Hören!

Simple Lieder

Malakoff Kowalski Foto: Pepper Levain

Sicher gibt es Menschen, die Malakoff Kowalskis CD Kill your Babies von 2012 nach dem ersten Hören in die Tonne geschmissen haben: zu seicht, zu simpel. Das wird vermutlich wieder passieren, denn der 1979 als Aram Pimoradi geborene Wahlberliner hat ein weiteres Album nach gleichem Muster aufgenommen: eingängige Popsongs, Texte ohne Biss, mit sparsamen musikalischen Mitteln in Szene gesetzt. Dazu passt auch der universelle Titel der Scheibe: I Love You. Darum geht’s schließlich in fast jedem Popsong. Doch Obacht! Der Pfiff dieser 15 neuen Songs eröffnet sich beim wiederholten Hören. Was gefällig durch die Ohrmuschel plätschert, ist wohldurchdacht.

Kowalski verzichtet bewusst auf jeden Schnickschnack. Wenn er Klavier spielt, dann augenfällig unvirtuos. Die Saiten seiner Gitarre kratzen barsch bei jedem Akkordwechsel – wobei ohnehin nur zwischen einer Handvoll Akkorden gewechselt wird. Wo die Stimme des Sängers an ihr Limit kommt, hilft eine kleine gepfiffene Melodie aus der Patsche. Und Refrains wie der folgende erreichen nur Schulbub-Niveau: »You are my Papaya Fruit/ I want to doo doo doo with you/ And all the things you do/ They make me be your fruit too«. Das alles ist nicht mangelndes Können oder Dada am Beginn des dritten Jahrtausends. Das ist der Versuch, mit einfachen Mitteln zum Kern von Popsongs vorzudringen.

Maxim Biller Bei den meisten Songs ist sich der Multiinstrumentalist Kowalski selbst genug, zuweilen half ihm das Film-Enfant-Terrible Klaus Lemke beim Komponieren. Und wie beim letzten Mal übernahm der Schriftsteller Maxim Biller die Rolle als Mastermind und Co-Komponist, so auch bei »Sweet Anna«. Der Song entstand in Billers Wohnzimmer, wie sich Kowalski erinnert: »Aber er hörte nicht auf zu nerven und hängte mir einfach eine Gitarre um den Hals. Wir waren so schlecht drauf, dass ich wirklich anfing, irgendetwas zu spielen. Maxim pfiff ein kleines Thema dazu, und am Ende war ich doch sehr froh.«

Demgegenüber ist »Kinder Yorn« geradezu hochartifiziell. Der jiddische Klassiker von Mordechai Gebirtig wurde von der berühmten und hochbetagten Sängerin Genia Fajerman gesungen, einer alten Freundin von Billers Eltern aus Israel. Dort wurde auch Fajermans A-cappella-Gesangsspur aufgezeichnet, um die herum Kowalski seine Version des Songs produziert hat. Technik macht so etwas heutzutage möglich.

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