Gil Ofarim nervt. Seitdem er im »Dschungelcamp« auftritt, ist seine sogenannte Davidstern-Affäre wieder in aller Munde. Aber unser Hauptproblem ist kein B- oder C-Promi mit jüdischem Vater, sondern das Problem heißt Antisemitismus im deutschen Fernsehen. Spätestens seit dem 27. Januar, also dem Holocaust-Gedenktag, stellt sich die Frage, was den Sender RTL im Umgang mit Gil Ofarim eigentlich treibt.
Ja, wir wissen nun alle zur Genüge, dass Ofarim gelogen hat. Damals, als er vor mehr als vier Jahren in einem Video behauptet hat, ein Mitarbeiter eines Leipziger Hotels habe ihm beim Einchecken geraten, »seinen Stern wegzupacken«. Vor Gericht hat Gil Ofarim seine Lüge zugegeben. Nun wird sie Abend für Abend im »Dschungelcamp« auf RTL breitgetreten, und Gil tut nichts dafür, um glaubwürdiger zu wirken als bisher.
Aber am 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, wurde in der Aftershow-Sendung zum Dschungelcamp von Stefan Raab auf RTL ein Video eingeblendet, das man nicht anders nennen kann als antisemitisch.
Die Rede ist von einem angeblichen »Betrüger-Gen« von Gil Ofarim. Das habe er, so heißt es im Video mit vermeintlich lustigem Unterton, seinem »Onkel Samuel« zu verdanken. Im Bild ist daraufhin ein orientalisch aussehender Markthändler zu sehen. Trotzdem sei Gil Ofarim natürlich ein musikalisches Ausnahmetalent, das »vor allem in der jüdischen Gemeinde« einen Hit nach dem anderen lande, heißt es weiter. Und dazu zeigt man orthodoxe Juden beim Tanz unter Kronleuchtern.
Das »Betrüger-Gen« habe Gil Ofarim laut dem Video seinem »Onkel Samuel« zu verdanken.
Das Thema ist also längst nicht mehr Gil Ofarim, der in einem Video gelogen hat, aber auch kein Verbrecher ist. Denn der Sänger entging durch eine Geldzahlung einer Verurteilung wegen Verleumdung.
Nein, das Thema ist das Video auf RTL vom 27. Januar. Es signalisiert: Antisemitismus am Holocaust-Gedenktag im deutschen Fernsehen ist normal. Und sogar lustig. Das dürfen wir Juden uns nicht gefallen lassen. Der Sender muss Konsequenzen ziehen, sich entschuldigen und alle Verantwortlichen in die Pflicht nehmen. Und das scheinen einige zu sein, nicht nur Stefan Raab.