Oscars 2026

Timothée Chalamet muss warten

Nein, Hollywoods Goldjunge Timothée Chalamet hat den anderen Goldjungen für seine jüngste Hauptrolle wieder nicht gewonnen. Damit geht der Marty Supreme-Star zum dritten Mal leer aus. Wie erstaunlicherweise der ganze im Vorfeld beachtlich gehypte Ping-Pong-Film von Josh Safdie.

Überhaupt haben sich jüdische Gewinner im Vergleich zum Vorjahr rargemacht. Allerdings war die Verleihung 2025 auch ein veritables Mischpoche-Fest gewesen. Das Trostpflaster lieferte Hollywoods härtester Knochen: Sean Penn hat sich die Trophäe als bester Nebendarsteller für seinen rassistischen Colonel Lockjaw in One Battle after the Other gegriffen. Sein dritter Oscar. Vielleicht deshalb war er diesmal nicht mal anwesend.

Großer Verlierer

Tatsächlich hat Paul Thomas Andersons Actionfilm über militante linke Aktivisten in den USA - nach einem Roman von Thomas Pynchon - dem Tischtennis-Märchen komplett den Rang abgelaufen. Einziger Lichtblick ist der Auftritt von Alana Haim mit einem gut sichtbaren Davidstern an der Halskette, ein kleiner Hinweis auf den jüdischen Beitrag, wenn es um Frieden und Freiheit geht. Vielleicht hat ja Regisseursgattin Maya Rudolph auch ein bisschen mitzureden gehabt.

Und eine letzte Anmerkung zum großen Verlierer Marty Supreme – KEIN Oscar bei neun Nominierungen ist auch eine Leistung: Schauspielerin Odessa A’zion punktete zumindest auf dem roten Teppich. Ihre schwarzglitzernde XL-Valentino-Robe mit XL-Ausschnitt sorgt seit den frühen Morgenstunden für Fashionista- und Social-Media-Begeisterung.

Lesen Sie auch

Der reale Aktivismus hielt sich am Glitzerabend zurück. Bis auf den jeden BDS-Brief-unterzeichnenden Javier Bardem, der sogar die Laudatio für den besten internationalen Film für einen »Free Palestine«-Ruf missbrauchte, und auf dem roten Teppich mit Extra-großen Ansteckern auflief.

Apropos Propaganda: Der Oscar für den besten Dokumentarfilm ging an David Borensteins Ein Nobody gegen Putin, ein Lehrstück über den Kampf gegen Meinungsmache. Auch der Goldjunge in der Kategorie bester Dokumentar-Kurzfilm bleibt in der Familie: Er ging an Joshua Seftels herzzerreißenden Film über Familien von Opfern bei Schulschießereien in den USA, All die leeren Zimmer.

Ebenfalls am Herzen riss Billy Crystals Hommage an seinen Kollegen und Freund, den Regisseur Rob Reiner und dessen Frau Michele, die im Dezember Opfer einer Familientragödie wurden. »Die Filme meines Freundes Rob werden ein Leben lang Bestand haben, denn sie handeln davon, was uns zum Lachen und Weinen bringt und wonach wir streben: in seinen Augen viel besser, viel gütiger, viel lustiger und viel menschlicher zu sein«, so der sichtlich bewegte Crystal. »Den Millionen Menschen hier und auf der ganzen Welt, die all die Jahre Freude an seinen Filmen hatten, möchte ich sagen, wie oft Rob mir erzählt hat, dass es ihm alles bedeutete, dass seine Arbeit euch etwas bedeutete. Und für uns, die wir das Privileg hatten, mit ihm zu arbeiten, ihn zu kennen und zu lieben, können wir nur sagen: Kumpel, was hatten wir für einen Spaß dabei, die Burg zu stürmen.«

Letzteres ist ein Zitat aus Reiners Kultfilm Die Braut des Prinzen. Im Anschluss kamen Co-Stars wie Meg Ryan, Carol Kane, Demi Moore und Annette Bening auf die Bühne, und Hollywood gab Standing Ovations.

Beißender Humor und Hoffnung

Auch Barbra Streisand sorgte für Schluchzer, als sie an den verstorbenen Robert Redford erinnerte. Einen »intellektuellen Cowboy« nannte sie ihn, der »vor und hinter der Kamera echtes Rückgrat« hatte. Die Taschentücher kamen spätestens zum Einsatz, als sie einen Ausschnitt aus »The Way We Were« sang, dem Titelsongs ihres gleichnamigen gemeinsamen Kinoklassikers.

Und von Host Conan O’Brien, der bei seiner zweiten Oscar-Moderation wirklich in Höchstform war, gab es neben wunderbar beißendem Humor auch eine unerwartete Portion Hoffnung, die wir gut brauchen können: »Alle, die gerade zuschauen, überall auf der Welt, sind sich nur allzu bewusst, dass dies sehr chaotische, beängstigende Zeiten sind. Gerade in Momenten wie diesen glaube ich, dass die Oscars eine besondere Bedeutung haben – 31 Länder auf sechs Kontinenten sind heute Abend vertreten, und jeder Film, den wir würdigen, ist das Ergebnis der Arbeit von Tausenden von Menschen, die verschiedene Sprachen sprechen.«

In diesem Sinne, und gib die Hoffnung nicht auf, Timothée!

Venedig

Israelischer Künstler Belu-Simion Fainaru: »Diskriminierung offenbar beendet«

Nach Ausschluss Israels und Russlands von der Preisvergabe: Jury der Kunstbiennale tritt geschlossen zurück

von Ayala Goldmann  30.04.2026

Püttlingen

Bob Dylan als Maler: Ausstellung im Saarland rückt unbekannte Seite in den Fokus

Der jüdische Sänger und Songwriter kann auch malen. Eine Ausstellung seiner »Drawn Blank Series« belegt dies

 30.04.2026

New York

Buch über Hersh Goldberg-Polin auf Platz eins der Bestsellerliste

Rachel Goldberg-Polin, die Mutter, schildert vor allem die Zeit nach der Beisetzung ihres Sohnes Ende August 2024 und beschreibt das Leben ihrer Familie in einer Welt »davor« und »danach«

 30.04.2026

Aufgegabelt

Kabeljau mit Tahini

Unser Rezept der Woche

von Katrin Richter  30.04.2026

Lesen

Das Gefühl des Kontrollverlusts

Der Amerikanist Michael Butter setzt sich erneut mit dem Begriff der Verschwörungstheorie auseinander, versäumt aber etwas

von Till Schmidt  30.04.2026

Glosse

Tipps und Tricks für Judenhasser

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Eine Handreichung

von Daniel Neumann  30.04.2026

Kino

Miranda ist zurück

20 Jahre nach dem großen Erfolg von »Der Teufel trägt Prada« geht es weiter. Und das Ticket lohnt sich sogar

von Sophie Albers Ben Chamo  30.04.2026

Kulturkolumne

Wer braucht schon Kontakte ins Weiße Haus?

Unser Autor hat das nicht nötig – dank seiner Belarus-Connection

von Eugen El  30.04.2026

Medien

Springer-Chef Döpfner nimmt »Politico«-Redaktion in die Pflicht

Niemand sollte für Axel Springer arbeiten, wenn er Israels Existenzrecht anzweifelt, stellt Mathias Döpfner nach Kritik aus der »Politico«-Redaktion klar

 29.04.2026 Aktualisiert