TV-Serie

Die israelischen Sopranos

»Mafia Queens« lebt vor allem durch seine großartigen Schauspielerinnen und Schauspieler. Foto: Banijay Rights Limited

Manche Junggesellenabschiede laufen anders als geplant. So wie der von Eyal Malka beispielsweise, dem ältesten Sohn des gleichnamigen Mafia-Clans. Bereits in der ersten Folge der israelischen TV-Serie Mafia Queens werden er sowie sein Vater und so ziemlich alle anderen männlichen Familienmitglieder auf einer Jacht gewaltsam ins Jenseits befördert. Nur der neunjährige Sohn Ido überlebt das Gemetzel. Von seinem Versteck aus kann er beobachten, wer die Mörder sind und weshalb auch sein Leben in Gefahr ist.

So actionreich Mafia Queens beginnt, so turbulent geht es auch weiter. Denn bereits auf der Beerdigung von Gatte und Sohn schwört Dori Malka, nun unfreiwillig das Oberhaupt der Familie, in Anwesenheit ihrer Tochter Lizzie, der Ex-Schwiegertochter Naama, der Beinahe- Schwiegertochter Sapir sowie Schwester Tzipi und Enkelin Nina Rache. Doch dies geht gründlich daneben, weil sie die Falschen, in diesem Fall die Familie von Hillel Kadosh, einem weiteren Mafioso, ins Visier nehmen.

Die Frauen beschließen zudem, das unsaubere Business ihrer Gatten und Väter weiterzuführen – schließlich müssen Erpressung, Mord und Drogenhandel nicht zwangsläufig Männersache sein. Nur fehlt es ihnen an Expertise, weshalb bei den Novizinnen auf dem Gebiet des organisierten Verbrechens einiges aus dem Ruder läuft. Daher verbünden sie sich mit anderen Gruppen, die nicht unbedingt für den Mainstream der israelischen Gesellschaft stehen: Araber, Flüchtlinge aus Afrika oder russische Prostituierte.

SCHAUSPIELER Was die Serie wirklich sehenswert macht, ist nicht nur die abwechslungsreiche Handlung. Mafia Queens lebt vor allem durch seine großartigen Schauspielerinnen und Schauspieler, die komplexe Charaktere verkörpern. Allen voran Dori, die frisch gebackene »Patin« des Malka-Clans, gespielt von der als Sängerin international bekannten Rita Yahan Farouz. Aufgebrezelt in Designer-Klamotten, die manchmal vielleicht eine Spur zu eng sind, versucht sie, die Fäden in der Hand zu halten.

Dabei agiert sie mal intrigant, beispielsweise, wenn sie den Bürgermeister dazu zwingen will, nicht ganz koschere Bauprojekte der Malkas zu genehmigen, mal ist sie die nervige Mutter, die ihrer über 30 Jahre alten Tochter Lizzie immer wieder vorhält, noch keinen Mann abbekommen zu haben und wohl eine Lesbe zu sein. Aber immer erweist sie sich als die Königin des passiv-aggressiven Verhaltens und der emotionalen Erpressung, spart nicht an Beleidigungen und rauscht leicht hysterisch mit der Wodka-Flasche in der Hand durch die Villa des Clans.

PROTAGONISTEN Als gefährlicher Gegenspieler der Malkas kristallisiert sich bald der gewalttätige Guy Fransis heraus, der ständig kokst und wie die Karikatur eines Mafiosos agiert. Er ist mit einer Gattin gestraft, die im Laufe der Serie auf eine durchgeknallt esoterische Weise immer religiöser wird. Guy Fransis wiederum hat ein Verhältnis mit Eyal Malkas Ex-Verlobter Sapir, die von ihm und seiner Frau auf sadistische Weise misshandelt wird, wofür beide von der aus Russland stammenden Frau bald die Quittung erhalten.

Und dann sind da noch Doris verpeilte Schwester Tzipi zu nennen, die ihrem Rassismus gegen Russen oder Migranten aus Afrika stets ungehemmt freien Lauf lässt, was immer wieder zu peinlichen Situationen führt, sowie die bereits erwähnte burschikose Tochter Lizzie, die einen Sinn für strategisches Handeln entwickelt und sich mit dem arabischen Kleinkriminellen Hamudi Jubran nicht nur geschäftlich zusammentut.

Auch wenn Mafia Queens zahlreiche komische Elemente enthält und streckenweise wie eine Mischung aus Sopranos und Addams Family erscheint, ist die Serie durchaus dem Mafia-Genre zuzuordnen. Verantwortung dafür trägt ihr Macher, Amir Mann, der bereits an der zweiten Staffel von Fauda als Drehbuchschreiber mitgewirkt und so seine filmischen Qualitäten unter Beweis gestellt hat. Aber nicht nur Liebhaber von Filmen über das organisierte Verbrechen kommen dabei auf ihre Kosten, generell fühlt man sich von Mafia Queens bestens unterhalten und erhält viele Einblicke in die israelische Gesellschaft.

Die Serie »Mafia Queens« ist bis zum 31. März 2023 in der Mediathek von Arte zu sehen.

»Dschungelcamp«

Gil Ofarim im Finale: »Ich versteh’s selbst nicht«

In der Folge 15 des »Dschungelcamps« ging es erneut um Ofarims Umgang mit seinem falschen Antisemitismusvorwurf. Am Ende schafft es der Sänger in die Runde der letzten drei

von Martin Krauß  08.02.2026

Musik

Matti Caspi im Alter von 76 Jahren gestorben

Der Musiker ist nach langer Krankheit gestorben. Präsident Herzog würdigte ihn als einen »der größten israelischen Komponisten seiner Generation«

 08.02.2026

Geschichte

Spuren im Schnee

Garmisch-Partenkirchen erinnert an die Olympischen Winterspiele 1936 unter der NS-Herrschaft

von Martin Krauß  08.02.2026

Alice Zaslavsky

»Hühnersuppe schmeckt nach Heimat«

Die Kochbuch-Autorin kam als Kind mit ihrer Familie aus Georgien nach Australien und kennt die jüdische Gemeinde von Bondi Beach. Ein Gespräch über Verbundenheit, Gerüche und Optimismus

von Katrin Richter  08.02.2026

Zahl der Woche

6:3, 6:1

Fun Facts und Wissenswertes

 08.02.2026

Interview

»Isidor hätte es gefallen«

Shelly Kupferberg über ihren Bestseller »Isidor«, seine Inszenierung am Wiener Burgtheater und konstruktive Erinnerungsarbeit

von Mascha Malburg  08.02.2026

Aufgegabelt

Tahini-Mousse

Rezepte und Leckeres

 08.02.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  07.02.2026

Meinung

Warum ich mich für meine Teilnahme am »Dschungelcamp« niemals schämen würde

Die »Lindenstraßen«-Darstellerin Rebecca Siemoneit-Barum war 2015 bei der berühmt-berüchtigten RTL-Sendung in Australien dabei. Hier erzählt sie, was die Zeit im Dschungel bis heute für sie bedeutet

von Rebecca Siemoneit-Barum  06.02.2026