Meinung

Deutschlands ambivalente Ukraine-Solidarität

Igor Matviyets Foto: Florian Korb

Meinung

Deutschlands ambivalente Ukraine-Solidarität

Statt akribischen deutschen Haushaltsplanern braucht die Ukraine einen verlässlichen Partner

von Igor Matviyets  22.08.2024 10:03 Uhr

Realitäten sind manchmal komplex und schwer planbar. Hätte die Ukraine ihre aktuelle Offensive in Kursk in der Logik von Finanzminister Christian Lindner begonnen, wonach Ausgaben für das Militär in Zukunft nur noch nach Absprache mit den Haushaltsplanern bewilligt werden dürfen, dann hätte es diese wohl nie so gegeben. Das Überraschungsmoment wäre auf der Strecke geblieben.

Dabei kann ein solches, wie der erfolgreiche Angriff der ukrainischen Armee auf russisches Territorium zeigt, für den weiteren Kriegsverlauf von entscheidender Bedeutung sein. Aus Sicht der Bundesregierung aber scheint die schwarze Null im Haushalt für das Jahr 2025 die größere Priorität zu haben als ein möglicher Erfolg der Ukraine. Daher waren Meldungen, dass in der aktuellen Budgetplanung der Ampelkoalition für zusätzliche militärische Hilfen an das in seiner Existenz bedrohte Land keine Gelder mehr vorgesehen seien, eine heftige und bittere Überraschung.

Berlin zeigt damit erneut seine Ambivalenz, wenn es um konkrete Solidarität mit der Ukraine geht. Zwar ist Deutschland einer ihrer wichtigsten Unterstützer. Doch der Weg dahin war mühsam und langwierig. Oftmals dominierten überhöhte Vorstellungen von der Macht Russlands sowie eine Geringschätzung der Fähigkeiten der Ukraine. Viel war von roten Linien bei bestimmten Waffen die Rede, beispielsweise beim Panzer Leopard, die man überschreite, wenn diese an Kiew geliefert würden. Erstaunlich oft machten sich Personen dabei – ob bewusst oder unbewusst sei dahin gestellt - zum Sprachrohr des russischen Aggressors.

Aktuell zeigt die Ukraine, zu welchen Leistungen sie selbst im dritten Jahr dieses brutalen Angriffskrieges imstande ist.

Deutschland kann sich aber nicht auf seinen Zusagen von gestern ausruhen. Ein Krieg richtet sich nun einmal nicht nach einem auch noch so akribisch geplanten Zahlenwerk des Bundesfinanzministers. Und im laufenden Jahr konnte der Bundestag durchaus zusätzliche Gelder mobilisieren und so die im Haushalt eingeplanten Mittel erhöhen.

Doch 2025 ist ein Wahljahr. Genau das sollte aber ein Argument für die aktuelle Bundesregierung sein, schon jetzt den finanziellen Rahmen für weitere Zusagen zu schaffen. Nur so kann verhindert werden, dass der Nachschub an dringend benötigten Waffen nicht vom Wahlkampf oder von einer neuen Regierung, die sich erst noch finden muss, ausgebremst wird.

Aktuell zeigt die Ukraine ja auch, zu welchen Leistungen sie selbst im dritten Jahr dieses brutalen Angriffskrieges plötzlich imstande ist. Will Deutschland wirklich der verlässliche Partner an ihrer Seite sein, wie öffentlich immer betont wird, dann sollte man auch in Zukunft in der Lage sein, die Ukraine zu unterstützen - erst Recht, wenn es um Überraschungen an der Front geht.

Der Autor lebte in Halle und ist SPD-Politiker.

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Sachsen-Anhalt

So instrumentalisiert die AfD den Eklat von Halle

AfD-Rechtsaußen Hans-Thomas Tillschneider geriert sich als Opfer »fanatisierter Studenten«. Eine Einordnung

von André Anchuelo  12.10.2026

Kommentar

Vereint unter dem Dach eines Rechtsextremen

Der Verleger Jürgen Elsässer hat die Fraktionen von AfD und BSW für ein Kennenlernen in sein Magdeburger TV-Studio eingeladen. Dabei soll es auch um eine strategische Zusammenarbeit gegangen sein

von Ralf Fischer  12.10.2026

Kommentar

Die Linke hat ihren eigenen Antisemitismus nicht verstanden

Nein, wir sind natürlich keine Antisemiten, schallt es aus der Linken, wir kritisieren nur die israelische Regierung! Diese Formel wird immer wieder als Rechtfertigung herausgeholt

von Frank Schmiechen  12.10.2026

Kommentar

Mit schwerem Koffer zurück aus Berlin

Wie ein deutscher Holocaust-Überlebender auf die sich abzeichnende Koalition von SPD und Grünen mit Antisemiten, Terror-Relativierern und anderen Genozid-Schreiern blickt

von Roman Haller  11.10.2026

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026

Kommentar

Allein mir fehlt der Glaube

Die Spitzen von Linken, Grünen und SPD in Berlin haben bei ihren Sondierungen in Berlin ein dreiseitiges Papier zur Bekämpfung von Antisemitismus vereinbart. Eine Einordnung

von Michael Thaidigsmann  08.10.2026

Meinung

Wenn Journalisten Terroristen sind – 170 Namen und eine unbequeme Wahrheit

Unser Autor reflektiert über die grundsätzliche Frage, was »Journalismus« in einem Gebiet bedeutet, das seit Jahren von einer totalitären Terrororganisation beherrscht wird

von Daniel Neumann  08.10.2026