Serie

Filmemacher: Tagebuch von Etty Hillesum als Pflichtlektüre an Schulen

Verweigerte sich bis zuletzt dem aufoktroyierten Opfer-Status: Etty Hillesum (1914–1943) Foto: IMAGO/piemags

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Filmemacher: Tagebuch von Etty Hillesum als Pflichtlektüre an Schulen

Die jüdische Autorin Etty Hillesum wurde 1943 in Auschwitz ermordet. Eine Serie über den Holocaust ist »Etty« jedoch nicht: Es geht vielmehr um ihr Leben und ihre Ideen - die heute höchst aktuell erscheinen

von Paula Konersmann  12.05.2026 17:34 Uhr

Hagai Levi (62), israelischer Filmemacher, wünscht sich die Tagebücher der jüdischen Autorin Etty Hillesum als Schullektüre. »Ich denke, sie sprechen junge Menschen wirklich an, sie können sich in Etty hineinversetzen - und verstehen, was damals passiert ist«, sagte Levi im Interview. Seine Serie »Etty« über die in Auschwitz ermordete Intellektuelle ist ab dem 21. Mai bei Arte zu sehen.

Ähnlich hatte sich vor anderthalb Jahren der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer geäußert: Hillesum sei eine große Beobachterin Europas und der Welt gewesen und eine Kämpferin für Menschenfreundlichkeit. Wilmer hat dazu das Buch »Herzschlag« veröffentlicht.

Faschistische Tendenzen im Hier und Jetzt

Die Tagebücher könnten »ein großartiger Zugang zu jener Zeit sein«, betonte Levi. Junge Menschen könnten dadurch auch die Gefahr erkennen, »dass so etwas wieder passieren könnte«. Hillesums Geschichte weise Verbindungen »etwa zu der Situation auf, die wir heute in Israel erleben, konkret: zu faschistischen Tendenzen. Ich denke, in Europa ist es ähnlich: Die Gefahr durch rechtsextreme Bewegungen ist omnipräsent.«

»Etty« sei keine Serie über den Holocaust, fügte der Regisseur hinzu. »Es geht um die Frage, wie man sein Leben in schwierigen Zeiten führen kann«. Diese universellen Ideen habe er einfangen wollen: »Ich glaube, die Menschen von heute - ob jung oder erwachsen - verlassen sich völlig auf Rückmeldungen von außen. Wenn wir in dieser Hinsicht etwas von Etty lernen können, dann ist es der Versuch, sich weniger von außen beeinflussen zu lassen und sich stärker auf sich selbst zu besinnen.« Wichtig sei, eine Art Zufluchtsort in sich selbst zu finden.

Wer war Etty Hillesum?

Geboren 1914 als Esther Hillesum im niederländischen Middelburg, wuchs »Etty« in einer jüdischen Familie auf, wurde jedoch wenig religiös erzogen. Ein knappes Jahr nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Niederlande, im Frühjahr 1941, begegnete sie dem Psychoanalytiker Julius Spier, mit dem sich später eine Liebesbeziehung entwickelte. Spier war es wohl auch, der ihr riet, ein Tagebuch zu führen.

1942 meldete sich Hillesum für die »Soziale Versorgung der Aussiedler« im Lager Westerbork, wo sie ein Jahr später endgültig bleiben musste. Im Jahr darauf wurde sie nach Auschwitz-Birkenau deportiert.

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