Berlin

Liebermann-Villa würdigt Künstlerinnen

Charlotte Berend-Corinth »Mine Corinth auf einem Diwan liegend ein Buch lesend, o.J.« Foto: Jüdisches Museum Berlin, Foto: Jens Ziehe

Eine junge Frau, ausgestreckt auf einem Diwan, liest entspannt in einem Buch. Die ruhige Szene erfährt eine prickelnde Lebendigkeit durch intensive Farben und den Kontrast aus leuchtendem Türkis und Blau des Kleides, den hellen Buchseiten und dem dunklen Braun des Hintergrunds.

In dem Porträt ihrer Schwägerin Mine beweist die Malerin Charlotte Berend-Corinth (1880–1967), Ehefrau des Secessions-Gründers Lovis Corinth, ihre künstlerische Eigenständigkeit. Gemeinsam mit drei weiteren Künstlerinnen steht ihr Werk im Fokus der neuen Ausstellung »Frauen der Secession II« in der Liebermann-Villa am Wannsee in Berlin.

premiere Gezeigt werden mehr als 40 Gemälde, Grafiken und Pastelle, davon zahlreiche aus Privatbesitz, die erstmals öffentlich zu sehen sind. Mit dieser Schau setzt die Liebermann-Villa ihre 2012 begonnenen Bemühungen fort, den weiblichen Anteil am Entstehen der Moderne in der Berliner Secession zu würdigen. »Dieser Aspekt der Kunstgeschichte ist nach wie vor noch nicht ausreichend beleuchtet«, betont Martin Faass, Direktor der Liebermann-Villa und Kurator der Ausstellung.

Bis ins frühe 20. Jahrhundert hinein war Frauen, die sich künstlerisch betätigten, der Zugang zu deutschen Kunstakademien verwehrt. Sie konnten nur an Privatschulen oder im Ausland eine professionelle Ausbildung erhalten. Um 1900 versetzte ihr Kampf um Anerkennung den Kunstbetrieb ebenso in Aufruhr wie die 1898 aus Protest zur Akademiemalerei gegründete Berliner Secession, die von Anbeginn auch weibliche Mitglieder zuließ.

Die zweite Schau über die Sezessionistinnen in der Liebermann-Villa ist thematisch geordnet: Landschaft, Porträt und Stillleben gehörten zu den bevorzugten Motiven der Künstlerinnen. Der Schwerpunkt liegt auf Arbeiten von vier Malerinnen, die maßgeblichen Anteil am Erfolg der Künstlervereinigung hatten.

ns-zeit Julie Wolfthorn (1864–1944), eine gefragte Porträtistin, gehörte zu den Gründungsmitgliedern und nahm, obwohl sie die Secession bereits 1902 wieder verließ, regelmäßig an den Ausstellungen teil. Bis 1933 engagierte sich die jüdische Künstlerin vor allem für die Förderung weiblicher Kunst, unter anderem im Verein Berliner Künstlerinnen und ab 1927 im »Hiddensoer Künstlerinnenbund«.

Auf der Ostseeinsel schuf sie zahlreiche Landschaftsstudien, von denen die Ausstellung zwei besonders schöne Beispiele zeigt. Das großformatige Hortensien-Stillleben, Lithografien badender Frauen, in denen die Harmonie des weiblichen Körpers mit der Natur betont ist, oder das sinnliche Porträt einer Schauspielerin von 1910 belegen ihre große Könnerschaft.

Als Jüdin durfte Julie Wolfthorn ab 1933 nicht mehr ausstellen, sie erhielt 1939 Berufsverbot und kam 1944 im KZ Theresienstadt ums Leben. Viele ihrer Arbeiten sind bis heute verschollen, umso beachtlicher ist die Zahl der Werke, die jetzt am Wannsee gezeigt werden. Damit trägt die Schau zur späten Würdigung dieser Künstlerin bei.

impressionismus Auch Maria Slavona (1865–1931) gehört zu den späten Entdeckungen, obwohl die Berliner Nationalgalerie sie bereits kurz nach ihrem Tod mit einer Gedächtnisausstellung ehrte. Die Liebermann-Villa zeigt zahlreiche Arbeiten der in Berlin, München und Paris ausgebildeten Malerin, besonders beeindruckend der zarte Feldblumenstrauß vor blauem Hintergrund oder auch die impressionistische Pariser Stadtansicht.

Augusta von Zitzewitz (1880–1960) begann erst mit 27 Jahren eine Ausbildung zur Künstlerin in Berlin und Paris, 1914 trat sie der Freien Secession bei. Sie wurde die bevorzugte Porträtistin von Berliner Künstlern, darunter Alfred Kerr und Renée Sintenis, deren Bildnisse die Liebermann-Villa zeigt.

Auch die jüdische Künstlerin Charlotte Berend-Corinth, deren künstlerische Karriere in Schüben verlief, bedingt auch durch ihre Rolle als Mutter und Ehefrau, fand in der Welt des Theaters zahlreiche Motive und schuf eindrucksvolle Porträts von Bühnenstars wie das Bildnis des Schauspielers Max Pallenberg als »Figaro«, ebenso beeindruckend die ebenfalls gezeigten erotischen Farblithografien der Tänzerin Anita Berber.

Die Ausstellung in der Liebermann-Villa ist Teil einer Berliner Ausstellungskooperation, mit der sich sechs Institutionen, unter anderem das Bröhan-Museum und das Käthe-Kollwitz-Museum, im Winter 2015/16 der Berliner Secession widmen.

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