London/Los Angeles

Unerwarteter Ticket-Boom: Royal Ballet bedankt sich bei Timothée Chalamet

Timothée Chalamet am Dienstag in Los Angeles Foto: picture alliance / Sipa USA

London/Los Angeles

Unerwarteter Ticket-Boom: Royal Ballet bedankt sich bei Timothée Chalamet

Nach kritischen Bemerkungen des Hollywood-Stars steigen Reichweite und Ticketverkäufe in der Oper- und Ballett-Welt deutlich

 15.04.2026 11:41 Uhr

Die Leitung der britischen Organisation Royal Ballet and Opera hat dem jüdischen Schauspieler Timothée Chalamet für einen überraschenden Werbeeffekt gedankt. Nach kritischen Bemerkungen des Hollywood-Stars über Oper und Ballett seien Reichweite und Ticketverkäufe deutlich gestiegen. »The Guardian« berichtete.

Chalamet hatte im März bei der Promotion seines Films Marty Supreme erklärt, er sei froh, im Kino zu arbeiten und nicht im Opern- oder Ballettbetrieb, »wo es heißt: Haltet das am Leben, obwohl sich eigentlich niemand mehr dafür interessiert.« Kurz darauf ergänzte der Schauspieler: »Ich habe vollen Respekt für alle Menschen aus Ballett und Oper.«

Die Äußerungen lösten schnell Kritik aus. Prominente wie die ebenfalls jüdischen Darstellerinnen Jamie Lee Curtis und Whoopi Goldberg kritisierten ihn. Zahlreiche Kulturinstitutionen reagierten verärgert.

»Keine hochnäsige Antwort«

Der Chef des Royal Ballet and Opera, Alex Beard, sagte nun jedoch, die Debatte sei für seine Organisation »einfach fantastisch« gewesen. Man habe bewusst darauf verzichtet, Chalamet scharf anzugreifen. »Ich fand es wichtig, keine hochnäsige Antwort zu geben«, sagte Beard laut »The Guardian«. Stattdessen habe man lediglich auf das eigene Angebot verwiesen.

Lesen Sie auch

Nach Angaben des Hauses erzielte ein Instagram-Beitrag im Zusammenhang mit der Debatte rund zweieinhalb Millionen Interaktionen und etwa eine halbe Million Weiterleitungen. Zudem seien die Kartenverkäufe sofort gestiegen. Beard kommentierte dies mit den Worten: »Also danke, Timmy!«

Auch andere Kulturinstitutionen versuchten, aus der Kontroverse Kapital zu schlagen. Die Seattle Opera bot etwa Preisnachlässe für ihre Aufführung von Carmen an, wenn Käufer den Code »TIMOTHEE« verwendeten.

Unterstützung erhielt Chalamet inzwischen von Regisseur Luca Guadagnino, mit dem er bereits mehrfach gearbeitet hat. Der Filmemacher, der derzeit in Italien eine Oper inszeniert, sprach dem Bericht nach von einer übertriebenen Reaktion. Er sagte, es sei erstaunlich, dass »eine einzige Bemerkung zu einer weltweiten Polemik werden kann«. im

Film

Serienhit geht weiter: Warum will jeder »Nobody Wants This«?

Eine freizügige Sex-Podcasterin und ein charmanter Rabbiner verlieben sich. Ihre Geschichte ist ein gelungener Gegenentwurf zu klischeehaften Rom-Coms. So geht die Erfolgsserie weiter

von Simone Andrea Mayer  23.10.2026

Berlin

Wenn Wolf Biermann den roten Bademantel trägt

Die Stasi wollte den Liedermacher zum Alkoholmissbrauch verleiten und seine Beziehungen zerstören. Ein Film zeigt, wie er das überstand - und was er mit fast 90 macht: Kraulen in der Ostsee zum Beispiel

von Lisa Forster, Sven Gösmann  23.10.2026

Debatte

Wahl in Israel: Star-Dirigent Lahav Shani meldet sich ausführlich zu Wort

In der Vergangenheit war der Musiker mehrmals im Visier radikaler Israelfeinde

 22.10.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Imanuel Marcus  22.10.2026

Berlin

Igor Levit spricht über eigenes Label

Der Starpianist will andere Künstler unterstützen

 22.10.2026

Bildung

»Wir müssen investieren«

Der Präsident der Bar-Ilan-Universität, Arie Zaban, über Wissenschaft in politischen Krisenzeiten und deutsch-israelische Zusammenarbeit

von Gabriele Hermani  22.10.2026

Glosse

Beim »Spiegel« kann man jetzt mit der Nazi-Kartei chatten

Das Hamburger Nachrichtenmagazin hat nachgelegt: Nun gibt es einen Chatbot, mit dessen Hilfe der Leser mit der NSDAP-Mitgliederkartei interagieren kann. Dafür verdient der »Spiegel« Lob, Grimme-Preis und Dank, findet unser Autor

von Michael Thaidigsmann  21.10.2026

Programm

BALAGAN, KUKURÍKU und Jazzy Diaspora: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 22. Oktober bis zum 28. Oktober

 21.10.2026

Mirjam Zadoff

Leiterin verlässt NS-Dokuzentrum München

Die Innsbruckerin geht zum 1. März 2027 ans Haus der Geschichte Österreich in Wien

 21.10.2026