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»Teheran«: Ist dieser israelische Iran-Mehrteiler die Serie der Stunde?

Niv Sultan als Spionin Tamar Rabinyan in »Teheran« Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Eine Mossad-Agentin auf Undercover-Mission mitten im Iran, um dort einen Angriff der israelischen Luftwaffe auf eine Atomanlage vorzubereiten - das schien 2020 zum Start der ersten Staffel der israelischen Serie »Teheran« schier unglaublich. Das dachten sich wohl auch die Macher der Serie: Tatsächlich scheitert das Vorhaben des Mossad und die Spionin Tamar Rabinyan (Niv Sultan) muss in Teheran untertauchen.

In Israel wurde die Serie mit dieser aus damaliger Sicht aberwitzigen Story zum Quotenrenner. Entsprechend ging es in einer zweiten Staffel weiter: Tamars neue Mission ist es, den Oberbefehlshaber der iranischen Revolutionsgarde zu töten. Dafür geht sie eine Liebschaft mit dessen Playboy-Sohn ein, der am Ende ebenso wie sein Vater stirbt. Mission geglückt - aus Sicht der Israelis.

Eigentlich wollten die Macher von »Teheran« in der neuen dritten Staffel die Eskalationsspirale weiter anheizen. Doch manchmal übertrifft die Realität sogar die Fiktion. Die Dreharbeiten zur neuen Staffel waren im Sommer 2023 im Kasten, da überschlugen sich im Nahen Osten die Ereignisse regelrecht.

Hamas-Massaker und Zwölf-Tage-Krieg

Nach dem beispiellosen Hamas-Massaker in Israel mit 1200 Toten und mehr als 250 Verschleppten spitzten sich die Spannungen zwischen Israel und dem Iran, der die islamistische Terrororganisation unterstützt, massiv zu. Im April 2024 attackierte der Iran erstmals von seinem Staatsgebiet aus direkt Israel. Gut ein halbes Jahr später erfolgte ein weiterer Angriff auf Israel.

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Am 13. Juni 2025 erreichte dann alles seinen Höhepunkt: In den frühen Morgenstunden griffen im Schutz der Dunkelheit mehr als 200 Flugzeuge der israelischen Luftwaffe Dutzende Ziele im Iran an, darunter auch Atomanlagen. Über zwölf Tage überzogen sich die beiden Erzfeinde mit gegenseitigen Angriffen. Letztlich griffen auch die USA direkt in den Krieg ein und bombardierten Nuklearanlagen, um das Atomprogramm des Irans zu stoppen.

Das alles hätten sich die Macher von »Teheran« wohl in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können - zumindest nicht in dieser Intensität. In Staffel drei geht es nun auch wieder um das iranische Atomprogramm, das von Israel als Gefahr für seine nationale Sicherheit und Bedrohung seiner Existenz gesehen wird.

Alte und neue Gesichter in Staffel drei

Gaststar ist dieses Mal der Brite Hugh Laurie (»Dr. House«). Er spielt einen südafrikanischen Atominspekteur, der im Auftrag der internationalen Gemeinschaft Irans Atomprogramm inspiziert. Er gerät wegen des Versuchs, ein Überwachungsgerät in der Atomanlage Natans anzubringen, in den Fokus.

Dabei ist auch wieder Tamars Gegenspieler, der leitende Ermittler bei der iranischen Revolutionsgarde, Faraz Kamali (Shaun Toub), sowie seine Frau Nahid (Shila Ommi). Vonseiten des Mossads gibt es jedoch ein neues Gesicht: Der Killer und Spion Nissan (Sasson Gabay), auch »der Uhu« genannt, soll Tamar nach ihren Alleingängen (in Staffel zwei) wieder auf Linie bringen.

Regisseur Daniel Syrkin lässt die Hauptfiguren im Laufe der Staffel in immer neuen Twists gegen- und miteinander kämpfen - Action, Spannung und Tiefgründigkeit gibt es also auch in der neuen Staffel wieder nicht zu knapp.

In Israel vor Iran-Israel-Krieg ausgestrahlt

Eine Stärke ist erneut der differenzierte Blick auf die iranische Gesellschaft: Der Iran wird nicht als Reich des Bösen dargestellt, sondern als vielfältige Gesellschaft, in der sich Tamar zwischen religiösen Fanatikern, Kritikern der Staatsführung und normalen, warmherzigen Menschen bewegt. So wird Tamar nach einer Verfolgungsjagd in einem Frauenhaus aufgenommen, in dem Frauen aus allen Bevölkerungsschichten vor männlicher Unterdrückung Schutz finden.

In Israel lief die neue Staffel bereits im Dezember 2024 an, also gut ein halbes Jahr vor Israels »Operation Rising Lion« und den US-Angriffen bei der »Operation Midnight Hammer«. Seitdem passen die realen Ereignisse nicht mehr zur Serie. Bei Apple TV ist die neue Staffel seit dem 9. Januar auf Deutsch zu sehen mit einer neuen Folge pro Woche. Die Verzögerung kam womöglich wegen des israelisch-iranischen Kriegs im Juni vergangenen Jahres zustande.

»Teheran« mangelt es dennoch nicht an gewisser Aktualität. Die Spannungen zwischen Israel und dem Iran nehmen nicht ab. Der Iran gab sich zuletzt entschlossen, die im Krieg beschädigten Atomanlagen wieder aufzubauen. Außerdem soll Teheran intensiv am Wiederaufbau seines Raketenarsenals arbeiten. Die Sorgen vor einer möglichen neuen Eskalation sind groß.

Was wird die vierte Staffel bringen?

Auch die derzeitigen Massenproteste im Iran gegen das autoritäre Herrschaftssystem des Irans sorgen in diesen Wochen weltweit für große Aufmerksamkeit. Seit dem Ausbruch der Proteste sind wohl schon Tausende Menschen getötet worden.

Eine vierte Staffel hat Apple TV bereits angekündigt, die Dreharbeiten laufen auch schon - wie bei den vorherigen Staffeln selbstredend nicht in Teheran, sondern in Athen. Regisseur Syrkin sagte der »Times of Israel« während des israelisch-iranischen Kriegs, die aktuellen Ereignisse würden sich natürlich inhaltlich auf die vierte Staffel auswirken, mehr wollte er aber nicht verraten.

Die Macher haben jedoch ein schwieriges Unterfangen vor sich. Syrkin sagte es dem Blatt selbst: Zunächst imitierte die Kunst die Wirklichkeit und spitzte sie zu - inzwischen ist es umgekehrt, und die Serie muss die Realität einholen und übertreffen. »Teheran«-Fans bleiben gespannt.

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