Documenta

»Es ist unerträglich, dass die jüdische Gemeinde diese Filme aushalten muss«

Foto: IMAGO/Rüdiger Wölk

Die Vorsitzende der Expertenkommission zu Antisemitismus auf der Documenta, Nicole Deitelhoff, bekräftigt ihre Kritik an antisemitischen Filmen auf der Weltkunstschau. »Es ist unerträglich, dass die jüdische Gemeinde aushalten musste, dass diese Filme weiter gezeigt wurden - und werden«, sagte Deitelhoff der »Welt am Sonntag«.

Die propalästinensischen Filme wurden als »Tokyo Reels Film Festival« in Kassel gezeigt; Deitelhoffs Gremium empfahl einen sofortigen Vorführstopp. »Kunstfreiheit ist in Deutschland ein sehr hohes Gut, das im Grundgesetz verankert ist«, sagte sie. »Sie erreicht aber ihre Grenzen, wenn andere Grundrechte oder die Menschenwürde systematisch verletzt werden.« Das sei bei den genannten Filmen gegeben. Sie hetzten gegen Israel und riefen sogar zum Terror auf.

Eine mobilisierende Wirkung, etwa auf Jugendliche, könne man nicht ausschließen, fügte die Politikwissenschaftlerin hinzu. »Das kann Frustration, Wut, Hass und auch Motivationen hervorrufen, die niemand verantworten kann.«

Auf der Documenta gebe es beim Thema Nahost-Konflikt eine Einseitigkeit gegen Israel. »In einem solchen Setting gedeiht letztlich eine antizionistische, israelfeindliche und auch antisemitische Stimmung, die wir auf der Documenta beobachten«, kritisierte die Politikwissenschaftlerin.

Die Kuratoren hätten nie das Gesamtbild der Kunstschau im Blick gehabt. Für die Zukunft müsse geklärt werden, wer in Problemfällen eingreift. In diesem Jahr habe das gefehlt, so Deitelhoff. »Niemand hat Verantwortung übernommen, sie wurde sogar rigoros abgelehnt.« Mit einer grundsätzlichen Überarbeitung des Ausstellungskonzepts solle die »Idee des horizontalen Kuratierens mit der gesamtkuratorischen Verantwortung in Einklang« gebracht werden. kna

Lesen Sie mehr zu Thema in unserer nächsten Printausgabe.

Noga Erez

»Zu komplex für einen Soundbite«

Ein neuer Dokumentarfilm porträtiert die israelische Popmusikerin zwischen Krieg, Boykott und Freiheitswillen

von Chris Schinke  17.08.2026

Interview

»Israel zu retten, bedeutet, die Menschheit zu retten«

Die Berliner Kabarettistin Michaela Dudley über die historische Allianz zwischen Schwarzen und Juden, Antisemitismus in den Medien – und warum sie seit dem 7. Oktober 2023 oft »gecancelt« wird

von Helmut Kuhn  16.08.2026

Kulturkolumne

Rückkehr nach Aschkenas

Wo sind Juden zu Hause?

von Eugen El  16.08.2026

Zahl der Woche

0 Euro

Fun Facts und Wissenswertes

 16.08.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Small Talk oder Die anstrengende Zeit nach dem Urlaub

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Aufgegabelt

Sauerkirschsuppe mit Sauerrahm

Rezepte und Leckeres

von Noemi Berger  16.08.2026

TV-Kritik

Der Ring, der nie gelungen: Arte-Doku über Richard Wagner und sein monumentales Werk

Eine Arte-Dokumentation erzählt die Geschichte von Richard Wagners Gesamtkunstwerk und seiner Vereinnahmung durch die Nazis

von Manfred Riepe  15.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Hamburg

Art Garfunkel kommt für ein Konzert nach Deutschland

Der Vorverkauf für den Auftritt in der Elbphilharmonie am 24. Oktober hat begonnen

 14.08.2026