Bericht zur Pressefreiheit

Jüdischer Journalisten-Verband kritisiert Reporter ohne Grenzen

Der Gründungsvorstand des JJJ (v.l.n.r.): Tamara Land (Schatzmeisterin), Gerald Beyrodt (Beirat), Katja Garmasch (Beirätin), Lorenz Beckhardt (Vorsitzender), Susanne Stephan (Vorsitzende) Foto: Joshua Schultheis

Der Verband jüdischer Journalistinnen und Journalisten kritisiert einen Bericht zur Lage der Pressefreiheit in Deutschland, den die Organisation Reporter ohne Grenzen in der vergangenen Woche veröffentlicht hat. Im Bericht »Nahaufnahme« waren neben einer stark gestiegenen Anzahl an körperlichen Angriffen auf Journalisten mögliche Einschränkungen der Berichterstattung über den Krieg im Nahen Osten behandelt worden.

»Wir bedauern, dass RSF die Bemühungen und die Arbeit, die die Vermeidung von Antisemitismus kosten mag, als lästig und gar als Einschränkung der Pressefreiheit abhandelt«, so der jüdische Journalistenverband. Der Wunsch, dass Redaktionen sich nicht antisemitisch äußern, dürfe nicht als Einschränkung der Pressefreiheit abgehandelt werden.

Der Bericht bediene das Stereotyp, nach dem man Israel nicht kritisieren dürfe. »Dieses Stereotyp wird tatsächlich täglich widerlegt«, so der Verband weiter. RSF berichte außerdem über strenge Sprachregelungen, erbitterte Debatten um die Definition von israelbezogenem Antisemitismus und komplizierten Aushandlungsprozessen zu Begriffen und zur Bewertung von Quellen.

»Unklarer Begriff von Pressefreiheit«

Es sei eine Selbstverständlichkeit, dass die Vermeidung antisemitischer Stereotype und Falschinformationen Arbeit mache. Insgesamt arbeite RSF in der Nahaufnahme mit einem unklaren Begriff von Meinungs- und Pressefreiheit. Der Bericht zeige vor allem Empathie für diejenigen, die sich womöglich antisemitisch äußern, und komme damit einer Umkehr von Opfern und Tätern gefährlich nahe, so der jüdische Journalistenverband weiter.

Für die Nahaufnahme hatte RSF mehrere Dutzend Interviews mit Medienschaffenden geführt, die sich in ihrer Arbeit mit dem Thema Nahost beschäftigen, und deren Aussagen dort veröffentlicht. Viele hatten beklagt, dass Redaktionen Themenvorschläge häufiger ablehnen. Dahinter vermuten die Betroffenen eine Vorsicht, um bei Kritik an der israelischen Regierung Antisemitismusvorwürfe zu vermeiden.

Lesen Sie auch

Gleichzeitig berichteten Medienschaffende, die zu jüdischem Leben arbeiten, im Report von zunehmender Feindseligkeit bis hin zu Drohungen im Netz. Die gestiegene Zahl von körperlichen Angriffen auf Journalisten ist dem Bericht zufolge vor allem auf propalästinensische Proteste zurückzuführen. Hier konzentrierten sich die Angriffe vor allem auf zwei Reporter, die für die »Bild«-Zeitung von diesen Protesten berichtet hatten und 40 Prozent aller gemeldeten Attacken auf sich vereinten. kna

Fußball

»Ich weiß, wer Weltmeister wird«

Uri Geller über die Weltmeisterschaft, den Gewinner des Turniers und seinen fatalen Einfluss auf einen verschossenen Elfmeter bei der EM 1996

von Detlef David Kauschke  19.06.2026

»Imanuels Interpreten« (22)

Herbie Mann: Der Klangsetzer

Sein Motto: »Wenn du die Musik von jemandem spielen willst, gehe zu ihm nach Hause.« Er setzte dies um, hatte dann aber die Jazz-Polizei am Hals

von Imanuel Marcus  19.06.2026

Kommentar

Nimm die Wahrheit an, von wem auch immer sie gesagt wurde

Bisweilen wirkt die Debatte um KI-generierte Texte absurd. Denn die Qualität eines Arguments sollte entscheidender sein als sein Urheber

von Leeor Engländer  18.06.2026

Literatur

Prophet im eigenen Land

Ein neuer Band mit bisher unveröffentlichten Texten von Amos Oz zeigt den israelischen Schriftsteller als reflektierten Staatsbürger und überzeugten Zionisten

von Marko Martin  18.06.2026

Essen

»Schakschuka ist der Favorit«

Der deutsch-israelische Koch Tom Franz hat ein Buch über das Frühstück geschrieben. Hier spricht er über geflochtenen Lachs, clevere Vorräte und die Frage, warum er die erste Mahlzeit des Tages auslässt

von Katrin Richter  18.06.2026

Ausstellung

Androgyn, zeitlos, modern

Das Georg Kolbe Museum in Berlin widmet sich der britischen Ausnahmekünstlerin Marlow Moss – erstmals in Deutschland

von Alicia Rust  18.06.2026

Streaming

Bringt Gali nach Hause!

Eine junge Israelin wird in Moskau verhaftet. Die Serie »Unconditional« erzählt vom Kampf einer Mutter gegen die Justiz

von Chris Schinke  18.06.2026

Köln/Hamburg/Leipzig

Mit diesen prominenten Weggefährten feiert Wolf Biermann seinen 90. Geburtstag

Der legendäre Liedermacher wird am 15. November 90 Jahre alt

 18.06.2026

Programm

Israel Day, Goldene Zwanziger und ein Kult-Hai: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 18. Juni bis zum 25. Juni

 17.06.2026