Mendelssohn-Haus

Im Zeichen der Schwester

In den Räumen des Mendelssohn-Hauses hat auch das Internationale Kurt-Masur-Institut seinen Sitz. Foto: dpa

Mendelssohn-Haus

Im Zeichen der Schwester

Die erweiterte Dauerausstellung rückt Fanny Hensel in den Mittelpunkt

 02.11.2017 15:08 Uhr

Das Leipziger Mendelssohn-Haus öffnet am Samstag für Besucher – mit einer erweiterten Dauerausstellung. Im Wohn- und Sterbehaus des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) können Interessierte künftig auf drei Etagen Leben und Werk des Musikers sowie seiner älteren Schwester, der Komponistin Fanny Hensel (1805–1847), erkunden.

Zur Fertigstellung habe das Museum zwei Porträts der berühmten Musikerfamilie erworben, teilte das Leipziger Mendelssohn-Haus am Donnerstag mit. Die beiden Zeichnungen von 1847 und 1860 zeigten das letzte Porträt von Fanny Hensel, geborene Mendelssohn Bartholdy, sowie ein Familienbild der Mendelssohns aus dem Jahr 1860. Sie konnten mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder erworben werden und sind nun in der neuen Dauerausstellung zu sehen. Beide Werke stammen von dem Maler Wilhelm Hensel (1794–1861), der seit 1829 mit Fanny verheiratet war.

begabt Das Mendelssohn-Haus hatte anlässlich des 20-jährigen Bestehens seine Dauerausstellung vor allem um einen Teil zu Fanny Hensel erweitert, die stets im Schatten ihres berühmten Bruders stand. Auch sie hatte eine umfassende musikalische Ausbildung genossen, auch sie war begabt. Doch obwohl Fanny bereits mit 14 Jahren ein eigenes Stück komponierte, blieb ihr als Mädchen und Frau eine musikalische Karriere versagt.

Ihr Vater, der Bankier Abraham Mendelssohn Bartholdy (1776–1835), habe ihr die Veröffentlichung der Kompositionen verwehrt, weil es ihm nicht angemessen erschien, teilte die Kulturstiftung mit. Fannys Ehemann Wilhelm veröffentlichte gegen den Willen ihres Vaters und ihres Bruders einige ihrer Kompositionen. Nach Fannys Tod setzte sich der Ehemann für die Publikation weiterer Werke von ihr ein.

Das neu gestaltete Mendelssohn-Haus soll am Donnerstagabend mit einem Festakt im Leipziger Gewandhaus offiziell übergeben werden. Für die Öffentlichkeit ist es am Samstag, dem 170. Todestag des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847), bei einem Tag der offenen Tür bei freiem Eintritt zugänglich.

Sanierung Das letzte Wohnhaus Mendelssohns war am 4. November 1997 nach langjähriger Sanierung als Museum eröffnet worden. Es widmete sich zunächst nur dem Schaffen des Komponisten und präsentierte die ehemaligen Wohnräume im ersten Stock. Neu hinzu kommt nun ein Ausstellungsteil im zweiten Stock zu Fanny Hensel.

Außerdem eröffnet das Internationale Kurt-Masur-Institut im Mendelssohn-Haus seine neuen Räume. Es werde dort Bilder, Dokumente und Tonträger aus dem Archiv des vor zwei Jahren verstorbenen Dirigenten Kurt Masur präsentieren, hieß es. Die Exponate stellte den Angaben zufolge dessen Witwe und Instituts-Präsidentin Tomoko Masur bereit.

Kurt Masur hatte sich besonders für den Erhalt des Mendelssohn-Hauses eingesetzt, unter anderem als langjähriger Präsident der Felix-Mendelssohn-Bartholdy-Stiftung. Museumsdirektor Jürgen Ernst sagte, Masur wollte, »dass dem Komponisten mit diesem Haus das gegeben wird, was ihm gebührt«.

konversion Das Leipziger Mendelssohn-Haus wurde 1844/45 erbaut. Es war das letzte Wohnhaus des berühmten Komponisten, der 1847 in den Räumlichkeiten starb. Felix Mendelssohn Bartholdy entstammt einer angesehenen jüdischen Familie, wurde aber christlich erzogen.

Felix Mendelssohn Bartholdy gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Musikgeschichte. Schon in sehr jungen Jahren spielte er Klavier und komponierte; mit neun Jahren erhielt er Kompositionsunterricht. Sein erstes Klavierquartett erschien 1823, kurz darauf seine erste Sinfonie.

Für den alten Goethe war das Wunderkind ein »zweiter Mozart«. Richard Wagner sah im Erwachsenen einen Rivalen. Seine Zeitgenossen schätzten Felix Mendelssohn Bartholdy als oberste musikalische Institution. epd/ja

Die vollendete Ausstellung des Mendelssohn-Hauses kann an einem Tag der offenen Tür am Samstag (4. November) von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt besucht werden; in der Folge täglich von 10 bis 18 Uhr. Eintritt 7,50 Euro.

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