München

Fritz-Neuland-Gedächtnispreis gegen Antisemitismus erstmals verliehen

Vater Fritz Neuland sel. A. .

München

Fritz-Neuland-Gedächtnispreis gegen Antisemitismus erstmals verliehen

Als Anwalt stand Fritz Neuland in der NS-Zeit anderen Juden bei. In München wird ein nach ihm benannter Preis erstmals verliehen: an Polizisten und Juristen, die sich gegen Antisemitismus einsetzen

von Barbara Just  30.06.2025 18:00 Uhr

Mutige Juristen und Polizisten, die Courage gegen Antisemitismus zeigen, sollen künftig jährlich in Bayern ausgezeichnet werden. Am Montag wurde der dazu gestiftete Fritz-Neuland-Gedächtnispreis erstmals in München verliehen. Er ist mit je 7.500 Euro dotiert. Die ersten Preisträger sind der Münchner Oberstaatsanwalt Andreas Franck (53), seit 2021 Zentraler Antisemitismusbeauftragter der Bayerischen Justiz, und eine Arbeitsgemeinschaft des Polizeipräsidiums Unterfranken, die Prävention gegen Extremismus betreibt.

Bayerns Justizminister Georg Eisenreich würdigte das »weit über das Erfüllen von Dienstpflichten« hinausgehende Engagement von Franck. Bei der Verfolgung antisemitischer Straftaten habe er bundesweit Maßstäbe gesetzt. Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) sagte, die Würzburger »AG PRIOX« sei inzwischen weit über die Grenzen Bayerns hinaus ein kompetenter Kooperationspartner für die Vorbeugung gegen Antisemitismus.

»Mein Vater war ein Patriot«

Der Namensgeber des Preises Fritz Neuland (1889-1969) ist der Vater von Charlotte Knobloch, der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland und langjährigen Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern.

Knobloch sagte, ihr Vater sei ein »deutsch-jüdischer Patriot« und ein »niemals naiver Optimist« gewesen. Diese Haltung habe er sich trotz Verfolgung und Zwangsarbeit in der Nazi-Zeit bewahrt. Anders als die meisten jüdischen Überlebenden habe er sich nach 1945 bewusst entschieden, sich in Deutschland für den Aufbau eines demokratischen Landes einzusetzen. »Er glaubte daran, dass jüdisches Leben zu diesem Land gehört, und dafür hat er mit aller Kraft gearbeitet. Darin ist er mir bis heute das größte Vorbild«, so die 92-Jährige. Neuland war Rechtsanwalt und leitete nach dem Krieg ebenfalls die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern.

»Ohne Neuland wäre ich nicht am Leben«

Gestiftet wurde der Preis vom Münchner Michael Frederic Fischbaum. »Fritz Neuland endlich mit einem Preis zu würdigen«, sei ihm ein »tiefes, inneres Bedürfnis« gewesen, bekannte Fischbaum. »Ohne das mutige Handeln von Fritz Neuland hätte meine Großmutter mit größter Wahrscheinlichkeit den Holocaust nicht überlebt. Hätte sie nicht überlebt, wäre ich nicht am Leben.«

Fischbaums Großmutter Margarete Schreiner wurde nach Erlass der Judengesetze in der NS-Zeit in München vor Gericht gestellt. Sie hatte es unterlassen, mit dem ihr durch die Rassengesetze aufgezwungenen Namen »Sara« zu unterschreiben. Sie sollte noch bei Gericht verhaftet und erst ins Gefängnis nach Stadelheim, dann ins KZ Dachau gebracht werden.

Neuland, der als Jude nur noch andere Juden anwaltlich vertreten durfte, intervenierte erfolgreich beim Richter mit dem Wunsch, seine Mandantin wenigstens zur Verabschiedung nach Hause zu lassen. Dort wurde sie sofort versteckt und durch andere, auch nichtjüdische, Münchner an wechselnden Orten in Sicherheit gebracht.

München

Drinnen redet ein Palästinenser, draußen wird er mit »Free Palestine«-Rufen niedergebrüllt

In der bayerischen Landeshauptstadt fand eine Medienkonferenz mit prominenten Teilnehmern statt, gegen die es im Vorfeld Boykottaufrufe gab. Redner beklagten die zunehmende Polarisierung

von Michael Thaidigsmann  17.09.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  17.09.2026

Streaming

Gal rennt

In »The Runner« läuft eine Mutter um das Leben ihres Sohnes. Nur der Film, der daraus entstanden ist, ist eher zum Weglaufen

von Katrin Richter  17.09.2026

Kulturkolumne

Von Trotteln und Pavianen

Warum Humorfasten an Jom Kippur nicht angesagt ist

von Eugen El  17.09.2026

Kolumne

Fastenkurse im Bordbistro

Wieder mal Spaß gehabt mit der Deutschen Bahn: Über die Katastrophe eines Weltkonzerns

von Maria Ossowski  16.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Programm

Vernissagen, Workshops und eine Zeitreise ins Berlin von »Babylon Berlin«: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 17. September bis zum 30. September

 16.09.2026

Gaza-Krieg

Der falsche Genozidvorwurf

Der US-Historiker Jeffrey Herf widerspricht seinem viel zitierten israelischen Kollegen Omer Bartov. Eine Klarstellung

von Jeffrey Herf  16.09.2026

Gegen Vorurteile

Über Tattoos, Sport und die Frage, was eigentlich koscher ist - Neuauflage eines Projekts zu jüdischem Leben

Vorne Fotos, hinten Erklärtexte und QR-Codes: Eine neue Box mit Material zu jüdischem Leben in Deutschland ist erschienen. Gedacht ist sie für Schule oder Erwachsenenbildung - und als Beitrag gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  16.09.2026