Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Taryn Simon hat die berühmte Rotunde des New Yorker Guggenheim Museums für ihre Ausstellung »Father Country I Do Love You« in eine riesige Murmelbahn verwandelt: Besucher können am obersten Punkt eine Kurbel drehen, woraufhin ein bunter Plastikball durch eine hölzerne Bahn den spiralförmigen Museumsbau hinunterrollt, vorbei an Hunderten Fotos und anderen Exponaten, bis er in einem Sammelbecken landet. Simon, 1975 in New York geboren und vor allem für ihre vielfach ausgezeichneten Foto-Reportagen bekannt, erinnert mit der Installation an ihren Vater, der als Bundesagent gearbeitet hatte und später eine Spielhalle in New York betrieb. Die bis zum 14. März laufende Schau ist die erste große Einzelausstellung einer Fotografin in der Rotunde des Guggenheim.

Noah Bendix-Balgley, der Erste Konzertmeister der Berliner Philharmoniker, veröffentlicht am 2. Oktober sein erstes Klezmer-Album mit Mitgliedern des Orchesters. Der US-Geiger verbindet darin klassische Musik mit jiddischer Tradition und hat dafür unter anderem traditionelle Klezmermelodien selbst arrangiert. In unserem Interview betont er, dass »musikalisches Risiko« für ihn wichtiger sei als absolute Perfektion, und kritisiert zugleich das Ausladen von Künstlern wegen ihrer Herkunft: Kultur solle Räume schaffen, »in denen Menschen miteinander ins Gespräch kommen«, statt Begegnungen zu verhindern.

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Gal Gadot hat den Genesis-Preis 2026 gewonnen. Doch reicher wird die Schauspielerin dadurch nicht. Sie spendet das Preisgeld an 24 israelische Organisationen, die sich für die Unterstützung und Rehabilitation von Menschen mit psychischen Erkrankungen einsetzen. Der Genesis-Preis wird jährlich an herausragende jüdische Persönlichkeiten verliehen. Zu den früheren Preisträgern zählen Filmemacher Steven Spielberg oder die Sängerin und Schauspielerin Barbra Streisand.

Wolf Biermann sollte nach einem Vorschlag aus Berlin den Literaturnobelpreis bekommen. Dafür macht sich der Autor und langjährige CDU-Kulturpolitiker Uwe Lehmann-Brauns (88) stark. Lehmann-Brauns hat dem Nobelpreiskomitee vorgeschlagen, Biermann anlässlich von dessen 90. Geburtstag in diesem Jahr im November auszuzeichnen. »Biermanns Werk, seine poetische Stimme stehen für die Unantastbarkeit individueller Freiheit als Würde des einzelnen Menschen bis heute«, schrieb er zur Begründung. »In seinen Gedichten und Liedern hat er mit dichterischer Sprachkraft, Originalität, Dialektik und Humor auszudrücken vermocht, was Millionen Menschen in der DDR und Osteuropa erlebten und heute in Ländern wie China oder Russland erleiden.«

Lea Rosh wird heute 90 Jahre alt. Die 1936 in Berlin geborene Rosh moderierte unter anderem das Politikmagazin »Kennzeichen D« und die Talkshow »III nach 9« und leitete von 1991 bis 1997 als erste Frau ein ARD-Landesfunkhaus, das des NDR in Hannover. Ihr Name ist vor allem mit dem Holocaust-Mahnmal in Berlin verbunden. Die Idee dazu entstand Anfang der 1990er Jahre bei den Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm. Rosh warb dafür bei Politikern und sammelte selbst auf der Straße Spenden, bis der Bundestag den Bau 1999 beschloss und das Stelenfeld 2005 eingeweiht wurde. Heute engagiert sich die als streitbar und hartnäckig geltende Rosh weiter im Förderkreis für das Mahnmal, für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche und mit ihrem Salon.

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Iris Berben ist mit dem Deutschen Kulturpolitikpreis 2026 ausgezeichnet worden. Der Deutsche Kulturrat würdigte damit den Einsatz der Schauspielerin gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus. Bei der Verleihung in der Staatsbibliothek, zu der auch der israelische Botschafter Ron Prosor kam, hielt der Pianist Igor Levit die Laudatio und spielte Klavier. Er dankte Berben dafür, dass sie nach dem Überfall der Hamas auf Israel nicht geschwiegen habe, und betonte, jüdisches Leben in Deutschland sei keine Selbstverständlichkeit und brauche Menschen, die sich dafür einsetzen, auch wenn sie nicht selbst betroffen seien.

Ute Cohen schildert in ihrem neuen Roman »Willents Brut«, wie die deutschen Dämonen in einer Nachkriegsfamilie zerstörerisch weiterwirken. Arne Willent und seine Geschwister wachsen in den 1960er Jahren in einer fränkischen Gastwirtsfamilie auf, überschattet von einem despotischen Vater mit unübersehbar brauner Gesinnung. Ihre Fluchtversuche führen in Protest-Identitäten wie Hippie und Punk, in Drogenrausch und Missbrauch, auch unter dem Deckmantel linker Reformpädagogik. Eine tiefere Beschäftigung mit dem Judentum kommt für die Figuren nie in Frage, weshalb sich der Roman, der nach »Satans Spielfeld« und »Poor Dogs« wie der dritte Teil einer »Trilogie der Gewalt« wirkt.

Martin Moszkowicz ist seit Juli Präsident des Zurich Film Festivals (ZFF) und hat sich vor dem Start des ZFF, das noch bis zum 4. Oktober geht, zu seiner Aufgabe geäußert: »Es ist etwas, was ich in meinem Leben noch nie gemacht habe: ein Festival mal von innen kennenzulernen. Mir gefällt das. Das Zurich Film Festival ist außergewöhnlich gut aufgestellt«, sagte der Filmproduzent dem Branchen-Medium »The Spot MediaFilm«.

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Gene Simmons und Paul Stanley feiern mit ihrer Band Kiss das 50. Jubiläum ihres fünften Studioalbums »Rock and Roll Over« mit einer umfangreichen Super Deluxe Edition, die am 6. November erscheint und auf 130 Titel kommt, darunter 100 bislang unveröffentlichte Aufnahmen und Mixe. Die Box enthält auch ein mehr als 100 Seiten starkes Hardcover-Buch mit neuen Gesprächen, die mit den Bandmitgliedern geführt wurden sowie zahlreiche Fotos und Sammlerstücke aus der Geschichte des Albums. Ein echtes Sammlerstück für die größten Fans der jüdischsten aller Hard Rock-Bands.

Lahav Shani hat sein Amt als Chefdirigent der Münchner Philharmoniker mit einem umjubelten Antrittskonzert begonnen: In der ausverkauften Isarphilharmonie dirigierte der 37-Jährige Werke von Ravel, Strawinsky und Leonard Bernstein. Am Flügel war die 85-jährige Martha Argerich zu erleben. Bernsteins »Chichester Psalms« sorgten für einen eindrucksvollen Schluss des Abends, der mit minutenlangem Applaus und Standing Ovations gefeiert wurde. Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause bekundete Shani und den Philharmonikern zugleich die Solidarität der Stadt und betonte, Antisemitismus, Hass und Hetze werde man nicht akzeptieren.

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