»Jay Kelly«

In seichten Gewässern

George Clooney (l.) als Jay Kelly und Adam Sandler als Ron Sukenick Foto: © 2025 Netflix, Inc.

Die letzte Klappe ist gefallen, der Film ist im Kasten, das Team darf glücklich und erschöpft nach Hause. Jay Kelly, der neue Film von Noah Baumbach, beginnt damit, dass Dreharbeiten zu Ende gehen und der gleichnamige Titelheld, ein von George Clooney verkörperter Hollywoodstar, direkt eine tragische Sterbeszene samt emotionalem Monolog spielen darf.

Business as usual eigentlich – doch der dramatische Moment scheint nachzuwirken. Ganz plötzlich steckt Jay trotz des wie gewöhnlich geschäftigen Treibens seines Teams rund um Manager Ron Sukenick (Adam Sandler) und PR-Agentin Liz (Laura Dern) mittendrin in einer Lebenskrise. Denn sein einstiger Mentor Peter Schneider (Jim Broadbent), dem er für einen möglichen letzten Film einen Korb gegeben hatte, ist gerade gestorben.

Auf der Trauerfeier trifft Jay seinen früheren Schauspiel-Kommilitonen Tim (Billy Crudup) wieder. Und während der Kontakt zu seiner ältesten Tochter Jessica (Riley Keough) kaum noch besteht, verabschiedet sich ihre jüngere Schwester Daisy (Grace Edwards) demnächst Richtung College und hat vorher statt eines letzten Sommers mit Papa lieber einen Europa-Trip mit Freunden geplant.

Künstler in der Krise waren schon immer das Lieblingsthema von Baumbach

Künstler in der Krise waren schon immer das Lieblingsthema von Baumbach; Schriftsteller, Filmemacher oder Theater-Regisseure bevölkern seine Filme, beispielhaft Der Tintenfisch und der Wal, Gefühlt Mitte Zwanzig oder Marriage Story. Dieses Mal ist es also ein Schauspieler, der zahlreiche frühere Lebensentscheidungen zu hinterfragen und an der Liebe zu seinem Beruf zu zweifeln beginnt.

»Es ging mir gar nicht so sehr darum, etwas über Schauspieler zu erzählen oder einen Film über Hollywood zu drehen«, so Baumbach, der sich für das Drehbuch zu Jay Kelly mit der Schauspielerin Emily Mortimer zusammentat. »Aber ein Filmstar als Protagonist erschien mir perfekt dazu geeignet, mich dem Hinterfragen der eigenen Identität und früherer Entscheidungen, dem Spielen verschiedener Rollen und nicht zuletzt der Sterblichkeit zu widmen. Jay Kelly ist dabei ein guter Stellvertreter für diese sehr menschlichen Erfahrungen, die wir letztlich alle durchmachen.«

Dass Baumbach nicht wirklich interessiert ist an einer Satire über die Filmindustrie, ist bedauerlich, denn genau darin liegen die Stärken von Jay Kelly. Der Film ist immer dann am witzigsten, wenn er sich mit den Mechanismen der Branche beschäftigt und zeigt, wie sein Protagonist irgendwo zwischen dem eigenen Image und dem ihn umgebenden Hofstaat den Bezug zur Realität verloren hat. Doch als Jay seiner Tochter nach Europa hinterherreist, um bei einem kleinen italienischen Filmfestival einen Preis fürs Lebenswerk anzunehmen, den er eigentlich schon abgelehnt hatte, geraten diese Aspekte ins Hintertreffen.

Clooney bringt jede Menge Charisma und ein Fünkchen Selbstironie hinein

Statt bissig und scharfsinnig auf die eigene Branche zu schauen, setzt Baumbach zu sehr auf einen milden Blick sowie allzu viel Albernheit und jede Menge Stereo­type. Clooney bringt jede Menge Charisma und ein Fünkchen Selbstironie hinein, macht es aber auch eher schwer, echtes Mitleid mit dem Titelhelden zu fühlen, der plötzlich seine Einsamkeit erkennt.

Herausragend dagegen ist Adam Sandler: Der auf deftige Komödien spezialisierte jüdische Schauspieler hätte eine Oscar-Nominierung verdient für die Rolle des die eigene Familie vernachlässigenden Managers, der auf heikle Weise gleichzeitig der älteste Freund wie auch der von ihm profitierende Angestellte seines Stars ist. Davon abgesehen aber ist Jay Kelly leider viel zu oft bloß harmloses, übersentimentales »Männer in der Midlifekrise«-Kino.

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