Die Leitung der britischen Organisation Royal Ballet and Opera hat dem jüdischen Schauspieler Timothée Chalamet für einen überraschenden Werbeeffekt gedankt. Nach kritischen Bemerkungen des Hollywood-Stars über Oper und Ballett seien Reichweite und Ticketverkäufe deutlich gestiegen. »The Guardian« berichtete.
Chalamet hatte im März bei der Promotion seines Films Marty Supreme erklärt, er sei froh, im Kino zu arbeiten und nicht im Opern- oder Ballettbetrieb, »wo es heißt: Haltet das am Leben, obwohl sich eigentlich niemand mehr dafür interessiert.« Kurz darauf ergänzte der Schauspieler: »Ich habe vollen Respekt für alle Menschen aus Ballett und Oper.«
Die Äußerungen lösten schnell Kritik aus. Prominente wie die ebenfalls jüdischen Darstellerinnen Jamie Lee Curtis und Whoopi Goldberg kritisierten ihn. Zahlreiche Kulturinstitutionen reagierten verärgert.
»Keine hochnäsige Antwort«
Der Chef des Royal Ballet and Opera, Alex Beard, sagte nun jedoch, die Debatte sei für seine Organisation »einfach fantastisch« gewesen. Man habe bewusst darauf verzichtet, Chalamet scharf anzugreifen. »Ich fand es wichtig, keine hochnäsige Antwort zu geben«, sagte Beard laut »The Guardian«. Stattdessen habe man lediglich auf das eigene Angebot verwiesen.
Nach Angaben des Hauses erzielte ein Instagram-Beitrag im Zusammenhang mit der Debatte rund zweieinhalb Millionen Interaktionen und etwa eine halbe Million Weiterleitungen. Zudem seien die Kartenverkäufe sofort gestiegen. Beard kommentierte dies mit den Worten: »Also danke, Timmy!«
Auch andere Kulturinstitutionen versuchten, aus der Kontroverse Kapital zu schlagen. Die Seattle Opera bot etwa Preisnachlässe für ihre Aufführung von Carmen an, wenn Käufer den Code »TIMOTHEE« verwendeten.
Unterstützung erhielt Chalamet inzwischen von Regisseur Luca Guadagnino, mit dem er bereits mehrfach gearbeitet hat. Der Filmemacher, der derzeit in Italien eine Oper inszeniert, sprach dem Bericht nach von einer übertriebenen Reaktion. Er sagte, es sei erstaunlich, dass »eine einzige Bemerkung zu einer weltweiten Polemik werden kann«. im