Ari Hodara hat das große Los gezogen und ist nun im Besitz eines seltenen Picasso-Gemäldes. Der Franzose war nämlich einer von 120.000 Personen, die sich an einer Wohltätigkeitsveranstaltung ein Los im Wert von 100 Euro gekauft hatten. Hodara war aber der einzige, bei dem am Dienstag das Auktionshaus Christie’s direkt angerufen hat, um ihn über den spektakulären Gewinn zu informieren.
»Wie weiß ich, dass das kein Scherz ist?«, fragte er, zumal der 59-jährige Softwareingenieur aus Paris zunächst dachte, dass die Verlosung, von der er zufällig beim Essen herausfand, ein Schwindel sein könnte. Die Sache klärte sich jedoch rasch auf, da die Auslosung, die von Christie’s live gestreamt wurde, beendete eine globale Spendenaktion, die 12 Millionen für die Alzheimer-Forschung sammelte.
Es war das dritte Mal, dass die Wohltätigkeitsinitiative »1 Picasso für 100 Euro« stattgefunden hatte. Ihr Ziel ist es, Teilnehmern weltweit die Chance ermöglichen, ein Original-Picasso für nur 100 Euro zu gewinnen, und gleichzeitig zu zeigen, wie Kunst als Katalysator für soziale Veränderungen dienen kann.
Schätzpreis bei 1,45 Millionen Euro.
Die von der französischen Journalistin Péri Cochin ins Leben gerufene Initiative fand zum ersten Mal im Jahr 2013 statt, als Spenden für den Erhalt von Tyros, einer UNESCO-Welterbestadt, gesammelt wurden. Die zweite Ausgabe sieben Jahre später und mobilisierte Teilnehmer in über 100 Ländern, um ein Projekt für sauberes Wasser und Hygiene in Kamerun, Madagaskar und Marokko zu unterstützen. »Ich dachte, wäre es nicht großartig, eine weltweite Verlosung zu machen, indem man Tickets online verkauft? Ich beschloss, dass es ein Kunstwerk sein sollte, und was ist der berühmteste Name in der Kunst? Natürlich ist es Picasso«, sagt Cochin über das Projekt »1 Picasso für 100 Euro«.
Der diesjährige Siegerpreis, Picassos Porträt seiner langjährigen Muse und Partnerin, Dora Maar, das der Meister 1941 gemalt hat, gehörte zuvor Opera Gallery, ein internationales Kunsthaus. Gilles Dyan, der Gründer der Galerie, erklärte, er habe einen Vorzugspreis für das Gemälde geboten; der öffentliche Schätzpreis lag bei 1,45 Millionen Euro.
Behalten oder verkaufen?
Der neue Besitzer von Picassos »Tete de femme« (»Kopf einer Frau«) bezeichnet sich selbst als großer Kunstliebhaber. Er hat nun mehrere Möglichkeiten: Er könnte das Werk weiterverkaufen – vermutlich mit erheblichem Gewinn. Allerdings handelt es sich hier nicht um einen simplen Privatverkauf. Werke dieser Größenordnung werden fast immer über große Auktionshäuser wie Christie’s oder Sotheby’s gehandelt, unter strengen Sicherheits-, Versicherungs- und Prüfauflagen.
Ari Hodara, der in der Live-Übertragung am Dienstag mitteilte, er werde den Gewinn erst einmal behalten, könnte ihn auch an ein Museum ausleihen – was ihm zwar Prestige, jedoch keine direkten Einnahmen einbringen würde. Aus Sicherheits- und Versicherungsgründen bleibt das Werk vermutlich zunächst im Depot von Christie’s.