Marbach am Neckar

Schillerrede: Soziologin Illouz vergleicht Trump mit »König Lear«

Eva Illouz bei der Frankfurter Buchmesse 2024 Foto: IMAGO/dts Nachrichtenagentur

In der diesjährigen Schillerrede im Schiller-Nationalmuseum in Marbach am Neckar hat die französisch-israelische Soziologin Eva Illouz Parallelen zwischen Shakespeares Bühnenstück »König Lear« und US-Präsident Donald Trump gezogen. Besondere Gefahren sieht sie in der Selbstbeweihräucherung und in der Gleichgültigkeit der Wahrheit gegenüber.

»König Lear« zeige eine Nähe zwischen solcher Selbstbeweihräucherung, Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit und moralischem Chaos, sagte Illouz am Sonntag laut Manuskript in ihrer auf Englisch gehaltenen Rede. Darin sei es ein sehr modernes Stück.

Mit Aufrichtigkeit und Fairness befassen

Parallelen zog Illouz zu US-Präsident Donald Trump: Die amerikanische Politik werde nicht einmal von einer Missachtung der Wahrheit, sondern von einer Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit dominiert, erklärte sie. Damit einher gehe eine Missachtung der Rechtsstaatlichkeit. Was König Lear hätte helfen können, und heute nötig sei, sei der Zweifel: »Hätte König Lear Zweifel gehegt, wäre er aus der Echokammer seiner eigenen und der Schmeicheleien anderer herausgetreten«, sagte Illouz. Er hätte sich »mit Aufrichtigkeit, Wahrheit und Fairness befasst, hätte die Katastrophe abgewendet«.

Mit der Schillerrede wird an die Geburt des Dichters Friedrich Schiller am 10. November 1759 in Marbach am Neckar erinnert. Bisherige Schillerredner waren unter anderem der russische Autor Michail Schischkin (2024), der britische Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah (2023), der Schriftsteller Daniel Kehlmann (2022), der Virologe Christian Drosten, der türkische Autor Orhan Pamuk, der Ägyptologe Jan Assmann sowie der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker. epd

Glosse

Der Rest der Welt

Mit Fran Lebowitz und Larry David in der Ringbahn – ein Traum

von Katrin Richter  22.03.2026

Geburtstag

Für immer Captain Kirk: William Shatner wird 95

Mit der »Enterprise« brach er in den 60er Jahren in die »unendlichen Weiten« des Weltalls auf. »Star Trek« machte den jüdischen Schauspieler weltberühmt

von Holger Spierig  22.03.2026

Aufgegabelt

Tahini-Gugelhupf mit Kardamom und Orange

Rezept der Woche

von Katrin Richter  21.03.2026

Journalismus

Neuer Georg Stefan Troller Preis ehrt Beiträge über jüdisches Leben

Er hat einst das Interview-Format revolutioniert. Ein neuer Journalisten-Preis wird im Namen des im September 2025 gestorbenen Schoa-Überlebenden Georg Stefan Troller ausgeschrieben

 20.03.2026

Genuss

Koschere Frühlingsblumen

Warum der Sederabend für Weinliebhaber kein Albtraum mehr sein muss

von Jacques Abramowicz  20.03.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  20.03.2026

Literatur

Eine schrecklich nette Familie

Aus Schweden kommt ein jüdischer Berlin-Roman von Anna Brynhildsen

von Frank Keil  20.03.2026

Iryna Fingerova

»Man darf Kulturen nicht vergleichen«

Die Schriftstellerin und Ärztin über die Folgen einer Emigration, ihr Verhältnis zur Ukraine und das Leben als Jüdin in Deutschland – allesamt auch Themen ihres Romans »Zugwind«

von Maria Ossowski  20.03.2026

Jugendbuch

Zwei Jungen und die Liebe

Julya Rabinowich erzählt in »Mo & Moritz« eindringlich, aber auch plakativ von einer Beziehung zwischen einem Juden und einem Muslim

von Katrin Diehl  20.03.2026