Geiseln

»Ein ganz kleines Zeichen der Solidarität«

Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Joshi, du bist der Sänger der Band ZSK, und ihr habt als Band eine Solidaritätsaktion ins Leben gerufen für Yotam Haim. Das ist der Schlagzeuger der israelischen Band Persephore, der von der Terrororganisation Hamas nach Gaza entführt wurde.
Ja, ich habe überlegt, was man als Musikfan von hier aus in Deutschland machen kann. Und das war, der Band bei Spotify Clicks und Streams zu besorgen. Das bringt zwar finanziell nicht viel, aber ich dachte, es ist zumindest ein ganz kleines Zeichen der Solidarität. Du und ich und alle unsere Fans, niemand wird etwas tun können, damit Yotam befreit wird, aber wir können zumindest auf sein Schicksal aufmerksam machen.

Was genau habt ihr als Band dann gemacht?
Wie haben eine Instagram-Story erstellt, die etwas über Yotam erzählt und berichtet, dass er von der Hamas entführt wurde. Die hat sich dann total verselbstständigt. Wahnsinnig viele Fans von uns haben sich über die Solidarität gefreut, haben uns geschrieben, und dann haben Bela B von den Ärzten und ein paar Musikmagazine die Story geteilt. Zu Beginn hatte Persephore monatlich 157 Hörer, jetzt haben sie mehr als 8000.

Wie hat die Band reagiert?
Sie schreiben uns die ganze Zeit, dass sie total dankbar sind. Sie haben allerdings Angst um uns, dass wir in den Fokus von diesen BDS-Kreisen geraten, angefeindet und bedroht werden. Aber ich habe ihnen geschrieben, dass uns das egal ist. Wir sind Punkrocker, wir tun das, was wir für richtig halten. Jeder, der mir hier sagt, man könne nicht solidarisch mit einem jungen Schlagzeuger sein, der von Terroristen entführt wurde, dem sage ich: »F*** dich«.

Wie habt ihr euch kennengelernt?
Wir haben 2019 in Tel Aviv gespielt und sind dort auf viele tolle Punkrockerinnen und Punkrocker gestoßen. Alle hörten die gleiche Musik wie wir und sind damit aufgewachsen. Wir haben uns also direkt verstanden. Persephore habe ich damals nicht getroffen, aber das ist auch nicht entscheidend, denn ich fühle mich ihnen sofort verbunden. Wir kommen aus der gleichen Szene, sie machen Musik so wie wir, gehen genauso auf Tour. Vielleicht war ja sogar einer von ihnen damals auch bei unserer Show in Tel Aviv.

Was hast Du nach dem 7. Oktober von den Bands gehört?
Wir waren mit den Leuten, die wir damals kennengelernt haben, immer etwas in Kontakt. Abgesehen von der Tragödie dieses Tages hat uns besonders betroffen gemacht, dass sich die israelischen Punkbands von der Punk- und  Hardcore Szene weltweit im Stich gelassen fühlen. Die sitzen da, lesen einen furchtbaren Tweet nach dem anderen – entweder Details von dem Massaker am 7. Oktober, oder Tweets irgendwelcher Bands oder linker Gruppen, die diese Angriffe der Hamas auch noch in Schutz nehmen oder relativieren. Es gab anfangs kaum Bands, die sich solidarisch gezeigt haben.

Warum ist die Musikszene so ruhig?
Ich glaube, viele haben einfach Angst, etwas Falsches zu sagen und Angriffsfläche zu bieten. Aber zumindest Feine Sahne Fischfilet, Egotronic, die Antilopengang und die Toten Hosen haben sich geäußert. Etwas passiert, aber es ist insgesamt zu wenig.

Mit dem Sänger sprach Katrin Richter.

Musik

Jay Beckenstein wird 75

Der jüdische Saxofonist aus Buffalo, der seine Jugend in Westdeutschland verbrachte, gründete eine der wichtigsten Fusion-Bands und bietet sanfte Klänge

von Imanuel Marcus  14.05.2026

Berlin

TU eröffnet neues Kompetenzzentrum für Antisemitismusforschung

Nach umfassendem Umbau stünden künftig rund 55.000 Bücher und Zeitschriften sowie etwa 11.000 visuelle Antisemitika für Forschung und Lehre zur Verfügung

 14.05.2026

Zahl der Woche

13 Gruppen

Fun Facts und Wissenswertes

 14.05.2026

Eurovision Song Contest

Die Leichtigkeit der anderen

Der Schoa-Überlebende Walter Andreas Schwarz vertrat Deutschland 1956 beim ersten Grand Prix Eurovision in Lugano. Seine Biografie prallte auf ein Publikum, das die Vergangenheit hinter sich lassen wollte

von Claudio Minardi  14.05.2026

ESC

In der Höhle des Löwen

Noam Bettan steht für Diversität und Offenheit – und wird genau dafür von »Pro-Palästinensern« attackiert. Doch der junge Israeli will sich nicht unterkriegen lassen

von Martin Krauß  14.05.2026

Interview

»Vertrauen und Austausch«

Kim Wünschmann über den Auftrag des Instituts für die Geschichte der deutschen Juden in Hamburg

von Pascal Beck  14.05.2026

Kino

»Palästina 36«

In ihrer Doku geht die palästinensische Regisseurin Annemarie Jacir fahrlässig mit einem historischen Thema um

von Ralf Balke  14.05.2026

Berlin

Ulf Poschardt gibt Herausgeber-Position bei »Welt« auf

Die Hintergründe

von Steffen Trumpf  13.05.2026

Kommentar

Warum Dieter Nuhr den Leo-Baeck-Preis gerade jetzt verdient hat

Dass der Zentralrat der Juden den Kabarettisten ehrt, sendet ein wichtiges Signal weit über die jüdische Gemeinschaft hinaus

von Ahmad Mansour  13.05.2026