Berlin

»Du, lass dich nicht verhärten«: Wolf Biermanns beste Lieder

Wolf Biermann, Liedermacher und Schriftsteller mit jüdischem Familienhintergrund Foto: picture alliance/dpa

Wolf Biermann wird im November 90. Fast zeitgleich jährt sich der Rauswurf des Liedermachers aus der DDR zum 50. Mal. Kurz vor den runden Jahrestagen erscheinen (am 11.9.) Biermanns populärsten Lieder neu. »Dieses Album bündelt etliche Titel, die sich erfolgreich vorgedrängelt haben«, schreibt er selbst zur Auswahl der 19 Stücke auf »Wolf Biermann«. Es ist ein deutsch-deutscher Rückblick. Doch Biermann hat bis heute einiges zu sagen.

»Du, lass dich nicht verhärten, in dieser harten Zeit«: Das Album beginnt mit »Ermutigung«, dem wohl bekanntesten Lied des Chansonniers, der im Alter von 16 Jahren als überzeugter Kommunist von Hamburg nach Ostberlin zog und sich dort später mit der Einheitspartei SED überwarf. Das Lied schrieb er 1966 für seinen Freund Peter Huchel, der durch die DDR-Oberen unter Druck gesetzt wurde.

Verloren die »heile Heimat Utopie«

Biermann, dessen Vater Jude war, erinnert in der »Stasi-Ballade« an seine groteske Überwachung in der DDR, wo er mehr als ein Jahrzehnt mit Auftrittsverbot belegt war, bevor er 1976 nach einem Konzert in Köln ausgebürgert wurde. Er regt sich auf über »die ganze Bürokratenbrut«, die sich mit »Eifer und Geschick dem Volke über das Genick« wälze. Er setzt mit dem »Großen Gebet der alten Kommunistin Oma Meume in Hamburg« ein Denkmal. Das alles meist begleitet nur auf der Konzertgitarre in Biermanns leicht wiedererkennbarem Stil.

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Einiges gehört der Vergangenheit, einiges aber passt auch verblüffend ins Jetzt. »Wann ist denn endlich Frieden in dieser irren Zeit?« Die Frage wirkt nicht fremd. Ebenso der »Phantomschmerz aus dem Paradies«, den Biermann in »Heimweh« besingt: »Die heile Heimat Utopie hab’ ich verloren, dafür und ganz kaputt die halbe Welt gewonnen.«

Lieder und Bücher

Wer Biermann in diesem Sommer sah, hat kaum Zweifel, dass er noch einiges vorhat. Als ihm im Mai im Berliner Konzerthaus der Orden »Pour le mérite« für Wissenschaften und Künste verliehen wurde, spielte der 89-Jährige seine Lieder im Stehen, einen Fuß locker auf einen Stuhl gestemmt, auf dem Knie die Gitarre. Angekündigt sind für den Herbst drei Konzerte, im Oktober in Köln und im November in Hamburg und Leipzig.

Zudem tritt er bei der Frankfurter Buchmesse bei einer großen Veranstaltung am Publikums-Starttag (7. Oktober) auf, veranstaltet von der Messe, dem Penguin Verlag und der Deutschen Presse-Agentur. Dabei stellt Biermann seine drei neuen Bücher vor, darunter der Titel »Ihr löscht das Feuer mit Benzin. Tagebücher - Über Verbot, Ausbürgerung und Mauerfall« zu Fragen von Freiheit, Widerstand und Macht. (mit ja)

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