Paul Meyer-Dunker

Boykotte im Sport: Schluss damit!

Paul Meyer-Dunker Foto: Arne Jachmann

Seit Jahrzehnten gibt es im internationalen Sport ein wiederkehrendes Phänomen, das gegen alle seine Werte verstößt, aber selten Konsequenzen hat: iranische Sportler, die gegen ihre israelischen Kontrahenten nicht antreten. Ihren Ursprung haben diese Ereignisse in der antisemitischen iranischen Staatsdoktrin, die die Zerstörung des jüdischen Staates als Ziel hat. Diese macht auch vor dem Sport nicht halt.

In der Schachwelt bekamen wir sie erneut beim internationalen Schach-Open jüngst in Sitges zu spüren. Der Iraner Amin Tabatabaei verweigerte in der ersten Runde das Match gegen den israelischen Spieler Netanel Levi. Dies ist eines von vielen Beispielen, in denen iranische Schachspieler gegen Israelis kampflos verloren.

druck Es ist überfällig, dass dieser zutiefst unsportlichen, antisemitischen Praxis Einhalt geboten wird. Aber wie? Die iranischen Sportler sind in der Regel einem erheblichen Druck ausgesetzt, nicht gegen Israelis anzutreten. Auf individuelle Strafen abzuzielen, würde letztlich die Falschen treffen. Denn es ist das iranische Regime, das sich mithilfe seiner Sportverbände illegitim in den Sport einmischt und gegen dessen Werte verstößt.

Auf individuelle Strafen abzuzielen, würde letztlich die Falschen treffen.

Die Schachwelt und der Weltschachverband FIDE fordern daher, dass der iranische Schachverband endlich suspendiert wird. Leider war FIDE in dieser Thematik bisher sehr zurückhaltend. Zwar hat der Verband 2020 eine Warnung ausgesprochen, doch Konsequenzen gibt es keine. Ob das schon immer so geplant war oder ob es daran liegt, dass der russische FIDE-Präsident seine schützende Hand über einen der letzten russischen Verbündeten hält, spielt im Ergebnis keine Rolle.

Der Internationale Judoverband hat gezeigt, wie es geht. Vier Jahre Sperre für den iranischen Judoverband als Reaktion auf die fortgesetzte Boykottpraxis und den ausgeübten Druck auf die eigenen Sportler. Der internationale Sportgerichtshof CAS hat diese Sperre im September bestätigt. Es wird Zeit für den Schachsport, das jüngste Boykottereignis zum finalen Anlass zu nehmen, es den Judosportlern gleichzutun.

Der Autor ist Präsident des Berliner Schachverbandes.

Juri Goldstein

Hans-Georg Maaßen: Der Gescheiterte

Noch immer giert der Politiker nach Rampenlicht und Aufmerksamkeit und nimmt dabei die Beschädigung der CDU bewusst in Kauf

von Juri Goldstein  02.02.2023

Einspruch

Gewaltspirale in Israel?

Julia Bernstein ärgert sich über die Berichterstattung deutscher Journalisten zu den Terroranschlägen in Jerusalem

von Julia Bernstein  02.02.2023

Ayala Goldmann

Kampfpanzer für die Ukraine

Gedenken ist kein Selbstzweck. Auf das »Nie wieder« müssen sehr bald konkrete Schritte mit Blick auf den Krieg in Europa folgen

von Ayala Goldmann  26.01.2023

Ernst Grube

Holocaust-Überlebende als Hologramm?

Von »digitalen Gespenstern« ist bisweilen die Rede. Wichtig ist doch vor allem, dass unsere Zeitzeugenberichte auch in der Zukunft weiterhin vermittelt werden können

von Ernst Grube  26.01.2023

Stefan Hensel

Dialog? Nur ohne Juden, bitte

Die Hochschule für bildende Künste Hamburg veranstaltet ein Symposium zur documenta 15, bei dem wichtige jüdische Vertreter fehlen

von Stefan Hensel  24.01.2023

Anna Staroselski

Perspektiven statt Ressentiments

Jugendliche, die in sozial geschwächten Milieus aufwachsen, brauchen die Chance auf echte Teilhabe und sozialen Aufstieg – empathieloser Paternalismus ist kontraproduktiv

von Anna Staroselski  19.01.2023

Toby Axelrod

USA: Konservativen Juden wird es zu viel

Zunehmend fühlen sich auch jüdische Republikaner gezwungen, gegen ihre eigene Partei Stellung zu beziehen

von Toby Axelrod  18.01.2023

Ayala Goldmann

Nach der documenta ist vor der documenta

Dass Claudia Roth »keine koordinierte Verantwortungslosigkeit« auf der documenta mehr möchte, ist zu begrüßen. Aber in Kassel war man offenbar schneller

von Ayala Goldmann  16.01.2023 Aktualisiert

Meinung

Roger Waters und der Antisemitismus in der Festhalle

Benjamin Graumann fordert die Absage des Konzerts in Frankfurt

von Benjamin Graumann  11.01.2023