, die offensichtlich trotz aller hervorragenden antisemitismuskritischen Bildungsprogramme noch immer nicht gelöst ist. Politische, soziale und religiöse Milieus, die sich gewaltvoll in Sprache und Taten gegen jüdisches Leben richten, dürfen nicht verharmlost oder nur halbherzig strafrechtlich verfolgt werden. Ebenso sind öffentlich-rechtliche Medien in der Pflicht, so neutral und umfassend wie möglich zu berichten, statt versteckt polarisierende Informationen zu veröffentlichen.

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Und nicht allein auf der Makroebene der Politik, der Medien und der Justiz ist diese Sensibilität vonnöten, sondern auch in den Mikrosystemen der nicht-jüdischen Familien, Gemeinschaften und sozialen Gefüge, wo Meinungen diskutiert und Haltungen, Werte und Normen gebildet werden. Dort muss das Entsetzen, die Empörung und die Wut über den antisemitischen Hass laut werden. Denn wir wollen alle in Frieden leben.

Die Autorin ist die erste Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Oldenburg.

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