Kino

»Fast ein Wunder«

Regisseur Roy Assaf bei der Eröffnung von »Seret« im Hackesche Höfe Kino in Berlin Foto: Ayala Goldmann

Kino

»Fast ein Wunder«

Das israelische Filmfestival »Seret« eröffnete in Berlin mit dem Kassenschlager »Cabaret Total« von Roy Assaf

von Ayala Goldmann  20.11.2025 16:02 Uhr

Wenn Räume eng werden, können sie sich gleichzeitig sehr weit öffnen. Das zeigte sich bei der Eröffnung des israelischen Filmfestivals »Seret« in Berlin. Nur ein einziges Kino in Deutschland präsentiert zum zehnten Jubiläum des Festivals in diesem Jahr Spiel- und Dokumentarfilme »made in Israel« – das Hackesche Höfe Kino in Berlin-Mitte (noch bis zum 23. November).

Andere Spielstätten waren diesmal nicht zu gewinnen, offenbar aus Angst vor anti-israelischen Protesten und Störungen. Doch in dem voll besetzten Kinosaal in den Hackeschen Höfen herrschte am Mittwochabend dennoch Partystimmung. Manche Besucher kamen verkleidet oder mit Kopfschmuck – eine Reminiszenz an den Eröffnungsfilm.

Cabaret Total (ein Kassenschlager in Israel, der 2024 mit zwei Ophir Awards, den »israelischen Oscars«, ausgezeichnet wurde) ist ein Werk, das in jeder Hinsicht den Nerv der Zeit trifft. Das tragikomische Debüt von Roy Assaf dreht sich um den verkrachten Schauspieler Asi, der während des Krieges nach dem 7. Oktober 2023 vom Reservedienst zurückkehrt, in einer Provinzstadt im Süden Israels ein schlecht besuchtes Kabarett mit Zirkus-Elementen inszeniert und sich mit kleinen Jobs in einer Schule über Wasser hält.

Lesen Sie auch

Als Asi sich bei einer Theaterprobe mit den Schülern in der Wüstenstadt kritisch über seinen Militärdienst äußert und ein Video mit diesen heimlich aufgenommenen Bemerkungen anschließend viral geht, steht er vor der Entscheidung, sich entweder beim Erziehungsministerium zu entschuldigen oder seinen Job zu verlieren. Asi will sich nicht beugen und sieht in seiner Weigerung die Chance, endlich als bedeutender Künstler wahrgenommen zu werden. Doch als das Habima-Theater in Tel Aviv auf ihn aufmerksam wird, stellt sich auch der große Durchbruch als Illusion heraus.

»›Cabaret Total‹ erzählt die Geschichte eines Künstlers, der sich verwirklichen will – in einer harschen und gewalttätigen sozialen und politischen Realität. Es ist eine persönliche und schmerzvolle Geschichte, realistisch und gleichzeitig ein surrealistisches Märchen (...) in einem kleinen, gespaltenen Land mitten in der Wüste«, sagte Regisseur Roy Assaf vor der Premiere. »In der israelischen Realität von heute einen Film zu machen, ist fast ein Wunder. Einen Film zu machen, der es wagt, kritisch zu sein, ist ein noch größeres Wunder.«

Der Gesandte der israelischen Botschaft in Berlin, Guy Giladi, erklärte zuvor in einer kurzen Ansprache, in einer Welt, in der Kunst und Kultur unter wachsendem Druck stünden, seien Filme wie Cabaret Total kein Luxus, sondern von essenzieller Bedeutung. Heutzutage würden viele Künstler gezwungen, sich von Israel zu distanzieren oder ihre jüdische Identität zu unterdrücken – »sogar in Berlin«. »Wir weigern uns, das als Norm anzuerkennen«, betonte Giladi.

Medien

Springer-Chef Döpfner nimmt »Politico«-Redaktion in die Pflicht

Niemand sollte für Axel Springer arbeiten, wenn er Israels Existenzrecht anzweifelt, stellt Mathias Döpfner nach Kritik aus der »Politico«-Redaktion klar

 29.04.2026 Aktualisiert

Zahl der Woche

5 Millionen Bücher

Funfacts & Wissenswertes

 29.04.2026

Forum

Leserbriefe

Kommentare und Meinungen zu aktuellen Themen der Jüdischen Allgemeinen

 29.04.2026

Ausstellung

Caricatura-Galerie Kassel zeigt Cartoons zu jüdischem Leben

»Haben Juden nichts zu lachen?« - Die Caricatura-Galerie in Kassel eröffnet eine Ausstellung mit Karikaturen »zwischen bitterer Ironie und nachdenklicher Leichtigkeit«

 29.04.2026

Programm

Termine und TV-Tipps

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 30. April bis zum 7. Mai

 29.04.2026

Berlin

Gericht weist Eilantrag zurück: Streit um Filmprojekt mit Sarah Maria Sander geht weiter

Im Zentrum des Rechtsstreits steht die Frage, ob Sander ihre Hauptrolle rechtmäßig verlor. Spielte ihr Engagement für Israel und gegen den palästinensischen Terror dabei eine Rolle?

 29.04.2026

Hanno Loewy

(K)ein Abschied von Hohenems

Der ehemalige Direktor des Jüdischen Museums zieht ein Resümee – nach 22 Jahren als Leiter des Hauses. Zu Besuch in der Villa Rosenthal im österreichischen Vorarlberg

von Nicole Dreyfus  29.04.2026

Fernsehen

»Fauda« kehrt mit neuer Staffel zurück – Handlung nach 7. Oktober überarbeitet

Die Actionserie kommt deutlich verändert daher. Elf Folgen werden präsentiert

 28.04.2026

Kino

32. Jüdisches Filmfestival zeigt rund 60 Filme

Das Jüdische Filmfestival Berlin Brandenburg zeigt in diesem Jahr Produktionen aus 22 Ländern. Neben einem Spielfilm- und Dokumentarpreis wird auch der Nachwuchs gefördert

 28.04.2026